Sturm, Gitarren und Debatte
von a-infos
Ein turbulentes FAU-Soli-Konzert
Am Freitag fand im Wums e.V. ein Soli-Konzert mit sechs Bands für die Nahrungs- und Gastro-Gewerkschaft (BNG) der FAU Dresden statt. Mit den Einnahmen soll der Druck neuer Arbeitsrechtsmaterialien mitfinanziert werden. Hier ein kleiner Bericht.
Nachdem Hagel und Platzregen am Nachmittag den Aufbau im Außengelände nicht eben vereinfacht hatten, begann das 3. FAU Soli-Konzert trotzdem halbwegs pünktlich um zwanzig nach acht. ,,Dirty Dirk" + Support starteten vor noch etwas spärlicher ZuhörerInnenschaft mit bewegenden Folk-Balladen über Liebe, Drogenprobleme, Träume, aber auch einigem an Klamauk, was die Stimmung schnell auflockerte. Mit den ,,Kotschaftern" aus Dresden betrat anschließend der Punk erstmals am Abend die Bühne und der Pogo ließ nicht lange auf sich warten. Mit Songs über Bier, Biermangel, soziale Probleme und anderen, augenzwinkernd behandelten Themen gab die Band eine gute Show ab.
Zugleich bemühte sich die Gruppe mit dem Aktionslied ,,Sturzbier" um einen angemessenen Füllstand beim Publikum. Das Gewölbe füllte sich indes zunehmend und draußen wurde gleichzeitig das Lagerfeuer entfacht. Die anschließende Umbau-Pause nutzten einige Menschen im Park für eine Feuershow, die nach kurzer Zeit von einer kleinen Jamsession begleitet wurde (Wir haben angefangen. ;P). Weiter ging es mit Metalcore aus Freital: ,,Bathory Æstate" knüppelten mit Druck gegen die Entfremdung und Kurzsichtigkeit unserer Zeit an. Dabei stand der Sänger platzbedingt inmitten des tanzenden Publikums. Dieses wurde von der Band dann auch kurzatmig und völlig durchgeschwitzt zurückgelassen.
Nun wurde es wirklich ein wenig turbulent; ,,Sozialer Fehltritt" aus Chemnitz spielten mit provokanten Lyrics gegen Faschismus und Kapital und für den Anarchismus. Ein wenig zu provokant für Teile der Anwesenden und der OrganisatorInnen - zumal die Kombination Punkrock und kleine Kellergewölbe nur eine geringe Verständlichkeit der einzelnen Strophen zuließen. So wurde das Konzert an zwei Stellen für Diskussionen zwischen Band, OrganisatorInnen und Publikum unterbrochen.
Dabei wurden beide Seiten am Mikrophon gehört und die Möglichkeit zu weiterer Diskussion eingeräumt. Als OrganisatorInnen begrüßen wir diesen Prozess, Musik kann auch mal diskutabel sein und sollte dann auch diskutiert werden. Eben weil es um Kultur und nicht nur um Konsum geht. Zu emanzipatorischer Kultur gehört dann für uns auch, sich mit der dargebotenen Kunst auf Augenhöhe auseinander zu setzen. Enttäuscht sind wir hier von einigen Gästen, die es scheinbar für unzumutbar hielten den Sachverhalt kurz zu klären und die sich respektlos und herablassend gegenüber Menschen mit anderen Ansichten äußerten.
Ebenso enttäuscht sind wir von der Band, die sich im Vorfeld zu den beiden strittigen Liedern hätte äußern sollen, statt diese einfach in den Raum zu stellen. Diese Problematik ist der Band auch spätestens seit 2012 bekannt. Traurig ist auch, dass die Band, nach den Liedern befragt, auch nur Recht schwach argumentieren konnte. Gerade wenn in Liedern Kontexte wie die Shoa themaitisiert werden, empfiehlt es sich nach Meinung der OrganisatorInnen dies mit einiger Überlegung und Sachverstand zu tun. Die Diskussion um diesen Vorfall ist innerhalb der FAU Dresden noch nicht abgeschlossen und wir sind zu diesen Thema weiterhin ansprechbar. Ebenso werden wir uns in Zukunft um bessere Absprachen mit den MusikerInnen bemühen.
Mit diesem polarisierenden Auftritt war der Abend jedoch noch lange nicht beendet. Etwa gegen 1 Uhr spielte die anarchistische Folkband ,,Alarm" aus Dresden auf und erhielt umgehend lautstarke Unterstützung aus dem Publikum. Nach über einer Stunde libertärer Liedgutdarbietung der traditionellen Sorte und einigem an Tanz, zog die Band für 1-2 Zugaben ans Lagerfeuer um, um den Umbau zu ermöglichen. Mit ,,Dampf in allen Gassen" trat nun ein Projekt der Rotzfrechen Asphaltkultur auf. Mit Saxofon, Akkordeon, Ukulele, Gitarre, Kontrabass, Trommeln und anderen Instrumenten besang die Band die Revolution, prangerte MieterInnenverdrängung an, erzählte vom Diebstahl aus sozialer Not und rappte über garstige ChefInnen. Gegen 4 Uhr endete dann schließlich auch dieser kraftvolle Auftritt und die Feier ging mit Geklimper am Lagerfeuer und Musik aus der Konserve weiter, bis gegen 7 Uhr auch die letzten Gäste aufgaben.
Während des Abbaus am nächsten Tag standen im Übrigen durch sintflutartige Regenfälle die Straßen um das Wums herum z.T. knietief unter Wasser und auch der Keller blieb nicht gänzlich trocken. Die hektischen Aufräum- und Schöpfarbeiten ließen die MusikerInnen von ,,Dampf in allen Gassen" dann mit einer weiteren Jam-Session im Hausflur ausklingen.
Wir bedanken uns herzlich bei den Bands, der Technik, dem Haus, den vielen HelferInnen und den Gästen, war ein feiner Abend, bis zum nächsten mal!