Offener Brief von Andreas Lachmann zur Basisdemokratie in der Partei DIE LINKE

23.04.10
LinksparteidebatteLinksparteidebatte, Rheinland-Pfalz, TopNews 

 

Von den programmatischen Grundsätzen der Partei DIE LINKE inspiriert und vom linken Freigeist fasziniert, entschloss ich mich, vor zwei Jahren, aktives Mitglied der Partei zu werden. In mir ruht ein inniger Wunsch, gemeinsam mit allen Menschen, neue Gedanken zu kreieren, um greifbare Visionen für eine hoffnungsvolle Zukunft aufzuspannen. Mit dem Charakter eines politischen Kleinkindes, ertastete ich die Parteistrukturen ohne Vorurteil oder Schamgefühl. Dies lies mich zu spontanen Aktionen hinreisen, diverse Parteiveranstaltungen zu besuchen und auf Listenplätze zu kandidieren, um meine Sichtweise mit den Anwesenden zu teilen. Jenes wurde jedoch von vielen Genossinnen und Genossen als Störung der Parteiordnung empfunden. Doch sind es nicht die Parteistatuten, welche den spontanen Freigeist ausdrücklich erlauben, als Beweis einer innerparteilich gelebten Freiheit? Im Vergleich zu anderen Parteien macht dies DIE LINKE zumindest einzig, aber nicht artig, denn in uns, Genossinnen und Genossen, wohnt eine rebellische und pluralistische Kultur.

Wer etwas ändern will, muss sogar unartig, willens und in der Lage sein, vorbehaltlos falsche Konventionen und trügerische Ideologien, ein für allemal, über Bord zu werfen. Wie bei einem Weizenspross, so entsteht auch die Entwicklung einer Partei aus dem Kern heraus. Wer sich auf die Suche nach diesem Kern unserer Partei begibt, wird dabei eine überaus lebhafte Basisdemokratie entdecken, welche jedoch durch eine marxistisch-leninistisch geprägte Elite, vornehmlich aus Berlin, gegeißelt scheint. Als gebürtiger Pfälzer, mit der starrköpfigen Mentalität eines Kartoffelbauers, sehe ich es als Pflicht, jenem elitären Gedankengut, aus vergangenen Epochen eines gescheiterten Sozialismus, den Kampf anzusagen. In einer Basisdemokratie muss die Regierung von den Regierten regiert werden und darf niemals unter Einfluß einer dubiosen Obrigkeit stehen. Ein, von der Elite kontrollierter, demokratischer Sozialismus, scheint für mich daher ebenso unmöglich, wie ein demokratischer National-Sozialismus. Vielmehr habe ich die Angst, dass die Demokratie von dunklen Kräften missbraucht werden könnte, um eine alte Ordnung wiederherzustellen, anstatt etwas neues und nie dagewesenes zu kreieren.

Mein Verständnis für linke Politik kann daher nur unweigerlich zu einer Basisdemokratie führen, ohne eine elitär denkende Spitze. Neuere Publikationen der Partei huldigen jedoch immer häufiger einen vergangenen Sozialismus und paaren ihn mit blumigen Äußerungen, um den derben Charakter zu überdecken. Der Gedanke einer wirklich neuen Basisdemokratie rückt dabei immer weiter in die Ferne. Ich will kein Liebhaber einer vergangenen DDR sein und erst recht kein von oben gesteuertes Glied, einer neuen EUdSSR. Daran ändert auch kein Pseudo-Mitgliederentscheid zur Wahl des Partei-Vorstandes im Jahr 2010 etwas, da er nur eine unbedeutende Richtungsentscheidung darstellt. Im Hintergrund agieren, wie wir alle wissen, jene Seilschaften, denen eine echte Basisdemokratie ein Fremdwort zu sein scheint. Für mein Verständnis müssten alle Genossinnen und Genossen eine Kandidatin oder einen Kandidaten,  aus einer auf dem Bundesparteitag zusammengestellten Liste, direkt wählen können. Ich will meine Verantwortung keiner Schar von vorselektierten Delegierten übertragen. Dies ist nur ein Grund, warum ich jenen Mitgliederentscheid boykottiere.

Meine Ansichten mögen verrückt sein und total anders klingen, als jene Ansichten, welche papageienhaft das Parteiprogramm wiedergeben. Dennoch fühle ich mich in der Partei wohl, da ich nach wie vor an eine starke Basisdemokratie und an alle Genossinnen und Genossen, mögen sie noch so unterschiedlich in ihrer Art und Weise sein, in unserer Partei glaube. Gerne würde ich es sehen, wenn innerparteiliche Streitigkeiten beendet würden und sich die Lager annähern, um eine gemeinsame Schnittmenge zu bilden. Aus dieser Schnittmenge heraus soll dann ein neuer Geist entspringen, als Hoffnungsträger der Menschheit.

Andreas Lachmann







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