Warum profitiert DIE LINKE nicht von der Krise

02.12.12
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von Wolfgang Huste

Liebe Genossinnen und Genossen,

oftmals werden wir "draußen" gefragt: Warum habt ihr - totz der immens großen sozialen, ökologischen und ökonomischen (europaweiten!) Krise - keinen großen "Zulauf", warum dümpelt ihr immer nur - auf der Bundesebene - zwischen 5 bis 10 % herum?

Meistens wird dann...reflexhaft (sinngemäß) geantwortet: "Wir haben unseren innerparteilichen Zwist nach draußen getragen, das war ein grober Fehler!". Nun, da ist sicherlich was dran.

Dabei wird aber des öfteren übersehen, dass die politische Lage (in Bezug auf DIE LINKE) deutlich kompliziertert ist, als dass man sie monokausal erklären kann. Ich gehe von rund einem Dutzend Gründe aus, die dazu führen, dass wir zurzeit weniger Stimmen als z.B. die neoliberalen Grünen haben. Ich beleuchte weiter unten nur vier von vielen anderen Faktoren so knapp wie nur möglich. Ich bitte um Nachsicht, wenn mein Diskussionsbeitrag dennoch ein wenig länger als üblich ausfällt- und er ist sogar für viele recht provokant, lädt (eventuell!) zum Widerspruch ein- und das möchte ich mit meinem Text auch bezwecken: eine breite, innerparteiliche Diskussion zum Thema: "Warum hat DIE LINKE keinen Massenzulauf?".

  1. Zuerst eine "Binsenweisheit" (?): " Wer im Besitz der Mehrheit ist, muss noch lange nicht im Besitz der Wahrheit sein. Massengeschmack war noch nie erstrebenswert, ein guter Ratgeber: Weder in der Politik, noch in der Kunst/Kultur!". Dass wir "die Massen" zurzeit nicht erreichen, hat sehr viele Gründe, die man hier kaum in wenigen Sätzen darstellen kann. Die herrschende Elite, die neoliberalen Parteien/Organisationen, haben mittels ihrer pro kapitalistischen Medienwelt "ganze Arbeit" geleistet- und das seit vielen Jahrzehnten. Nicht ohne Grund sind Antikommunismus, Antisozialismus und Rassismus fast Staatsdoktrinen - Antifaschismus und eine sozialistische Demokratie dagegen nicht! Um in einem Bild zu sprechen: Kälber würden bekanntlich niemals Metzger(parteien) wählen, oder die Metzgerzeitungen lesen - wenn sie das könnten - oder gar die Meinung der Metzger verinnerlichen und erst recht nicht die Denke der Metzger als ihre eigene ausgeben. Leider sind nicht alle Kälber schlau. Die anderen haben in der Tat die neoliberale Denke, im Sinne des politischen Mainstreams, "verinnerlicht". Sie denken und handeln im Sinne der Herrschenden, zur Freude der Herrschenden, ganz im Sine des Sponti-Spruches: "Die herrschende Meinung ist die Meinung der Herrschenden!".

  2. Objektiv (= nachweisbar) wird DIE LINKE auch in den Medien, in Relation zu anderen Parteien, unterdrückt. Siehe zum Beispiel hier: www.ifem.de/tl_files/ifem/content/bilder/infomonitor-2012-10/1012_Parteien.png

  3. Wir haben fast 35% Nichtwählerinnen und Nichtwähler. Darunter sind auch Bezieherinnen und Bezieher von "staatlichen Transferleistungen". Die letztere Gruppe ist besonders stark frustriert, desillusioniert von den Politikern/ Politikerinnen, von ihrer sozialen Lage. Sie haben ein generelles Misstrauen gegen diese "Clique" - demnach auch gegen die Linke (auch in den Köpfen der so genannten "einfachen Menschen", den "Normalos", dominiert oftmals der Antikommunismus /Antisozialismus, der "politische Mainstream"). Ein Bezieher, eine Bezieherin von staatlichen Transferleistungen denkt oftmals wie folgt, verkürzt dargestellt: "Tatsache ist, dass es mir zurzeit finanziell/sozial nicht gut geht. Aber: Ich bin optimistisch, dass das in etwa ein, zwei Jahren bei mir (!!) deutlich besser aussieht! Deshalb wähle ich nicht DIE LINKE, weil die ja sich nicht so gut auskennt mit der Wirtschaft wie zum Beispiel die CDU, die FDP oder die SPD. Außerdem erhalte ich "gesellschaftlichen Liebesentzug" ( = soziale Sanktionen bis hin - eventuell - zum Berufsverbot), wenn ich mich als Linker/Linke "oute". ". Das verhält sich ähnlich wie beim Lottospieler/Lottospielerin: Man weiß, dass die Chance, eine Million Euro zu gewinnen, sehr gering ist. Aber: Jeder hofft, diese Million "irgendwie", durch eine glückliche Fügung, zu "ergattern".
    Ihr versteht, was ich meine? Nun habe ich erst drei Punkte kurz beleuchtet, warum viele Menschen (zurzeit) nicht DIE LINKE wählen, sondern stattdessen eine der "Metzgerparteien" (= eine der Sozialabbauerparteien, eine der Von-Unten-Nach-Oben-Umverteiler-Kiries-Parteien).

  4. Dazu kommt noch, dass wir auch ein so genanntes "geistiges (nicht faktisches!) Lumpenproletariat" in der Partei haben. Wer mit dem Begriff "Lumpenproletariat" nichts anfangen kann: siehe unter anderem bei Wikipedia. Besser aber die Begriffe "geistiges Lumpenproletariat" in die Google - Suche eingeben. Bevor da ein "Aufschrei" von links kommt, im Sinne von: "Das ist eine Beleidigung!", nur folgende kurze Erläuterung: Unter dem "geistigen Lumpenproletariat" verstehe ich hier Menschen mit großen, vermeidbaren (!!) politischen Brüchen, also Menschen mit großen, vermeidbaren politischen Widersprüchen. Sie kommen oftmals aus dem Lager der "Gefühls- bzw. Bauchlinken", der sozial "Deklassierten" (immer unter der kapitalistischen Verwertungsdenke heraus von mir betrachtet!), deren politische Meinung nicht (wissenschaftlich, sachlich, fachlich) fundiert ist. Es dürfte wohl eine große Gruppe innerhalb der Partei sein- vielleicht sogar die größte!

Bezogen auf DIE LINKE sieht das oftmals so aus: Jemand bezieht Hartz IV und verwechselt DIE LINKE (immer noch!) mit einer Art "Hilfeverein für Hartz IV- Geschädigte", sieht sie also als eine "karitative Auffangstation für sozial/ökonomisch Gescheiterte" an ("gescheitert" wiederum aus einer kapitalistischen, inhumanen Verwertungssicht heraus betrachtet!).

Der betreffende Mensch ist der Meinung, dass nur (!!) für dieses Klientel DIE LINKE existiert (ohne davon Kenntnis zu nehmen, dass wir keineswegs eine "mono strukturierte Partei" wie es zum Beispiel die Piraten sind, sondern eine sozialistische, antikapitalistische- zumindest aber Kapitalismus kritische - oder etwa doch nicht? Wir haben spätestens seit 2007 alle (!) relevanten Politikfelder abgedeckt.

Nachzulesen auch in unserem Erfurter Programm. Und was kann jetzt mit einem "klassischen Hartz IV- Neumitglied" passieren? Nach einer relativ kurzen Zeit verlässt der betreffende Mensch die Partei - weil er oder sie wieder einen Erwerbsarbeitsplatz hat oder innerhalb der Partei kein bezahltes Pöstchen bekommen hat, oder weil er oder sie (angeblich!) innerparteilich nicht "zum Zuge" kam (was dann immer an der jeweils anderen Seite liegt, niemals an ihm selbst)- und wählt statt DIE LINKE wiederum die SPD als vermeintlich "kleineres Übel". Warum?

Weil dieser Mensch kein politisches Bewusstsein in dieser (relativ kurzen) Zeit entwickelte, in der Partei nicht entsprechend nach links "sozialisisiert" wurde, weil unter anderem (!) die innerparteiliche Bildungsarbeit stark vernachlässigkeit wurde, weil manche Funkionärinnen und Funktionäre "Herrschaftswissen" anhäuften und - völlig unsozialistisch und undemokratisch, in einer kleinbürgerlichen Manier - aus egoistichen Gründen die Intransparenz statt die Transparenz förderten. Und: Mein "Beispiel-Mitglied" hat kein Klassenbewusstsein, keinen Klassenstandpunkt, erworben.

Wie sollte es auch anders sein? Denn dieses Klassenbewußtsein wird nicht explizit (!) in dieser Partei (vor-)gelebt, ganz zu schweigen von "draußen", außerhalb der Partei! Dieser Mensch fällt im schlimmsten Fall sogar der Linken, politisch betrachtet, "in den Rücken" oder zieht sich "ins Private", ins Unpolitische, zurück.

Das war nun der vierte Punkt (stark verkürzt und vereinfacht von mir dargestellt), warum unser "Klientel" nicht so groß ist wie bei den bürgerlichen Parteien. Das dürfte zuerst reichen. Ich hoffe, dass ich mit meinen kleinen Anmerkungen genügend "Diskussionsstoff" lieferte.


VON: WOLFGANG HUSTE


Replik zu: „Warum profitiert DIE LINKE nicht von der Krise“  - 04-12-12 20:42
Replik zu "Warum profitiert DIE LINKE nicht von der Krise" - 03-12-12 21:48
Wolfgang Huste und seine Fragezeichen zur Partei DIE LINKE. - 03-12-12 21:45
Zum Artikel "warum profitiert die linke nicht von der krise?" - 03-12-12 21:43




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