Der 49 %-Trick bei Thyssenkrupp
Für wie blöd haltet ihr uns?
Von RIR
Hiesinger will keine Minderheitsbeteiligung. Er tut nur so. Jetzt darf Back bellen.
Wie kann Hiesinger die Fusion mit Tata-Steel durchziehen und können Back und Wetzel gleichzeitig einen Sieg im Abwehrkampf landen?
Aus der Trickkiste der Stahlindustriellen
Der Trick von Stanley Matthews war genial. Der Trick von Pogba gegen Kimmich war einfach, aber wirkungsvoll. Außer genialen und einfachen Tricks gibt es dumme Tricks. Ein saudummer Trick des Kapitals heißt: plötzlich draufsatteln. Will ich einen Bereich dicht machen, drohe ich plötzlich, das ganze Werk zu schließen. Betriebsratsspitze und Gewerkschaftsbürokraten dürfen dann das Werk „retten“, können aber „leider, leider“ die Schließung des Bereichs nicht verhindern. Ähnlich läuft es jetzt mit der Fusion.
Als die Medien den bevorstehenden Abschluss der Fusionsverhandlungen meldeten, kam Hiesingers angeblicher Wunsch nach einer Minderheitsbeteiligung so überraschend wie ein Schlaganfall. Kaum wird Hiesingers angeblicher Plan veröffentlicht, bietet sich für Konzernbetriebsrat Segerath und den ex IGM-Vorsitzenden Wetzel ein neues Angriffsziel. Und später heißt es dann: Die Minderheitsbeteiligung haben wir verhindert, aber gegen die Fusion waren wir „leider, leider“ machtlos.
Back ist gegen Fusion. Und wie!
Alle Medien haben gemeldet: Die Gespräche über die Fusion stehen vor dem Abschluss. Was hat der Betriebsrat getan, um an Informationen zu kommen?
• Hat er gegen Hiesinger geklagt, weil der seit fast zwei Jahren ständig die gesetzliche Informationspflicht nach § 106 Betr.VG verletzt?
• Hat er gegen Hiesinger Strafanzeige gestellt, weil der damit die Arbeit des Betriebsrats behindert hat?
Der (Konzern)Betriebsrat mit Back (und Segerath), die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von TKS und TK hatten alle Möglichkeiten, an die benötigten Informationen zu kommen. Sie wollten nicht.
Und hat die IG Metall das Hauptquartier in Essen blockiert, um Informationen von Hiesinger zu erzwingen? Die IGM hat am 3.5. die Kundgebung in Hüttenheim gemacht, weil nach Monate langem Tiefschlaf irgendetwas passieren musste. Das war reines Dampf ablassen! Tausende von betroffenen KollegInnen fehlten (z.B. von HKM).
Lippenbekenntnisse
Unter dem Druck der Stahlkocher erklärten Betriebsratsspitze und IGM-Bürokraten öffentlich: Wir lehnen die Fusion mit Tata-Steel ab!
Doch leider wird die Spitze des TKS-Betriebsrats von der CDA kontrolliert. Die CDA ist die CDU bei Thyssenkrupp. Die CDU ist noch nie dadurch aufgefallen, dass sie Fusionen von Konzernen ablehnt oder verhindert. Im Gegenteil: Die CDU ist eine Partei des Kapitals und damit auch der Stahlindustriellen. Und da soll das Landesvorstandsmitglied der CDA in NRW, Günter Back, die Fusion mit Tata-Steel verhindern?
Wie komme ich aus der Nr. raus?
Wie können also Betriebsratsspitze und IGM-Bürokratie ihr Gesicht wahren? Die Fusion wollen sie nicht verhindern.
Wir wissen nicht, wer auf den plumpen Trick mit der plötzlichen Minderheitsbeteiligung gekommen ist. War es Hiesinger oder Kerkoff? War es Segerath oder Back? War es Wetzel oder Burkhard? Irgendwo im Dreieck zwischen Essen (Vorstand), Duisburg (Betriebsratsspitze) und Frankfurt (IGM) fiel die Idee mit der Minderheitsbeteiligung vom Himmel. Jetzt können Betriebsrat und IGM für eine Mehrheitsbeteiligung kämpfen, um die Minderheitsbeteiligung verhindern – aber „leider, leider“ die Fusion mit Tata-Steel nicht. Das wird dann als toller Erfolg im Abwehrkampf gefeiert.
Was tun?
Wer immer sich den 49%-Trick ausgedacht hat, hält uns für blöd. Passt nur auf, dass ihr euch nicht verrechnet. Schon die nächste Kundgebung könnte euch aus dem Ruder laufen. Der Druck von unten kann stärker werden, als ihr ahnt. Aber nur, wenn wir Stahlkocher den Kampf gegen die Fusion nicht Back, Segerath und Wetzel überlassen.
RIR 05.07.2017
Als was tun lay outet bei http://riruhr.de/Dokumente/WT070717.pdf