Fiesta-Produktion bleibt in Köln
von IG Metall Köln-Leverkusen
Beschäftigungssicherung für Ford Mitarbei- ter bis 2021 - Zukunftsvertrag auch für Deutz Belegschaft: Beschäftigungssicherung bis 2018
Gute Nachrichten für den Industriestandort Köln. In den beiden größten Industriebetrie- ben Kölns, den Ford Werken und der Deutz AG, konnten die Betriebsräte langfristige Vereinbarungen für ihre Belegschaften erfolgreich abschließen.
Ford:
Nach schwierigen und langen Verhandlungen konnte der Gesamtbetriebsrat der Ford Werke GmbH eine langfristige Vereinbarung zugunsten des Kölner wie der deutschen Standorte abschließen.
Die gewerkschaftlich gut organisierten Belegschaften in Köln und Saarlouis haben diese Verhandlungen unterstützt, nicht zuletzt mit der hervorragenden Beteiligung aller Belegschaftsgruppen am 14. Februar 2014 an der Kundgebung des Betriebsrates für den Erhalt der Kölner Fiesta-Fertigung.
Die neue Investitionssicherungsvereinbarung, die ab 1. Januar 2017 in Kraft tritt, schließt betriebsbedingte Kündigungen bis 2021 aus, sichert die Fiesta-Fertigung in Köln sowie die Zukunft der Ford-Standorte in Köln und Saarlouis.
Dies ist zeitlich eine der weitreichendsten Vereinbarungen in der deutschen Autoindustrie.
Die Vereinbarung umfasst nachfolgende Eckpunkte:
- Die nächste Generation Fiesta wird ab 2017 ausschließlich in Köln gebaut. Die Fertigung wird in eine flexiblere Zwei-Schicht-Produktion transformiert.
- Die Fertigung im Kölner Motorenwerk wird ab 2017 auf drei Schichten erhöht.
- Das Werk in Saarlouis bleibt der einzige Standort für die Fertigung der Modelle Focus und C-Max.
- Die Produktentwicklung in Köln wird weiter gestärkt und die eigenen Kompetenzen durch die Einstellung von 500 Mitarbeitern in 2014 ausgebaut.
- Das Ersatzteilzentrum der Ford Customer Service Division (FCSD) in Köln behält seine strategische Stellung in Europa.
- Die Ausbildung von Facharbeitern wird fortgesetzt und weiterhin werden mindestens 150 Jungfacharbeiter pro Jahr in feste Arbeitsverhältnisse übernommen.
- Köln und das Forschungszentrum in Aachen bleiben das Herz der europäischen Aktivitäten von Ford in den Bereichen alternative Antriebe und neue Mobilitätskonzepte.
Witich Roßmann, I. Bevollmächtigter der IG Metall erklärt dazu:
„ Das hohe Engagement der Ford-Belegschaft für den Fiesta wurde belohnt. Der Betriebsrat hat gegen viele Widerstände den Produktionsstandort in Köln sichern können. Betriebsrat sowie das deutsche und europäische Management haben sich intensiv für diese Lösung auch in der amerikanischen Ford Zentrale engagiert.
Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist es ein besonderer Erfolg dieser Vereinbarungen, dass die IG Metall Tarifverträge uneingeschränkte Grundlage der Arbeits- und Entgeltbedingungen der Ford Belegschaften bleiben.“
Die Belegschaft flankiert diese Vereinbarungen durch Verzicht auf die bisherigen Jubiläumsregelungen des Unternehmens sowie flexiblere Produktionsformen.
Deutz AG Köln:
Durch eine Zukunftsvereinbarung zwischen Betriebsrat und Vorstand der Deutz AG wird die Schließung des Standortes Köln-Deutz flankiert.
Diese Vereinbarung schließt betriebsbedingte Kündigungen für alle Mitarbeiter bis Juni 2018 aus. Am zentralen Produktionsstandort Köln-Porz wird ein neues Produktionszen- trum für die Fertigung von Nocken- und Kurbelwellen errichtet, die bislang in Deutz produziert wurden. Die Zukunftsvereinbarung enthält auch die Sicherung der Ausbildung bei Deutz und die Übernahme der Auszubildenden in unbefristete Arbeitsverhältnisse.
Damit ist auch die Zukunft der Deutz AG in Köln, die gerade das 150-jährige Jubiläum der Erfindung des Otto-Motors in Köln feierte, als größter unabhängiger deutscher Motorenproduzent gesichert.
Auch bei der Deutz AG bleiben die IG Metall Tarifverträge NRW uneingeschränkte Grundlage der Arbeits- und Entgeltbedingungen.
Eisenwerk Brühl:
Auch das Eisenwerk in Brühl profitiert von der Ford Modernisierungsstrategie: Hier werden die Motorenblöcke für den 1l/Dreizylinder EcoBoost Motor gegossen, dessen Volumen weiter wachsen soll. Zusätzlich erhielten sie den Auftrag für die Motorblöcke des neuen Ford Panther Diesel Motor, der in England gefertigt wird.
Witich Roßmann:
„Dies sind gute Nachrichten für den Industriestandort Köln und die Kölner Region. Die Entscheidungen bei Ford und Deutz sichern auch vielen tausend Beschäftigten in der Zulieferindustrie der Region, im Kölner Handwerk, in der IT-Industrie, bei den zahl- reichen Ingenieurdienstleistungsunternehmen sowie im Ford-Industriepark die Arbeitsplätze.
In der Summe geht es um weit mehr als 10.000 Arbeitsplätze, die sonst bedroht gewesen wären.
IG Metall und Betriebsräte werden in den Aufsichtsräten und in den betrieblichen Verhandlungen weiter auf Investitionen in Arbeitsplätze, gute Arbeitsbedingungen und gute Ausbildung drängen.
Die technologische Revolution in der industriellen Fertigung geht weiter: „Industrie 4.0“ – die webbasierte industrielle Produktion - steht vor der Tür. Ford und Deutz stehen schon heute weltweit an der Spitze modernster Produktionstechnologien. Dieser Vor- sprung kann nur durch Investitionen in Forschung & Entwicklung, in modernste Maschinen und hochqualifizierte Mitarbeiter weiter abgesichert werden.“
Dr. Witich Roßmann
I. Bevollmächtigter
IG Metall Köln-Leverkusen
Hans-Böckler-Platz 1
50672 Köln
E-Mail: Witich.Rossmann@igmetall.de
Telefon: 0221 9515 24 -10 oder -11
Fax: 0221 9515 24 41
Mobil: 0170 3333 225
Ford - Betriebsrat erhält stürmischen Beifall
Vor wenigen Stunden ging die Betriebsversammlung in den Kölner Ford-Werken zu Ende. Bereits zweimal war sie verschoben worden, da noch "weiterverhandelt" werden müsse. Über 9000 Kollegen waren gekommen und die Spannung war spürbar in der heissen Luft. Innen war die Stimmung ebenso heiss wie draussen mit 36 Grad.
Ford wollte die Produktion des Fiesta in das rumänische Krayowa verlegen. Begründung waren die niedrigeren Lohnkosten und der Zwang des Konzerns zu Einsparungen. Der BR bestritt die Verbilligung der Produktion, da er die Berechnung der Transportwege per LKW auf den Autobahnen sowie die eingespielte Infrastruktur in Köln (eigenen Bahnan- schluss etc.) in die Rechnung einbezogen wissen wollte. Zudem drohte er im Falle einer negativen Entscheidung mit einem massiven Arbeitskampf, der nicht auf Köln beschränkt bleiben würde.
Die Geschäftsleitung knickte hilflos ein.
Verhandlungsergebnis:
- Die Produktion bleibt in Köln
- Arbeitsplatzgarantie für alle bis zum Jahr 2020
- Keinerlei Abgruppierungen oder Entlassungen
Die Spannung der Kollegen löste sich in einem Beifallssturm auf und der
Betriebsrat ist jetzt "the Champion" bei den KollegInnen.