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Thyssenkrupp / Tarifrunde Stahl: Abschluss bedeutet Lohnverlust

Der Abschluss für die Stahlindustrie wird die voraussichtlichen Preissteigerungen nicht ausgleichen. Er bedeutet Lohnabbau.

Von Peter Berens

Beherrscht die IG Metall-Bürokratie nicht einmal mehr ihr Handwerkszeug? Das ist der erste Eindruck vom Ergebnis der Stahltarifrunde. Es lautet: Nullmonat März 2017. Ab 1. April steigen für dreizehn Monate die Entgelte um 2,3 Prozent. Vom 1. Mai bis 31. Dezember 2018 werden sie um 1,7 Prozent erhöht. Umgerechnet auf ein Jahr bedeutet der Abschluss 1,98 Prozent mehr. Das heißt Lohnabbau.

Preissteigerungsrate liegt höher

Denn die Preissteigerungsrate liegt aller Voraussicht nach über dem Abschluss. Sie stieg im Laufe des Jahres 2016 stetig an. Im Februar 2017 kletterte sie auf 2,2 %. Auf dieser Höhe ist das Ergebnis der Stahltarifrunde Lohnabbau. Ein Fallen der Preise ist nicht zu erwarten. In erster Linie sind die Stahlkapitalisten dafür verantwortlich, dass der Abschluss so niedrig ist. Aber die IGM-Bürokratie hat sich darauf eingelassen. Nun versucht sie zu vertuschen, wie niedrig der Abschluss tatsächlich ist. Deshalb der Nullmonat. Deshalb verschiedene Prozentzahlen.

Vom Produktivitätsfaktor, dem Umverteilungsfaktor oder vom Rückholfaktor, der sich aus dem Lohnverzicht per Haustarif bei Thyssenkrupp (TK) ergibt, war in der Tarifrunde erst gar nicht die Rede. Auch nicht von den sagenhaften Steigerungen der Vorstandsgehälter und der „aktienorientierten Vergütung“ weiterer führenden Manager. Wenn die IG Metall-Führung es nicht schafft, unsere Löhne und Gehälter abzusichern, dann beherrscht die Gewerkschaftsbürokratie ihr Handwerkszeug nicht.

Abschluss bestärkt Stahlindustrielle

Weder ist das ein „vertretbares Ergebnis“, noch führt der Abschluss zu einem „Reallohnplus bei den Beschäftigten“, wie IG Metall-Bezirksleiter NRW und Verhandlungsführer Giesler fabuliert. Die IG Metall-Bürokratie rechnet das Ergebnis auf 4 Prozent hoch. Sie vergisst aber, das Ergebnis auf ein Jahr umzurechnen. Der Abschluss trägt auch ganz bestimmt nicht „zur Beschäftigungssicherung bei“, weil Lohnverzicht noch nie Arbeitsplätze gesichert hat.

Bezogen auf Thyssenkrupp muss der Abschluss von Herrn Hiesinger als direkte Aufforderung verstanden werden, die geplante Fusion mit Tata-Steel knallhart durchzuziehen. Denn das Tarifergebnis bestätigt vollkommen, dass es der Thyssen-Vorstand bei den führenden IG Metall-Funktionären mit echten Weicheiern zu tun hat, deren Unterwürfigkeit immer für einen „Kompromiss“ auf Kosten der Beschäftigten gut ist.

Diese Unterwürfigkeit hängt bei TK und Thyssenkrupp-Steel eng mit den materiellen Privilegien führender (ex)IGM-Funktionäre und Berufsbetriebsräte in den Aufsichtsräten bzw. im Vorstand zusammen. So bekamen im Geschäftsjahr 2015/16 ein Oliver Burkhard, ex IGM-Bezirksleiter NRW, heute Vorstand und Arbeitsdirektor Thyssenkrupp 3.109.000 Euro (+ 41 %). Ein Willi Segerath brachte es als Aufsichtsratsmitglied immerhin auf 108.208 Euro. Politischer Ausdruck der Unterwürfigkeit ist der starke Einfluss der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft bei den IG Metall Vertrauensleuten und im Betriebsrat. So stellt Merkels Gruppe mit Günter Back den Betriebsratsvorsitzenden der TK-Steel. Im „sozialen Gewissen“ und in der „sozialen Gerechtigkeit“ der CDU im Betrieb ist der Lohnverzicht mit eingebaut.

Was tun bei Thyssenkrupp-Steel / RIR

Peter Berens