Offener Brief an Dr. Gregor Gysi


Bildmontage: HF

18.06.11
LinksparteidebatteLinksparteidebatte, NRW, OWL 

 

Von DIE LINKE. KV Gütersloh

Lieber Gregor Gysi,
wir wissen, wie sehr du zum Aufbau unserer Partei beigetragen hast. Dein Humor und dein Scharfsinn haben auch uns stets beeindruckt und motiviert. Doch nun sind wir milde ausgedrückt „irrtiert“. Der Beschluss der Bundestagsfraktion in Sachen Antisemitismus und die Umstände, unter denen er gefasst wurde, entsetzen uns und werfen Fragen auf: Was hat Euch dazu getrieben?

War es das feige Einknicken vor der billigen Kampagne bürgerlicher Medien und deren einäugiger „Antisemitismusexperten“? Ist es das Schielen nach lukrativen Regierungsposten? In beiden Fällen müsstet ihr als nächstes den Widerstand gegen den Krieg und schließlich jegliche antikapitalistische  Position aufgeben.

Welche Illusionen habt ihr eigentlich in die bürgerliche Demokratie? Haben nicht „Bankenrettungsplan“ und  Laufzeitverlängerung endgültig deutlich gemacht, dass die Regierungen nur Handlanger von Banken und Konzernen sind?
Noch eins: Linke, ob Sozialdemokraten, Sozialisten oder Kommunisten, saßen gemeinsam mit Jüdinnen und Juden und vielen  anderen in den Konzentrationslagern. Deren Peiniger und Mörder fanden sich nach 1945 in CDU, CSU und FDP wieder. Übrigens  auch beim Spiegel und anderen Schmierblättern. Der Vorwurf des Antisemitismus gegen DIE LINKE ist absurd!

Wir verlangen die Rücknahme des Verbotes der Teilnahme an der Gaza-Hilfsflotille. Wir erwarten, dass DIE LINKE sehr wohl darüber diskutiert, ob Boykottmaßnahmen gegen Israel sinnvoll sind. Wenn Du daran zweifelst, hör Dir bitte an, was Stephane Hessel und Evelyn Hecht-Galinski dazu zu sagen haben. Und sollte nicht, so utopisch es auch heute erscheint, eine säkulare, demokratische Gesellschaft, in der Juden, Araber und alle anderen gleichberechtigt miteinander leben, das Ziel sein?

Um auch weiterhin engagiert und glaubwürdig politisch arbeiten zu können, müssen wir wissen, unter welchen Umständen und aus welchen Motiven der Beschluss der Fraktion zustande kam. Wir sind zudem der Meinung, dass klare Aussagen und Taten gegen den „Mainstream“ von unseren WählerInnen erwartet werden und unser Profil schärfen. Wir würden uns freuen, wenn wir in Gütersloh mit Dir darüber diskutieren könnten.

Mit solidarischen Grüßen,
Uschi Kappeler, Michael Pusch
DIE LINKE. Kreisverband Gütersloh
Ludger Klein-Ridder
DIE LINKE. Stadtverband Gütersloh







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