Auflösung der Saarbrücker Schulbezirke ist der falsche Weg
Vorschlag des Schuldezernenten Erik Schrader (FDP) zur Auflösung der Schulbezirke in Saarbrücken weist den falschen Weg. Neoliberale Positionen sind im Bildungsbereich fehl am Platze
Saarbrücken (sk) - Als verfehlten Ansatz sieht der Ortsverband „Die Linke Alt-Saarbrücen / St. Arnual" den Vorschlag des städtischen Schuldezernenten Erik Schrader, die Schulbezirksgrenzen für die Grundschulen in Saarbrücken aufzulösen, um so den Eltern angeblich die freie Wahl der passenden Grundschule für ihr Kind zu ermöglichen. Dies ist keine Berücksichtigung des Elternwillens, sondern das Zugeständnis, dass unhaltbarer Zustände an den städtischen Grundschulen herrschen.
Wenn, wie Schuldezernent Schrader begründet, die Schulbezirksgrenzen aufgelöst werden müssen, damit Eltern ihr Kind beispielsweise auf eine Schule mit Flötenkurs, Sportangebot oder einem besonderen Französischangebot schicken können, ist das nur Ausdruck dafür, dass die Saarbrücker Grundschulen sehr unterschiedlich ausgestattet sind. Einige an problematischen Standorten leiden darunter besonders. Die Lehrerinnen und Lehrer werden oftmals mit ihrem Unterrichtsangebot alleine gelassen. Ein für alle Grundschulen gleiches Förder- und Zusatzangebot ist nicht vorhanden.
Durch die Auflösung der Schulbezirksgrenzen wird ein Wettbewerb um die attraktivste Grundschule stattfinden, bei dem die schlechter ausgestatteten Schulen das Nachsehen haben. Auch führt das in der Praxis dazu, dass einige Schulen mehr Anmeldungen haben werden, als denn Schüler aufgenommen werden können. Andere Schulen werden dagegen gemieden werden, so dass ihre Zweizügigkeit, die den Bestand der Schulen erst sichern würde, verloren gehen könnte.
Statt nun Eltern zu zwingen wegen einer besonderen Schule ihr Kind durch die ganze Stadt karren zu müssen, sollte der Schuldezernent lieber dafür sorgen, dass an allen Saarbrücker Grundschulen entsprechende Ergänzungsangebote eingerichtet werden.
Auch muss einer mit einer freien Schulwahl verbundenen sozialen Selektion vorgebaut werden. Es darf nicht sein, dass eine soziale Durchmischung der Schülerschaft dadurch verhindert wird, weil Eltern, denen dies möglich ist, die Grundschule am Ort vermeiden, weil ihnen das Einzugsgebiet zu schwierig ist.
Lothar Schnitzler, Vorsitzender des Ortsverbands Die Linke Alt-Saarbrücken / St. Arnual: "Die Linke Alt-Saarbrücken fordert Schuldezernent Schrader auf, die Finger von den Schulbezirken zu lassen, weil sie die einzige Grundlage für eine soziale Durchmischung der Schülerschaft gewährleisten. Auch ist dadurch sichergestellt, dass die Schulen ihre Existenzberechtigung behalten und nicht durch einen gnadenlosen Wettbewerb daran gehindert werden, unter schwierigsten Bedingungen einen guten Unterricht anzubieten.
Schuldezernent Schrader sollte mit Bildungsministerin Kramp-Karrenbauer ein zusätzliches Angebotsprofil für die Saarbrücker Grundschulen aushandeln, das den besonderen sozialen Bedingungen einer Großstadt entspricht und den erschreckenden Erkenntnissen der Pisa-Studie Rechnung trägt, die eindeutig einen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg feststellt hat".
Foto: SaarKurier