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Gustav Noske: „Ich will säubern, nicht vernichten.“

von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Aufruf Gustav Noskes gegen die revolu- tionären Arbeiter vom Januar 1919

„Arbeiter!

Die Reichsregierung hat mir die Führung der republikanischen Soldaten übertragen. Ein Arbeiter steht also an der Spitze der Macht der sozialistischen Republik.

Ihr kennt mich und meine Vergangenheit in der Partei. Ich bürge Euch dafür, dass kein unnützes Blut vergossen wird.

Ich will säubern, nicht vernichten.

Ich will Euch mit dem jungen republikanischen Heer die Freiheit und den Frieden bringen.

Die Einigkeit der Arbeiterklasse muss gegen Spartakus stehen, wenn Demokratie und Sozialismus nicht untergehen sollen.“

Vgl. Dokumente zur deutschen Geschichte, 1917 – 1919.

Aus einer Presseerklärung des Reichswehrministers Gustav Noske vom 25. Februar 1919 über die politischen Perspektiven

»Ich zweifle und verzweifle keineswegs an unserer Zukunft. Wir werden uns die Position, die einem Volke von 70 Millionen gebührt, schon wieder schaffen. Das gilt auch für den Fall, dass die Franzosen uns vorübergehend Elsaß-Lothringen abnehmen sollten. Ich rechne da vor allen Dingen auch auf die Stimmung im Lande selbst, die sehr bald umschlagen wird. Die Franzosen werden es ohne Zweifel früher als sie heute ahnen, bitter bereuen, wenn sie in der Tat den Elsässern und Lothringern ihr Selbstbestimmungsrecht jetzt vorenthalten sollten. Die Franzosen haben eineinhalb Millionen Tote gehabt; das zählt für ein Volk von 37 Millionen mit schwacher Vermehrung ganz anders als für uns, ein Volk von 70 Millionen mit starker Vermehrung [...] Es wird meines Erachtens nützlich sein, wenn die Presse scharf betonen wollte, dass in dem heute angenommenen Wehrgesetz keineswegs ein Rückfall in den alten Militarismus zu sehen ist [...] Ich gehöre ganz und gar nicht zu den Leuten, die bedingungslos alles verurteilen, was da war. Aber es ist nun einmal nicht zu leugnen, dass der Widerwille gegen das alte System bei der Mehrheit des Volkes und insbesondere der Arbeiterschaft vorhanden ist; nur der Politiker rechnet nicht mit dem, was da sein sollte, sondern mit dem, was ist. Die Wählerschaft gleitet noch immer nach links. Es beunruhigt mich nicht weiter, und selbst wenn wir bei den nächsten Wahlen Mandate verlieren sollten, so schadet das nichts; es wird sich später bezahlt machen. Gewiss, es ist eine teilweise Wiederbelebung des alten Systems, was wir jetzt machen; betonen Sie es aber bitte nicht; ein paar Monate noch, dann können sie umso vorbehaltloser in die Propaganda für Ihre Ideen eintreten. Warten Sie damit, bis das Volk mehr zu essen und mehr Feuerung hat, nicht um diese Regierung, sondern um des Landes willen! Begünstigen Sie in jeder Weise unsere Werbungen.«

Vgl. Dokumente zur deutschen Geschichte, 1917 – 1919. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1975. / Zentrales Staatsarchiv Potsdam, Nachlaß Roesicke, Nr. 4b, Bl. 53 ff.