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Vortrag „Wirtschafts kriminalität im Bereich der neuen Finanzmärkte - Eine Gefahr für Wohlstand und Demokratie"

von Dr. Stephan Hessler

21. April, 18:00 Uhr, im Haus der Stiftung Demokratie Saarland, Bismarckstr. 99, 66121 Saarbrücken

In den Kriminalitätsstatistiken verzeichnen Wirtschaftsdelikte seit Jahren die höchsten Wachstumsraten. Nach Berechung des Internationalen Währungsfonds beläuft sich das Volumen illegaler Zahlungsströme auf mehr als 5 Prozent des Weltsozialproduktes. Korrupte Potentaten, Geldwäscher, Terroristen, Steuerbetrüger, Menschen- und Drogenhändler bedienen sich subtiler Finanzinnovationen auf den internationalen Kapitalmärkten, mit denen Herkunft und Zweck der Gelder verschleiert werden.

Die Wahrnehmung von Kriminalität wie auch die politischen Maßnahmen zur Kriminalitäts- oder Terrorbekämpfung zielen weitgehend auf die Abwendung physischer Gewalt ab. Nahezu täglich sehen wir uns mit neuen Verschärfungen der Bürgerrechte konfrontiert. Andererseits agieren die Akteure auf den Finanzmärkten in einem Regulationsvakuum, das für viele Akteure einem Anreiz zur Wirtschaftskriminalität gleichkommt. Nationalstaaten, Kommunen, soziale Sicherungssysteme und breite Bevölkerungsschichten verzeichnen einen ungeheuerlichen Aderlass an Kapital. Mit dem Verlust an demokratischer Verfügungsmasse büßen Demokratien ihre Legitimation ein.

Viele Nichtregierungsorganisationen fordern daher eine schärfere Kontrolle grenzüberschreitender Finanztransfers, und selbst Geheimdienste, Staatsanwälte und Polizeibehörden beklagen immer häufiger die mangelnde Transparenz und die Kultur der Straflosigkeit, die mit der Liberalisierung der Finanzmärkte einhergeht. So kommt es in der Mehrzahl der Delikte nicht zur Anklageerhebung. Selbst spektakuläre Prozesse enden mit banalen Geldstrafen.

Dr. Stephan Hessler, geb. 1957, Publizist. Studium der Volkswirtschaftslehre, Politische Wissenschaften und Pädagogik, 1989 Promotion zum Thema „Umwelt und Entwicklung im ländlichen Raum". Seit 1995 Hochschulassistent an der WBE Internationale Beziehungen in Frankfurt/M und seit 2001 Habilitand am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität zum Thema „Neue Finanzmärkte".

1985 Forschungsaufenthalte in Ecuador und 1990 Forschungsprojekt „Strukturveränderungen in der Weltwirtschaft und Konsequenzen ihre für die internationale Ordnung 1960-1990".

Seit 1999 Mitglied im Koordinationskreis Attac (Rhein-Main) und im Wissenschaftlichen Beirat. Seit 2007 Vorstandsmitglied von Business Crime Control. Mitherausgeber der Zeitschrift BIG Business Crime.

Die Teilnahme ist kostenlos.