Unglaublich, aber leider wahr:
Das "Kurz-Wahl-Programm in leichter Sprache" der Partei DIE LINKE.



Bildmontage: HF

14.08.09
LinksparteidebatteLinksparteidebatte, Politik, Debatte 

 

Von Albert Schtschepik

"Kurz-Wahl-Programm in leichter Sprache
Anmerkung:
Das sind die wichtigsten Dinge aus dem Bundestags-Wahl-Programm in leichter Sprache.
Aber nur das original Bundestags-Wahl-Programm ist wirklich gültig.

Für wen ist leichte Sprache?

Jeder Mensch kann Texte in leichter Sprache besser verstehen.
Leichte Sprache ist aber besonders wichtig für Menschen mit Lernschwierigkeiten.
Leichte Sprache ist auch gut für alle anderen Menschen.
Zum Beispiel:

  • Menschen, die nicht so gut lesen können.
  • Menschen, die nicht so gut Deutsch können.
  • Menschen mit einer Seh-Behinderung.
  • Gehörlose Menschen"

und weiter zu den Inhalten linker Politik:

"DIE LINKE setzt sich für Menschen ein, die arbeiten.
Die nennt man Beschäftigte.
Und sie setzt sich für Menschen ein, die keine Arbeit haben.
Die nennt man Arbeitslose.
DIE LINKE setzt sich für Studierenden ein.
Und für Rentnerinnen und Rentner.
Das sind meistens ältere Menschen.
Diese Menschen haben gearbeitet.
Und arbeiten jetzt nicht mehr.
Sie haben in der Zeit, in der sie gearbeitet haben Geld
angespart.
Dieses Geld nennt man Rente."


Liebe Leserin, lieber Leser, das ist keine Satire, wie auf den ersten flüchtigen Blick angenommen werden könnte, nein, so beginnt das offizielle "Wahlkampfmittel" der Linken für die Bundestagswahlen, um sich damit an behinderte Menschen zu wenden. Nachdem aufmerksame Mitglieder, die ihren Augen nicht trauten, im Wahlquartier nachgefragt hatten, erhielten sie vom Wahlkampfleiter Bartsch die folgende Antwort:

"*Von:* DIE LINKE - Bundesgeschäftsstelle
*Gesendet:* Dienstag, 11. August 2009 15:30
*An:*
bag-hartzIV@die-linke.de
*Betreff:* Wahlprogramm in leichter Sprache

Lieber Genosse Werner Schulten,

bevor in Sachen "Kurzwahlprogramm in ,leichter Sprache'" eine regelrechte Kampagne in Gang kommt, möchte ich mich als Bundeswahlkampfleiter an dich wenden.

Es gibt zunächst einmal  e i n  Bundestags-Wahlprogramm der Partei, das haben wir auf dem Bundesparteitag in Berlin mit überwältigender Mehrheit beschlossen. Ich gehe davon aus, dass -- ungeachtet von Differenzen in Einzelfragen --  d i e s e s  Wahlprogramm von dir und anderen Mitgliedern  der BAG Hartz IV öffentlich vertreten und zur Erläuterung von Positionen der Partei DIE LINKE genutzt wird. Wenn inhaltliche Differenzen bestehen bleiben, so sollten wir sie im Wahlkampf
zurückstellen und schon gar nicht anhand einzelner Wahlkampfmaterialien führen.

Wie bei vergangenen Wahlkämpfen auch, gibt es modifizierte Formen des Wahlprogramms, beispielsweise eine Kurzfassung desselben, die wir insbesondere an Infoständen zum Einsatz bringen wollen. Dass in dieser Fassung allein durch die notwendigen sehr erheblichen inhaltlichen Kürzungen kein adäquates Abbild des Lang-Wahlprogramms entsteht, sollte einleuchten.

Schließlich haben wir im Wahlprogramm zum Ausdruck gebracht, dass sich DIE LINKE "... am ,Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte behinderter Menschen'" orientiert und  die Forderungen nach Chancengleichheit, Barrierebeseitigung und diskriminierungsfreiem Ausgleich unterstützt. Der Deutsche Bundestag hat der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, in der ausdrücklich die Nutzung der "leichten Sprache" in der Kommunikation gefordert wird, im Dezember 2008 zugestimmt.

Zu den daraus von uns abgeleiteten Schritten gehört, unser Wahlprogramm in einer Audiofassung herauszugeben (die eine Komplettfassung des Langwahlprogramms sein wird). Dazu gehört auch eine Fassung in "leichter Sprache", zu deren Zielgruppe Menschen mit Behinderung, mit Lernschwierigkeiten oder solche, die die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen, gehören. Wir haben eine solche Programmfassung bereits zur Europawahl 2009 herausgegeben. Für die "leichte Sprache" gibt es Merkmale, Richtlinien und Definitionen die deutlich machen, dass es sich um einen Fachbegriff handelt, der nicht identisch ist mit umgangssprachlichen Bezeichnungen für Klarheit oder Einfachheit von Sprache. Zudem gibt es Wörterbücher für die "leichte Sprache", deren Nutzung auch dazu führt, dass es zu Übersetzungen kommt, in denen bestimmte Sachverhalte auch über Parteigrenzen hinweg identisch oder ähnlich bezeichnet werden.

Mit unserem Herangehen versuchen wir der Tatsache Rechnung zu tragen, dass Barrieren unterschiedlicher Art auch mit unterschiedlichen Mitteln überwunden werden müssen, ein Gesichtspunkt, der in deinen Überlegungen und Vorwürfen für mich überhaupt nicht erkennbar ist. Uns ein Denken zu unterstellen, wonach Gehörlose und Sehbehinderte keine "normalen" Texte zu lesen oder zur Kenntnis bekommen dürften, ist schlichtweg absurd!

Ein Wahlprogramm in "leichter Sprache" herauszugeben, war für uns eine völlig neue Aufgabe und Herausforderung, der sich im Auftrag des Bundeswahlbüros Genossin Julia Marg mit großem Engagement gestellt hat. Deine -- auch in einer nicht zu akzeptierenden Weise vorgetragene -- Kritik an Julia weise ich zurück. Julia Marg hat Rat und Beratung beim Netzwerk "Mensch zuerst" sowie bei anderen Expertinnen und Experten gesucht und ist in ihrem Herangehen bestärkt worden. Auch aus unserer Bundesarbeitsgemeinschaft "Selbstbestimmte Behindertenpolitik" erreichte uns Zustimmung zu dieser Form unseres Wahlprogramms. Du wirst hoffentlich akzeptieren, dass ich in diesem Fall -- wie in anderen vergleichbaren Fällen auch -- großen Wert auf das Urteil von Betroffenen und Fachleuten lege und zuerst auf sie höre.

Ich möchte dich, lieber Genosse Werner Schulten, nachdrücklich auffordern, keine Kampagne gegen das Wahlprogramm in "leichter Sprache" und gegen unsere Mitarbeiterin Julia Marg zu initiieren und meine Mail an dich ebenfalls über deinen "Gesamtverteiler" zu verbreiten, damit sie all diejenigen erreicht, die sich auf deinen Hinweis hin an die Bundesgeschäftsstelle bzw. an das zentrale WahlQuartier der Partei gewandt haben. Ich finde es, um das ganz klar zu sagen, unverantwortlich, mitten im Wahlkampf eine Kampagne zu starten, die sich gegen die eigene Partei richtet.

Dietmar Bartsch

Bundeswahlkampfleiter"

Das die Linke dem Benachteiligungsverbot behinderter Menschen, Artikel 3,3 und den Gleichstellungsgesetzen folgend, wenigstens im Wahlkampf die noch immer benachteiligten zu berücksichtigen versucht, ist ja ein lobenswerter Ansatz, so wie sie es allerdings tut, eine schallende Ohrfeige und eine Diskriminierung allererster Güte und ein Beispiel wie man es nicht machen sollte. Als selbst Betroffener, habe ich bei allen, mir bekannten, von sehr unterschiedlichen Behinderungen Betroffenen nachgefragt und das folgende Meinungsbild erhalten:

Sehbehinderte Menschen, die sich mit Lupen mühsam einen Weg durch Texte suchen, fühlen sich verar...., Vertreter von Lernbehinderten wagen es nicht ihren Mitgliedern oder Klienten das Machwerk vorzulegen, weil sie fürchten was auf die f..... zu kriegen, Gehörlose und Hörbehinderte verbitten es sich, auf dem Niveau von 2-jährigen angesprochen zu werden und Körperbehinderte, Psychisch Erkrankte, Epeleptiker und viele andere mehr erklären übereinstimmend, das man sie bei den Linken nicht mehr alle Tassen im Schrank hat.


Albert Schtschepik

Der Autor gehört als Blinder zu der Zielgruppe, die DIE LINKE. mit ihrem "Kurz-Wahl-Programm in leichter Sprache" erreichen möchte.




Kurzwahl-Programm_in_leichter_Sprache-1.pdf



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