Blitzkrieg gegen die Erde


Bildmontage: HF

20.07.18
ÖkologiedebatteÖkologiedebatte, Umwelt, Debatte 

 

Von Jürgen Tallig

Die menschliche Zivilisation transformiert die Erde  gerade  unumkehrbar  in einen lebensfeindlichen Zustand. Eine Anpassung daran wird für die Biosphäre und den Großteil der Menschheit nicht möglich sein. Es braucht eine sofortige Große Transformation der Gesellschaft und einen verbindlichen Rettungsplan für die Erde.

Die Erderwärmung nimmt weiter Fahrt auf. Die Arktis verströmt ihre Kälte nach Süden und die globale Meereisbedeckung hat in Nord und Süd dramatisch  abgenommen und lag im November 2016 vier Millionen km² unter dem langjährigen Mittel. Das heißt, eine Fläche von der Größe der EU ist nun nicht mehr mit Eis bedeckt, wodurch aufgrund der veränderten Albedo (Wärmerückstrahlung), der Erde zusätzlich eingeheizt wird.

Die Kältephasen in Europa bezeugen eine stark veränderte atmosphärische Zirkulation und den  massiven Kälteexport der Arktis  und nicht etwa ein Stagnieren der Erderwärmung.

In den nördlichen Polarregionen waren die Temperaturen 6- 8 Grad zu hoch und lagen  wiederholt sogar 20 Grad über dem langjährigen Mittel,- das Eis taute selbst im Winter (siehe „ Absurdes Wetter in der Arktis“). Die kritische Temperaturgrenze für ein tiefes Auftauen  des Permafrosts dürfte nun überschritten sein, was eine dramatisch verstärkte Freisetzung von Treibhausgasen zur Folge hätte. Eine Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad wird immer unwahrscheinlicher.

Die Erde befindet sich damit auf dem Weg in eine beispiellose Klimakatastrophe, mit Folgen, deren Ausmaß wir bisher nur ansatzweise überblicken und die weder beherrschbar, noch  rückgängig zu machen sein werden.

Die schnelle Transformation der menschlichen Zivilisation in einen erdsystemkompatiblen Zustand ist deshalb eine Überlebensfrage.

 

Das Zeitfenster für eine Begrenzung der Klimakatastrophe schließt sich gerade

und es wird sich nicht wieder öffnen. Kippprozesse in der Biosphäre und im Erdsystem können die Erderwärmung jederzeit dramatisch beschleunigen. Es muss jetzt sofort entschlossen gehandelt werden, um die verbliebene Minichance einer Begrenzung noch zu nutzen.

Doch die Menschheit scheint den Ernst der Lage noch nicht wirklich begriffen zu haben, oder nicht begreifen zu wollen. Sie verhält sich so, als ginge es um eine Erderwärmung von fünf Grad im Verlauf von 10000 Jahren und begreift nicht, dass von 100 Jahren die Rede ist und was das bedeutet.

Vor allem die westlichen Gesellschaften befinden sich angesichts der Klimakatastrophe in einem interessegeleiteten Verblendungszustand, der sie gegen eine realistische Wahrnehmung der drohenden Gefahren regelrecht immunisiert und sich ein „Weiter so“, als das kleinere Übel vorstellt.

Dem wird noch Vorschub geleistet, durch die weitverbreitete Ansicht, dass es ja erst ab drei Grad richtig gefährlich würde und man dann immer noch gegensteuern könne.

Substanzielle Gegenmaßnahmen werden daher immer wieder hinausgeschoben und die Schere zwischen dem nicht zukunftsfähigen Ist- Zustand und dem zum Überleben Nötigen wird immer größer. Man will es scheinbar auch in den nächsten Jahren, wie auch schon in den vergangenen 25 Jahren, bei symbolischer Klimapolitik belassen.  Als sei noch alle Zeit der Welt. Dem ist aber nicht so!

Der ungebremste, globalisierte Turbokapitalismus produziert bereits jetzt,  einen nie dagewesenen Turboklimawandel. Mit einem fortgesetzten jährlichen CO2-Ausstoß, von 40 oder gar 60 Gt würden wir nicht nur eine Erderwärmung von mindestens 4-6 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts verursachen, sondern auch  eine irreversible Schädigung entscheidender Regelkreise des Systems Erde. Der bereits schwer destabilisierte Kohlenstoff- und Sauerstoffkreislauf, könnte durch Kippprozesse in der Biosphäre  vollends kollabieren, was eine unbegrenzte, verstetigte Aufheizung der Erde zur Folge hätte. Um noch Frieden mit der Erde schließen zu können, müssen die Emissionen sofort drastisch, um den Faktor 10, auf 4-6 Gt CO2  reduziert werden und schnellstmöglich gegen Null gehen.

Es gibt auch beim Klimawandel einen „Point of no Return“, ab dem die Entwicklungen sich völlig unbeherrschbar und chaotisch beschleunigen. Wir sind wahrscheinlich die letzte Generation, die den Klimawandel, wenn schon nicht aufhalten, so doch wenigstens begrenzen kann. Diese Chance, aus Macht- und Profitinteressen leichtfertig zu vertun, wäre unverzeihlich.

Doch es ist inzwischen sehr fraglich, ob die Erderwärmung auf 2 Grad begrenzt werden kann. Die Treibhausgas (THG)- Emissionen sind unverändert viel zu hoch.

Zum Beispiel liegen die deutschen CO2- Emissionen bei weit über 800 Millionen Tonnen jährlich, -der deutsche Wald kann allerdings nur 80 Mill. t absorbieren. Selbst wenn man die schmutzigen Zulieferungen und die globalen Aktivitäten seiner Konzerne nicht berücksichtigt, verursacht Deutschland  also das 10 fache dessen, was seine eigenen CO2-Senken aufnehmen können.

Treibhausgase und kein Ende!?

Immer mehr namhafte Klimawissenschaftler äußern sich aufs höchste besorgt.

Johan Rockström vom  Stockholm Resilience Centre sieht die Pufferkapazitäten der Erde erschöpft und fordert: “Wir müssen die Emissionskurve unverzüglich nach unten biegen, um die größten Auswirkungen auf unsere Welt noch zu verhindern.“

Doch es  deutet alles darauf hin, dass in den nächsten 20 Jahren noch einmal 800 Gigatonnen,  also 800 Milliarden Tonnen CO2, allein aus Verbrennung freigesetzt werden. Ihre Emission wäre  ähnlich irrational, wie die Einlagerung von 800 weiteren Brennstäben ins havarierte Kernkraftwerk Fukushima. In beiden Fällen ist der „Kühlkreislauf“ defekt. Doch man meint, das System Erde könne auch diese gigantische Menge noch verkraften.

Bei diesen Berechnungen sind die Emissionen aus Wald- und Landverbrauch und die anderen Treibhausgase, wie Methan und FCKW nicht einmal einbezogen. Insgesamt könnten die weltweiten Treibhausgas - Emissionen  bald bei über 100 Gt CO2 – Äquivalent liegen,- 2010 waren es bereits 65 Gt (siehe O.Edenhofer, in Atlas der Globalisierung 2015). Das wäre dann 20 mal so viel, wie bei der schnellsten natürlichen Erderwärmung.

Die unsinnige Behauptung, dass wir noch 20 Jahre so weiter machen könnten wie bisher, dass dies noch sicher sei und eine Begrenzung der Erderwärmung dann immer noch möglich wäre, verkennt überdies völlig,  dass wir uns  längst im Hochrisikobereich der „Tipping Points“, also irreversibler Kippprozesse im Klima- und Erdsystem befinden.

Prof. Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung sieht das 2 Grad- Ziel jetzt schon bedroht,- um es „sicher“ zu erreichen, dürften es nur noch 150 Gt sein, das hieße Null Emissionen ab 2020. Alles darüber hinaus sei riskant, die Emissionen müssten „zurückgeholt“ werden.

Doch was ist sicher? „Sicher“ wären Null Emissionen vielleicht noch 2002 gewesen. Doch seitdem hat sich die Erde dramatisch verändert. Die CO2- Senken sind längst überlastet und schwer geschädigt und die Emissionen, auch  aus natürlichen Quellen(z.B. aus auftauendem Permafrost) nehmen weiter beständig zu. Inzwischen werden weltweit an immer mehr Stellen massive Methanausbrüche beobachtet, wie z.B. vor Helgoland, in der Deutschen Bucht.

Wir überschreiten offenbar gerade entscheidende Kipppunkte im Klima- und Erdsystem. Nach dem weiteren Auftauen des Permafrosts und dem Kollaps des Amazonasregenwaldes gäbe  es kein Halten mehr und schon gar kein zurück (siehe J.Tallig, Rasante Zerstörung des blauen Planeten, Umwelt aktuell 12.16/01.17).

Die Erde braucht jetzt dringend eine Atempause, und nicht erst in 35 Jahren. Es ist ein sehr hohes Risiko, dem bereits stark destabilisierten  Klima- und Erdsystem weiterhin derartig hohe Emissionen zuzumuten und es erst in einigen Jahrzehnten zu entlasten. Dann könnte es bereits zu spät sein. Unser heißer Krieg gegen die Erde hätte bereits alle roten Haltelinien und  planetarischen Leitplanken überrollt und das Erdsystem irreversibel destabilisiert.

 

Blitzkrieg gegen die Erde

Die derzeitige schnelle Freisetzung von gigantischen Mengen an Treibhausgasen ist erdgeschichtlich beispiellos und überfordert das System Erde.

Unsere CO2-Emissionen  von  40 und bald 60 Gt jährlich, sind zehnmal so hoch wie bei bisherigen natürlichen Klimaänderungen. Beim bisher schnellsten natürlichen Klimawandel, dem Paläozän-Eozän-Temperatur-Maximum (kurz PETM) vor 56 Millionen Jahren wurden jährlich 4-6 Gt CO2  freigesetzt und  es  kam zu einer Erderwärmung von 5 Grad  innerhalb von 20000 Jahren.

Der Übergang von der letzten Eiszeit  ins derzeitige Holozän, als sich die Erde gleichfalls um 5 Grad erwärmte, dauerte auch immerhin 12000 Jahre.

Das sind übrigens für die Klimawissenschaft, abrupte, sehr schnelle Klimaänderungen.

Unsere viel zu hohen Emissionen werden sehr wahrscheinlich auch eine Erderwärmung von 5 Grad und vielleicht noch mehr verursachen,- das allerdings in nicht einmal 100 Jahren.

Eine so schnelle globale Erwärmung hat es in der Geschichte der belebten Erde noch nie gegeben.

Beim PETM erwärmte sich die Erde um 0.025 Grad  in 100 Jahren (also um ein vierzigstel Grad) und jetzt werden es im selben Zeitraum wahrscheinlich fünf Grad und mehr sein.

Der menschgemachte Klimawandel verläuft also  100 – 200  mal so schnell, wie  bisherige abrupte, sehr schnelle Erwärmungen der Erde.

Uns erscheint, nach unseren menschlichen Zeitmaßstäben, eine solche Veränderung in 100 Jahren als langsamer Prozess, doch das ist eine tragische Fehlwahrnehmung.

Nach erd- und klimageschichtlichen Zeitmaßstäben ist das ein Nichts, ein Wimpernschlag. Diese 100 Menschenjahre entsprechen vielleicht 10000 Erdenjahren, -100 Jahre sind also für die Erde in etwa eine halbe Woche. Wie soll sich ein Planet, mit all seinen Kreisläufen und seiner Biosphäre, in „einer halben Woche“ an eine 5 Grad höhere Temperatur anpassen können. Das ist unmöglich.

Was wir gerade erleben ist keine sehr schnelle Erderwärmung, sondern eine blitzartige  Veränderung, eine Erderhitzung, ein abrupter Turboklimawandel, ein Klimakollaps.

Unsere Treibhausgasemissionen sind für einen „normalen“ Klimawandel auch viel zu hoch, jetzt bereits mindestens  zehnmal so hoch wie beim PETM. Deshalb verläuft der Temperaturanstieg viel schneller und deshalb verursachen wir keinen Klimawandel, sondern eine Klimakatastrophe.

Mit unserer derzeitigen Wirtschafts- und Lebensweise führen wir  eine Art Blitzkrieg gegen das Leben und die Erde, der, falls wir ihn nicht schnellstens beenden, einen Kollaps der Biosphäre und damit des gesamten Erdsystems zur Folge haben wird.

 

Kollaps der Biosphäre

Die bisherigen, lebensfreundlichen Ordnungsstrukturen des Systems Erde gehen gerade weitgehend verloren,  es findet ein nivellierender Ausgleich des veränderten Wärmehaushalts statt, wodurch sich Klimazonen verschieben und Niederschlagsmuster verändern, woran sich die Biosphäre auf Grund der Geschwindigkeit der Veränderung Großteils nicht anpassen kann.

Besonders betroffen sind die, für Klima und Artenvielfalt so wichtigen Wälder.

4-5 Grad Erderwärmung bedeuten eine Verschiebung der Klimazonen um etwa 1000 Kilometer polwärts (Schellnhuber, 2015), sowie eine erhebliche Veränderung der Niederschlagsmuster, z.B. der innertropischen Konvergenzzone.

Wälder können sich durchaus 1000 km verschieben und ausdehnen,  um verschobenen Klimazonen zu folgen, -wenn sie genügend Zeit dafür haben!  In 100 Jahren ist das allerdings nicht möglich!

Jedes Kind versteht, dass in so kurzer Zeit, kein Wald so weit weg kann und  dass Pflanzen vertrocknen, wenn sie zu wenig Wasser kriegen. Weltweit nehmen die zusätzlichen Waldverluste durch Sturm, Dürre, Waldbrände und Schädlingsbefall dramatisch zu.

2016 war der Amazonasregenwald von der vierten „Jahrhundertdürre“ seit 2005 betroffen.

Die CO-Aufnahmefähigkeit des Regenwaldes verringerte sich in nur 10 Jahren bereits um 30 %. Während der Dürren „emittierte“ der Wald sogar riesige Mengen an CO2 -, die in etwa den Emissionen der USA entsprachen.   

Die CO2-Bilanz des Amazonas- Regenwaldes könnte durch verrottendes Totholz und Waldbrände bald negativ sein. Die zweitgrößte CO2- Senke der Erde hätte sich in eine CO2- Quelle verwandelt.

Auch die Borealen (Nordischen) Wälder sind durch Temperaturanstieg und Trockenheit, aber auch durch zunehmenden  Schädlingsbefall schwer geschädigt. 

Massive Austrocknung und Dürren haben die Zahl der Waldbrände in den letzten Jahrzehnten enorm ansteigen lassen. Die arktische Tundra und die Borealen Wälder sind bereits seit 2000 Nettoquelle von CO2 und Methan.

2017 waren der Mittelmeerraum, Kalifornien, Kanada, Alaska von schweren Waldbränden betroffen,- um nur einige Beispiele aufzuzählen. In Deutschland vernichtete Anfang Oktober ein schwerer Orkan, Millionen noch im Laub stehender Bäume usw. usf. Der Wald verliert weltweit an Kapazitäten zur CO2- Bindung und wird zunehmend von der CO2- Senke zur CO2- Quelle.

Aber auch das Leben in den Ozeanen  (z.B. das Phytoplankton) ist durch Erwärmung und Versauerung schwer beeinträchtigt. Die Versauerung der Ozeane hat jetzt bereits um 30% zugenommen und ist damit  so hoch, wie seit  300 Millionen Jahren nicht.

Die zunehmende Erwärmung und Versauerung der Ozeane verringert auch hier die  CO2-Aufnahme erheblich. Waren es früher ca. 30-34% der menschgemachten CO2-Emissionen, die absorbiert wurden,  so waren  es 1999 nur noch 26% und inzwischen und zukünftig dürfte es noch viel weniger sein (minus ca.30% noch in diesem Jahrhundert).

 Es droht also die weitgehende Schwächung oder gar der unersetzliche Verlust entscheidender Leistungen der Biosphäre, wie:

- CO2 - Aufnahme und Bindung (Senkenfunktion)

- die Produktion von Sauerstoff (Photosynthese)

- die Erzeugung von Biomasse, als Grundlage der Nahrungsketten,

um nur wesentliches zu nennen.

Der Kohlenstoff- und der Sauerstoffkreislauf sind längst völlig aus dem Gleichgewicht und

 

Die Schere im Kohlenstoffkreislauf öffnet sich immer weiter.

Immer mehr Emissionen, aus immer mehr Quellen, steht immer weniger  CO2 -Aufnahme (Senken) und immer weniger Sauerstoffproduktion gegenüber.

Auf die Emissionen der Menschheit aus Verbrennungsprozessen müssen ja  noch einmal 30% aus Abholzung und Bodenzerstörung aufgeschlagen werden, dem „normalen“ Wald- und Landverbrauch.

Und es gibt  immer mehr Emissionen aus natürlichen Quellen:

Die  Erderwärmung steigert die mikrobielle Zersetzung von organischem Material im Boden, was zu erhöhter CO2- Produktion durch Mikrobakterien führt.

Der auftauende Permafrost wird in den nächsten Jahrzehnten gigantische CO2-und Methan-Emissionen verursachen, die 15-50 Jahresemissionen der Menschheit entsprechen oder den Emissionen der letzten 180 Jahre. Die entscheidende Temperaturgrenze für ein tiefes Auftauen dürfte durch die dramatische Erwärmung der Arktis wohl inzwischen überschritten sein.

Der drohende Kollaps der Großen Wälder würde bisherige CO2- Senken und Sauerstoffproduzenten zu  gigantischen neuen CO2-Quellen  machen, wobei schon jetzt weltweit,  zunehmende Waldbrände und riesige Mengen verrottender Biomasse immer mehr Treibhausgase freisetzen

Diesen Emissionen aus immer mehr Quellen auf der einen Seite, stehen CO2-Senken gegenüber, deren Aufnahmefähigkeit immer geringer wird und die vom völligen Zusammenbruch bedroht sind.

Die tödliche Falle

Prof. Schellnhuber, Direktor des PIK und Autor des Buches „Selbstverbrennung“ bringt es auf den Punkt: “…wenn wir nichts tun, dann könnten wir die Erde bereits bis 2020 tödlich verwunden.“ Mit anderen Worten, wir könnten durch nur noch drei Jahre weiter so, das System Erde in einen Sterbeprozess befördern, der das Ende des Lebens auf der Erde zur Folge hätte und nicht mehr gestoppt werden könnte. Unvermindert hohe menschliche Emissionen, immer mehr natürliche Emissionen, die schwindende Kapazität der CO2-Senken und das Erreichen weiterer Kipppunkte im Klimasystem sind eine tödliche Falle, aus der es bald kein Entkommen mehr gibt.         

Das weitere Kollabieren der Wälder und das weitere Kippen der Ozeane, wären der irreversible GAU für das Klimasystem und der CO2-Gehalt der Atmosphäre und die Erderwärmung würden sich galoppierend erhöhen.

Geoengeneering kann Entwicklungen dieser Größenordnung und die eigendynamische Beschleunigung dieser Prozesse nachträglich nicht  mehr rückgängig machen.

Gekippt ist gekippt und tot ist tot! Gehandelt werden muss vorher!

Durch den abzusehenden,  weitgehenden  Zusammenbruch der Photosynthese, würde sich auch die Umwandlung von CO2 in Sauerstoff stark reduzieren. Laut UBA hat der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre in den letzten 40  Jahren bereits um ein Tausendstel abgenommen, was wohl inzwischen nur noch 10 Jahre dauern dürfte. Es könnte zu einem erdgeschichtlich einmalig schnellen  und unaufhaltsamen Rückgang des Sauerstoffgehalts der Atmosphäre kommen, wodurch die Grundlage mehrzelligen  sauerstoffbasierten Lebens zerstört wäre.

Die gegenwärtigen  rasanten Veränderungen kann man, nach erd- und klimageschichtlichen, Zeitmaßstäben,  nur als Kollaps des Systems Erde einordnen.

Die Erde ist dabei, in eine verstetigte Aufheizung abzukippen, ohne diese jemals wieder regulieren  zu können und würde damit zur tödlichen Falle für das Leben und die Menschheit werden und unaufhaltsam in einen absolut lebensfeindlichen Zustand übergehen. Durch diese Veränderungen könnten die Lebensgrundlagen bald so stark verändert und geschädigt sein, dass Leben, also auch menschliches Leben, auf der Erde nur noch in einigen Überlebensnischen möglich ist.

So werden laut einer Studie des Massachusetts Institut of Technology (MIT) mehrere hundert Millionen Menschen in Indien, Pakistan und Bangladesch bis zum Ende des Jahrhunderts ihre Heimat verlieren, weil diese nicht mehr bewohnbar ist. Man stirbt beim Aufenthalt im Freien aufgrund der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit.

David Wallace-Wells gibt in seinem vieldiskutierten Artikel „Der Planet schlägt zurück“ (dt. im „Freitag“,20.07.2017) eine realistische Vorschau auf die drohende Gefahren und zeigt auf, dass wir den Point of no return vielleicht schon überschritten haben. Das drohende Ende deutet er nur an.

Denn „Das Ende der Geschichte“ könnte nun tatsächlich bevorstehen, allerdings auf eine ganz andere Art, als sich das Fukuyama vor 25 Jahren denken konnte.

Durch Aufheizung und Sauerstoffmangel würde die Erde letztlich in einen leblosen Zustand übergehen und hätte dann,  wie ihre toten Nachbarplaneten auch, eine Atmosphäre mit über 96% Kohlendioxidanteil und entsprechend ihrer Umlaufbahn um die Sonne eine Temperatur von über 240 Grad Celsius.

Das ist die letzte Konsequenz unseres jetzigen Handelns und keine Generation nach uns kann diesen Prozess jemals wieder stoppen oder rückgängig machen.

Prof. Rahmstorf: „Es geht dabei (den notwendigen Maßnahmen J.T.) nicht um Umweltschutz, auf dem Spiel steht der Fortbestand der menschlichen Zivilisation.“

 

Meilensteine für eine CO2-Wende bis 2020

Johan Rockström und seine Kollegen(Science 2017) fordern eine sofortige Begrenzung des

weiteren Anstiegs  des CO2- Gehalts der Atmosphäre auf drei Wegen:

- die Halbierung der fossilen Emissionen alle 10 Jahre

- den sofortigen Stopp der Abholzung von Wald

- aktive Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre

Folgende konkrete Maßnahmen zur Senkung der Emissionen werden vorgeschlagen:

-Beendigung der Subventionen für Energie aus fossilen Brennstoffen bis 2020

-Anteil der erneuerbaren Energie alle 5-7 Jahre verdoppeln

-Einführung eines Mindestpreises von 50 Dollar pro Tonne CO2 im Emissionshandel

- Ende der Zulassung von Verbrennungsmotoren spätestens ab 2030

  (das empfiehlt auch der Bundesrat)

-Sofortiger Kohleausstieg, vor allem der reichen Staaten

-Moratorium für neue Kohlekraftwerke

Allerdings gibt es massive Widerstände in Wirtschaft und Politik. Es zeigt sich, dass die Klimakatastrophe nicht nur eine  technische, sondern vor allem eine politische Herausforderung ist.

Wir leben ja in einer Gesellschaftsstruktur, deren

 

Hauptziel unendliches Wirtschaftswachstum

ist. Ein jährliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 2% ist allgemeiner gesellschaftlicher Konsens und 3% sind noch besser. Ein Wachstum von 3% bedeutet aber eine Verdopplung des BIP in 25 Jahren, - und wir überlasten die Erde mit unseren Emissionen jetzt bereits um das Zehnfache.

Die immanenten Antriebsstrukturen kapitalistischer Gesellschaften, -Kapitalakkumulation, Geldvermehrung, der Zwang zu Mehrwert- und Profiterwirtschaftung, lassen keinen Stillstand zu und „erzwingen beständig erweiterte Reproduktion, auf immer höherer Stufenleiter“(Marx). Deshalb muss jede Begrenzung und Beschränkung, z.B. beim Zugang zu billiger Energie, Rohstoffen und Märkten überwunden werden, notfalls auch  gewaltsam, wie ja auch die jüngste Geschichte lehrte. Kapitalistische Gesellschaften unterliegen einem strukturellen Zwang zum Wachstum, wie auch die Unternehmen unter dem Zwang zu beständiger Effizienzsteigerung einem Zwang zur Größe unterliegen, was beständige wirtschaftliche Konzentrationsprozesse bis hin zu Monopolstrukturen zur Folge hat. „Wachsen oder Weichen“ lautet das Gesetz des kapitalistischen Dschungels, das immer weniger Gewinner und immer mehr Verlierer produziert.

Dabei  gibt es  eigentlich keine Notwendigkeit und keinen einzigen rationalen Grund für weiteres Wirtschaftswachstum in den überentwickelten westlichen Industrieländern.

Der Wohlstand und der Energie- und Rohstoffverbrauch sind bereits viel zu hoch. Bei gerechter Verteilung würde viel weniger, ein gutes Leben für alle ermöglichen.

Doch der Trend zu Wachstum und wachsenden Emissionen ist weltweit ungebrochen.

 So soll sich die Zahl der Autos in den nächsten 20 Jahren noch einmal,  auf dann 2 Milliarden  Fahrzeuge verdoppeln. Mobilität ohne Planetarische Leitplanken sozusagen.

„Das Alles so weitergeht, ist die eigentliche Katastrophe!“, wie schon Walter Benjamin wusste.

 Es besteht scheinbar ein antagonistischer, also nicht lösbarer, Widerspruch zwischen der Begrenztheit des Systems Erde und den kapitalistischen Wachstumsgesellschaften.

 

Der Kapitalismus ist ein fossiler Anachronismus

Angesichts der Planetaren Katastrophe erscheint der Kapitalismus inzwischen als fossiler Anachronismus, also als nicht mehr zeitgemäß und nicht lernfähig, als fossile Gesellschaft im doppelten Wortsinn. Einmal wegen seiner energetischen Grundlagen, zum anderen wegen seiner Unfähigkeit, die drohende Zerstörung der Lebensgrundlagen durch eine rechtzeitige Anpassung an die erdsystemischen Gegebenheiten zu verhindern, wodurch die Selbstausrottung der Menschheit billigend in Kauf genommen wird.

Der Kapitalismus ist eine veraltete und versteinerte Struktur, die in einer ewigen Reproduktion des gleichen Falschen befangen ist und die nötige Transformation  in einen erdsystemkompatiblen Zustand nicht vollziehen kann und will.

Sein Hauptziel ist Wachstum, erforderlich ist aber Wachstumsrücknahme und eine massive, absolute Entlastung des Planeten. Nach 25 Jahren „Klimaschutz“, in denen sich die weltweiten CO2- Emissionen und die Zahl der Autos verdoppelt haben, kann man begründet sagen, dass die derzeitigen Strukturen nicht zukunftsfähig sind. Ihre technische und energetische Modifizierung allein, führt nicht zu den notwendigen Emissionsminderungen.

Es stellt sich inzwischen dringlich die Frage, gerade auch für die Umweltbewegung, ob kapitalistische Gesellschaften die nötige Begrenzungsordnung überhaupt herbeiführen können und wollen. Sie sind zu Expansion und Wachstum verdammt und deshalb unfähig in einen stationären, erdsystemkompatiblen Zustand überzugehen.

Deshalb gibt es keine substanziellen Reduzierungen des Wirtschaftsvolumens und der Emissionen und deshalb propagiert man eine Strategie der Anpassung an das scheinbar Unvermeidliche,- statt die Katastrophe zu vermeiden, die man selbst produziert.

Und die westlichen Herrschaftseliten meinen offenbar tatsächlich, den Krieg mit der Natur gewinnen zu können. Schon jetzt baut man die Deiche höher und auch die Grenzen.

Man will die Klimakatastrophe, aber auch ihre Folgen aussperren. Der Stacheldraht der neuen Klimaapartheid verläuft an den EU-Außengrenzen und  zwischen den USA und Mexiko. Der Weltklimarat schreibt zu den Folgen der Klimakatastrophe:“In reicheren Gesellschaften (ein Fünftel der Menschheit verfügt  über 85% des weltweiten BIP), geht es eher um den Verlust ökonomischer Werte, in ärmeren, um starke Beeinträchtigungen der Gesundheit und den Verlust des Lebens…“

Nach Angaben der UNO sind alleine in Afrika  700 Millionen von 1.1 Milliarden Einwohnern durch den Klimawandel in ihrer Existenz gefährdet. Die Menschen, die kaum zum Klimawandel beigetragen haben, können ihm nicht entkommen und sich nicht vor ihm schützen und sterben zuerst (siehe auch die MIT-Studie).

Der Kapitalismus nimmt den Tod in Kauf  und ist zu einer Bedrohung für das Leben auf der Erde geworden.  Er verbraucht Leben und produziert Totes und Tod!

 

Der nekrophile Charakter des Kapitalismus

 Das kapitalistisch verfasste Anthropozän erweist sich zusehends als Nekrozän, als Zeitalter des Todes. Jede In Wert- Setzung im ökonomischen Sinne, ist ja eine Außer Wert- Setzung,  auf der ökologischen Ebene,- also eine Schwächung des Lebens, seiner ökosystemischen Leistungen und seiner Selbsterhaltungsfähigkeit.

 Das auf billigen fossilen Brennstoffen beruhende kapitalistische Weltsystem, verbraucht und zerstört die Biosphäre bei gleichzeitigem massivem Output von Treibhausgasen. Das  fossile Wirtschaftswachstum ist erkauft mit ungedeckten Wechseln (Treibhausgasemissionen)auf die Zukunft und  nicht dauerhaft möglich. 

Es bewirkt eine massive Steigerung von Entropie, also den Verlust von natürlichen Ordnungsstrukturen und frei verfügbarer Energie, ist also nicht nachhaltig und überfordert längst weltweit die Reproduktionsfähigkeit der Natur und verbraucht die Substanz.

Unser Kredit bei der Erde, also die Verzögerung der Erderwärmung  durch  natürliche Puffer,  wie Ozeane und Eisschilde, ist inzwischen auch weitgehend aufgebraucht. Die Natur gewährt längst keine Deckung mehr für unser beständiges Überziehen aller Konten und präsentiert gerade die Schlussabrechnung in Gestalt der Klimakatastrophe. 

Es droht die völlige Destabilisierung aller natürlichen  Kreisläufe und eine lebensfeindliche Heißzeit.

Der „Fortschritt der Menschheit“ erweist sich als Irrweg in den „entropischen Abgrund“ (J.Rifkin) und könnte einen evolutionären Rückschlag von mindestens 250 Millionen Jahren auszulösen und  zur weitgehenden Involution (Rückentwicklung, Einrollung) des Lebens auf der Erde führen.

Wir haben die Zukunft in Zahlung gegeben, zugunsten der Gegenwart,  und wir haben wahrscheinlich die Zukunft verloren.

Der Kapitalismus muss schnellstmöglich  in eine zeitgemäße Gesellschaftsform transformiert werden, sonst wird er der Totengräber des Lebens auf der Erde sein.

 

Ökologische Weltrevolution oder Barbarei

Wenn wir langfristig überleben wollen, dann steht unsere gesamte Wirtschafts– und Lebensweise zur Disposition, da sie sich als unvereinbar mit den natürlichen Gegebenheiten des Planeten  erweist.  

Die Menschheit steht vor der Systemfrage: Ausfall des Klimasystems und der Ökosphäre oder Wechsel des Gesellschaftssystems. Das ist inzwischen eine Überlebensfrage!

Es muss das Primat einer vernunftgeleiteten Politik durchgesetzt werden, die die langfristigen Überlebensinteressen gegen kurzfristige Sonderinteressen durchsetzt.

Die Eindämmung der Klimakatastrophe muss zum vorrangigen Ziel gesellschaftlichen Handelns werden.

 Das weitere, „falsche“ Wachstum der destruktiven, fossilistischen Strukturen muss beendet werden, zugunsten des nötigen Um- und Aufbaus nachhaltiger, zukunftsfähiger Wirtschafts- und Lebensweisen und der nötigen globalen Vermeidungs- und Anpassungsmaßnahmen.

Doch es muss jetzt gehandelt werden, sonst droht der Menschheit eine barbarische Endzeit.

Der fossilistische Machtblock in Wirtschaft und Politik muss unter Druck gesetzt werden, auch juristisch. 400000 Menschen sterben  jedes Jahr in Europa auf Grund von Autoabgasen und die Klimakatastrophe wird den Tod von Milliarden Menschen zur Folge haben.

Es handelt sich hier nicht um Kavaliersdelikte, sondern um Kapitalverbrechen größten Ausmaßes, ganz zu schweigen vom Ökozid an der Erde.

Angesichts der drohenden Katastrophe und angesichts der Blockadehaltung der Großkonzerne muss über ihre Verstaatlichung zum Schutz der Allgemeinheit laut nachgedacht werden. Mit ihren großkriminellen Machenschaften haben sie hinreichend deutlich gemacht, dass sie bereit sind, für Profit über Leichen zu gehen. Man sollte nicht mehr mit ihnen verhandeln, sondern über sie.              

Rettet das Leben!

Die Umweltbewegung sollte ihren defensiven Kooperationskurs gegenüber Wirtschaft und Politik aufgeben und Verantwortliche, strukturelle Ursachen und gesellschaftliche Alternativen klar benennen. Vor allem muss die Öffentlichkeit über die drohenden Gefahren aufgeklärt und informiert werden, möglicherweise auch mit unorthodoxen Methoden.

Zum Beispiel könnte ein regelmäßig tagendes Klimatribunal informieren und aufrütteln.

Die Einsicht, dass weiteres exponentielles Wirtschaftswachstum von einem bereits zehnmal zu hohen Level, mit einer Stabilisierung des Klima- und Erdsystems nicht zu vereinbaren ist,  muss sich endlich gesellschaftlich durchsetzen.

Es braucht einen neuen Aufbruch der Umweltbewegung und eine breite gesellschaftliche Mobilisierung, um das allerschlimmste doch noch zu verhindern.

„Rettet das Leben!“ könnte zum Weckruf und zum gesellschaftlichen Fanal  werden.

Individuelles Wohlverhalten allein reicht nicht aus,- die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müssen sofort national und global  grundlegend verändert werden.

Die Weltbürgerbewegung für den Klimaschutz sollte die Forderungen der Klimawissenschaftler unbedingt unterstützen, sowie weitergehende Vorschläge in die Diskussion einbringen und gesellschaftliche Alternativen aufzeigen. Wie kann die große Transformation der menschlichen Zivilisation in einen erdsystemkompatiblen Zustand noch rechtzeitig gelingen?

 

Die Große Transformation. Ein Rettungsplan für die Erde

Notwendig ist eine sofortige globale Preisreform für Energie und Rohstoffe.

Die Zukunft muss endlich eingepreist werden. Es müssen die Folgekosten unseres verschwenderischen Umgangs mit Rohstoffen und Energie (Klimakatastrophe) einberechnet werden und die Rechte der kommenden Generationen an den Gütern der Erde. Durch einen aufgeschlagenen Generationenvorbehalt (Zukunftssteuer) gäbe es einen Preisanstieg, der die Energie- und Rohstoffverschwendung  stoppt und arbeitsintensive Produktionsweisen wieder konkurrenzfähig macht. Die Energie- und Ressourcenfressende, vergegenständlichte, „tote Arbeit“ würde steuerlich und preislich stark belastet und lebendige Arbeit klar bevorteilt. Das würde z.B. die Ökologische Landwirtschaft konkurrenzfähig machen und prinzipiell kleine, regionale Strukturen bevorteilen.

Dadurch gäbe es wieder Arbeit für viele und die derzeitigen sozialen, ökonomischen und finanziellen Ungleichgewichte weltweit, aber auch in der EU würden abgemildert.

Roboter, Fließbänder und  globalisierte Wertschöpfungsketten würden sich einfach nicht mehr rechnen und Arbeit vor Ort würde sich wieder lohnen.

Die geänderten Terms of Trade würden überdies zu einer gerechteren Weltwirtschaft führen und den Rohstoffländern Entwicklungschancen  und Anpassungsmöglichkeiten an den Klimawandel geben.

Die weltweite Transportlawine und die Zerstörung der Ökosysteme würden eingedämmt.

Das wäre gleichzeitig praktizierte Demokratisierung, denn die kaum noch kontrollierbaren, expandierenden Großstrukturen der global agierenden Großkonzerne würden geschwächt und es würde wieder Macht nach unten zurückgegeben.

Den Klimawandel eindämmen, heißt  vor allem, die Globalisierung eindämmen!

Ein weiterer Schritt dazu, könnte die Einführung einer weltweiten Klimasteuer auf Ferntransporte sein, um nachhaltige, regionale Wirtschafts- und Lebensweisen vor aggressiver Markteroberung zu schützen. Ferntransporte müssen viel teurer werden! Auch eine weltweite CO2-Steuer könnte eine wichtige ökonomische und soziale Lenkungsfunktion erfüllen.

Globale Preisreform, Transportsteuer, CO2- Steuer und, nicht zu vergessen, eine globale Finanztransaktionssteuer wären  ein starkes Instrumentarium, um die Globalisierung zu stoppen und die Wirtschaften der Welt auf einen nachhaltigen, zukunftsfähigen Kurs zu bringen.

    Die dadurch gewonnenen finanziellen  Mittel würden in nationale und internationale Klimarettungsfonds fließen und damit auch den Ärmsten und am stärksten Betroffenen zur Verfügung stehen. Einmal für Rettungsmaßnahmen und die weltweit nötigen Anpassungsmaßnahmen bei Wasserversorgung und Hochwasserschutz,-  aber auch für den global nötigen infrastrukturellen und industriellen Um- und Rückbau, wie den weltweiten Umstieg auf regenerative Energien und 100% ökologische Landwirtschaft.

Auch Umwelttechnologietransfers wären so machbar,  sowie sinnvolle Maßnahmen des Geoengeneering,- wobei der Westen hier seine historische Klimaschuld abarbeiten könnte. 

Mit  diesen Mitteln könnte auch ein massives weltweites Aufforstungsprogramm finanziert werden, bei strengstem Schutz aller verbliebenen Wälder.

Die Autoproduktion der westlichen Industrieländer muss massiv zurückgefahren werden und weltweit ein entschlossener Umbau der Verkehrssysteme erfolgen, weg vom motorisierten Individualverkehr hin zum kostenlosen ÖPNV und zur kostenlosen Bahn.

Die Hochemissionsländer (nach pro Kopf- Emissionen) erhalten  strenge Auflagen für eine schnelle Senkung ihrer Emissionen auf den globalen Durchschnitt, von denen sie sich nicht freikaufen dürften.

Um all das zu erreichen, muss das Primat einer Politik der Vernunft,  national und international gegen wirtschaftliche und finanzielle Sonderinteressen durchgesetzt werden.

Es ist deshalb ein UN-Klimarat mit exekutiven Befugnissen und ein Klimagerichtshof notwendig. Nicht kooperierende Staaten und Konzerne hätten mit Anklagen, Boykotten, Sanktionen und drastischen Strafmaßnahmen zu rechnen.

Die vor allem westlichen Klimasünder müssen juristisch, ökonomisch, aber auch moralisch von der Weltgemeinschaft unter Druck gesetzt und zu einem Kurswechsel gezwungen werden.

Beim Nichtgelingen dieser „Großen Transformation“ (WBGU) drohen der Erdsystemkollaps und die weitgehende Auslöschung des Lebens und der Menschheit.

Die Notbremse muss jetzt gezogen werden,- spätere Bremsversuche werden keine Wirkung mehr haben.

 

Jürgen Tallig   2017                                       tall.j@web.de

 

 

 

Literatur:

S. Rahmstorf, Können wir die globale Erwärmung rechtzeitig stoppen?, KlimaLounge,

11.04.2017

C.Figueres et al: „Three years to safeguard our climate”, Nature, 2017

J.Tallig,      „Vom Unwetter zur Katastrophe“ Umwelt aktuell  06.2014

                    „Das System Erde ist aus der Balance“ Umwelt aktuell  12.2014

                    „Letzte Ausfahrt Paris“           Umwelt aktuell  12.2015

                    „Kippelement atmosphärische Zirkulation“, 10.2016

                    „Rasante Zerstörung des Blauen Planeten“ Umwelt aktuell  12.2016/01.2017

                    „ Die Tödliche Falle“       Umwelt aktuell  11.2017

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D.Lingenhöhl, Verbrennt Amazonien dieses Jahr?,  Spektrum der Wissenschaft 05.07.2016

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 „Zukunftsfähiges Deutschland“, Studien des Wuppertal Instituts 1997 und 2008

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