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Einheitsmeinung statt einheitliche Aktion?

Leserbrief an die Metallzeitung

Der unten stehende Leserbrief zur Berichterstattung über die Kundgebung der IG Metall am 3. Mai vor Thyssenkrupp Hüttenheim wurde in deren Juli-Ausgabe nicht veröffentlicht. Er war von mir am 6. Juni an die Redaktion der Metallzeitung gemailt worden. Für die Redaktion lehnte Kollegin Koppelberg am 13. Juni die Veröffentlichung ab, weil der Leserbrief nur Insider interessiere, aber die meisten LeserInnen der Zeitung nicht. Im vorausgegangen Mail-Wechsel hielt Kollegin Koppelberg meinen Stasi-Vergleich für stark überzogen. In meiner Antwort fand ich das auch deshalb nicht, weil die Polizei bereits am 1. Mai 2016 beim DGB-Sammelpunkt vor dem Hamborner Rathaus auf die MLPD losgelassen worden war.

Peter Berens

 

Leserbrief zu den Artikeln „Flieg, Aktie, flieg!“ und „Pläne endlich auf den Tisch“ in Metall, Juni 2017

Einheitsmeinung statt einheitliche Aktion?

Ein einheitliches Handeln war das nicht am 3. Mai, als 7.500 Stahlkocher von Thyssenkrupp in Hüttenheim gegen Arbeitsplatzvernichtung und die Fusion mit Tata-Steel demonstrierten. Die tolle Aktion der Auszubildenden von den Hüttenwerken Krupp Mannesmann (Metall S. 7) konnte nicht überdecken, dass die KollegInnen vom HKM-Stahlwerk von der anderen Straßenseite weiter arbeiteten, obwohl das Werk zu 50 % zu Thyssenkrupp gehört und dort 600 Arbeitsplätze auf der Kippe stehen. Sie kamen nicht zur Kundgebung.

Wer ist für eine einheitliche Mobilisierung zuständig, wenn nicht die IGM-Bezirksleitung NRW, deren Stahlverantwortlicher als 1. stellvertretende Vorsitzender im Aufsichtsrat von HKM sitzt? Das spielte voll TK-Boss Hiesingers Salamitaktik in die Hände. Aktionseinheit sieht anders aus.

Statt Aktionseinheit war Einheitsmeinung angesagt. Ein Wirtschaftsminister Duin durfte wieder einmal seinem EU-Nationalismus gegen China und Indien freien Lauf lassen. Die KollegInnen von der „Belegschaftsliste“ von Thyssenkrupp standen zwar in der ersten Reihe (siehe großes Foto Metall S. 28). Aber reden durfte niemand von ihnen, obwohl sie bei der erneuten Betriebsratswahl 2015 im Werk Hamborn-Beckerwerth 1.824 Stimmen und ihre Redner großen Beifall auf den letzten Betriebsversammlungen erhielten. Die Kundgebungsleitung ließ sogar die Polizei gegen zwei Dutzend GewerkschaftskollegInnen der MLPD los, weil sie am Rande der Kundgebung ein eigenes Megafon benutzten. Das war Stasi-tauglich.

Wer wie die IGM-Bezirksleitung NRW unter Einheitsgewerkschaft nicht einheitliches Handeln und Meinungspluralismus, sondern Spaltung in der Aktion und Einheitsmeinung wie in der DDR versteht,  fährt nicht nur den Arbeitskampf bei Thyssenkrupp gegen die Wand, sondern auch die IG Metall.

Peter Berens, Gewerkschaftsmitglied seit 1971