Bürgermeister für Netzwerke gegen Schulschwänzen
Knast für Eltern von Schulschwänzern ist keine Lösung
Saarbrückens Bürgermeister Kajo Breuer (Grüne)hält aufgrund entsprechender Erfahrungen in der saarländischen Landeshauptstadt nichts von dem Vorschlag des Berliner Innensenators Körting (SPD), die Eltern von Schulschwänzern mit Freiheitsentzug zu bestrafen. Der Vorschlag des Berliner Senators zeuge mehr von Hilflosigkeit denn von Kompetenz. Richtig sei, dass das Thema Schulschwänzen als der Beginn eines sozialen Abgleitens verstanden, deshalb ernst genommen und frühzeitig angegangen werden müsse, sagt Breuer.
Eine eigens zu diesem Zweck Ende 2005 geschaffene interdisziplinäre Arbeitsgruppe (zusammengesetzt unter anderem aus Vertretern städtischer Behörden, der Polizei, des Landes sowie des Jugendamtes des Regionalverbandes) habe sich in Saarbrücken mit der Problematik auseinandergesetzt. Die Erfahrungen in der Stadt hätten gezeigt, dass es wichtig sei, das Vorgehen an den Schulen zu standardisieren, den Lehrern Hilfe durch Handlungsanleitungen zu geben und auch die Eltern verstärkt in die Verantwortung zu nehmen. Hierfür seien Maßnahmenpakete, die die individuell sehr verschiedenen Ursachen für das Schwänzen berücksichtigten, notwendig - und keinesfalls pauschale Maßregelungen wie die geforderten Freiheitsstrafen. Im Einzelfall könne eine solche Androhung vielleicht schon einmal angemessen sein, als Regelfall sei sie jedoch unnütz und gehe ins Leere, sagt der Bürgermeister.
Kajo Breuer: "Wenn ein Kind aus panischer Angst nicht in die Schule geht, helfen Freiheitsstrafen gegen die Eltern überhaupt nichts. Dann sind Psychologen und Schulsozialarbeiter einzuschalten. Kümmern sich die Eltern jedoch nicht, genügen häufig Geldbußen, um eine Verhaltensänderung zu bewirken." Wichtig sei die Vernetzung der Schulen mit den potenziellen Helfersystemen aus Schulsozialarbeit, Schulpsychologen, Jugendamt, Polizei und Ordnungsamt. Nur die Zusammenarbeit innerhalb dieses Netzwerks sowohl bei der Ursachenfindung als auch bei der Festlegung eines geeigneten Vorgehens gegen das Schulschwänzen verspreche eine dauerhafte Verhaltensänderung der betroffenen Schüler und Eltern. "Ich sehe auch im Saarland dringenden Handlungsbedarf beim Kultusministeriums, den Schulleitungen und Lehrern einen standardisierten Leitfaden zum Umgang mit Schulschwänzen zur Verfügung zu stellen", so Saarbrückens Bürgermeister abschließend.