Bunt-Internationale wollen Münster aufmischen

10.07.20
NRWNRW, Bewegungen, News 

 

Von „Münster Liste – bunt und international“

Bei der Kommunalwahl am 13. September tritt in Münster die linke „Münster Liste – bunt und international“ an. Trotz Corona-Krise hat die anti-autoritäre Wähler*innenvereinigung, die erst am 17. Februar gegründet wurde, 33 Ratskandidat*innen, Listen für fünf der sechs Bezirksvertretungen in der katholisch geprägten Universitätsstadt sowie für den Rat aufstellen können. Auch ein eigener Oberbürgermeisterkandidat tritt an.
„Ich bin der erste Oberbürgermeisterkandidat in Münster mit Migrationsvorgeschichte.“ Der Politikwissenschaftler und Soziologe Dr. Georgios Tsakalidis, ein Grieche, ist Gründer der „Internationalen Liste“ und schon seit vielen Jahren in der Kommunalpolitik in Münster und dem Münsterland aktiv. Seine geplante Liste schloss sich mit der im Dezember 2019 von Werner Szybalski und verschiedenen Aktivist*innen aus Initiativen und Vereinigungen gegründeten Gruppe „Münster ist bunt!“ zu einer linken politischen Gruppierung zusammen.
Unter dem Motto „Zeit für NEUEs“ und der Zielvorgabe für eine nachhaltige, soziale, offene und basisdemokratische Kommunalpolitik in Münster zu kämpfen, wollen die mehrheitlich „wilden Sozialisten“ sich für eine örtliche Politik für und mit den Einwohner*innen der Domstadt einsetzen. Dabei stehen neben einer radikalen Klimapolitik (Stichwort: immissionsfreie Innenstadt“) und dem Einsatz für die sozial Ausgegrenzten und die Menschen mit Migrationsvorgeschichte im Zentrum des angestrebten Politikwechsels in der westfälischen Verwaltungsstadt.
„Von der Willkommenskultur zur Willkommensstruktur“ will OB-Kandidat Georgios Tsakalidis, der auch Spitzenkandidat der Ratsliste ist, Münster weiterentwickeln. Von den ersten zehn Listenplätzen belegen Kandidat*innen mit direkter Migrationsvorgeschichte sechs Plätze. Mit zwei Griechen, Mónika Hemesath, eine Ungarin, Pavel Volodarsky, ein in Odessa geborener Russe, Shouresh Shakibapour, die im Iran geboren wurde, und Luciano Januario de Sales, der gebürtige Brasilianer ist bislang im Integrationsrat der Stadt aktiv, unterstreicht die „Münster Liste – bunt und international“ auch durch ihre Kandidat*innen, dass ihr Anspruch auch für die eigene Liste gilt. Um an der Kommunalwahl teilnehmen zu können, mussten natürlich alle Nicht-EUangehörigen Kandidat*innen zuvor die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen.
Komplettiert wird die Liste durch Menschen aus der Bewegung. Werner Szybalski ist seit Jahrzehnten verkehrspolitisch aktiv, Sarah Geselbracht kämpft um den Erhalt der Mietshäuser im Nieberding e.V., Franz Schröer ist unter anderem mit dem „Kindertag in Münster“ für den Nachwuchs aktiv, Mats Reißberg kommt von der lokalen Seebrücke, Birgit Schmiedeshof aus dem Kreis der Konsumkritiker*innen, Sabine Buschmann von der LEG-Mieter*innen-Initiative und die „Bauernseele“ Wolfgang Bensberg ist auch für ökologisches Bauen und Wohn-Pflege-Gemeinschaften in Selbstverantwortung unter anderem im Bündnis „Münster gehört uns allen“ unterwegs.
Mit dem Konzept „Kommune selbst verwaltet“ möchte die Liste die Selbstermächtigung der Einwohner*innen in den Stadtteilen und Nachbarschaften ermöglichen und stärken und bislang von der Stadt verwaltete Aufgaben und Flächen in die Hände der Einwohner*innen zur Selbstverwaltung übergeben.
Die ersten Aktionen der Bunt-Internationalen, ein von Kundgebungen begleiteter GO24-Antrag zur Umbenennung der Danziger Freiheit in May-Ayim-Platz (die Afrodeutsche Lyrikerin und Vorkämpferin für die Anerkennung der Rechte Schwarzer in Deutschland ist in Münster aufgewachsen) sowie dem öffentlichen Protest („Pflege ist keine Ware!“) gegen die Privatisierung der großen kommunalen Pflegeeinrichtung Klarastift durch die Mehrheit des Stadtrates – übrigens in diesem Fall mit SPD, Grünen und den Rechten – kurz vor der Kommunalwahl, hat die „Münster Liste – bunt und international“ schon viel Zuspruch bekommen. Deshalb ziehen die derzeit rund 50 Aktivist*innen, die sich mit klar links-internationalistischem Ansatz grundsätzlich am „Munizipalistische Manifest“ orientieren, zuversichtlich in den Corona-Kommunalwahlkampf in Münster. Infos unter www.bunt-und-international.de.







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