Sozialismus oder Barbarei?


RIO - Bildmontage: HF

10.01.12
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Sind die Linken nur omnipotent dumm oder scheinheilig?

von Kornelia Richter

Heinz Bierbaum hat die Hegemonieambitionen der Linken mit seinem Artikel auf den Punkt gebracht: Wirtschaftsdemokratie als politische Steuerung der Wirtschaft „und damit … Ausrichtung der ökonomischen Entwicklung an gesellschaftlichen Zielsetzungen“, die natürlich durch die Funktionäre der Linken bestimmt werden sollen.

Doch durch Belegschaftseigentum „im Rahmen der Wirtschaftsdemokratie“ sollen zumindest Mitbestimmungsrechte der Belegschaften  gesichert werden, insofern sie nicht durch das Diktat der Elitenfunktionäre, die das gesamtwirtschaftliche, gesellschaftlich ausgerichtete Konzept definieren und planen, begrenzt und damit aufgehoben werden.

Ziel ist es, den „Druck der kapitalistischen Konkurrenz, der eben auch auf Belegschaftsbetrieben lastet,“ aufzuheben, um damit dem sozialistischen Schlendrian, der sozialistischen Fortschrittsfeindlichkeit und dem Stalinismus einzelner Funktionäre Tür und Tor zu öffnen. Sozialistische Herrschaft linker Funktionäre nicht nur über die Politik, sondern auch über die Wirtschaft würde die alten primitiven Arbeitsverhältnisse konservieren, jede Rationalisierung unterbinden und jeden freien Gedanken an Eigeninitiative gegen das oberste Diktat mundtot machen, indem der gnadenlose Konkurrenzkampf der vielen kapitalistischen Unternehmer gegeneinander um Extraprofit, den sie  durch effektivste Arbeitsorganisation, Rationalisierung, Automatisierung, Unterbieten von Preisen und Löhnen und damit vor allem durch globalisierten wissenschaftlich-technischen Fortschritt erreichen, zerstört werden soll.

Unter der scheinheiligen Decke einer spießigen Sozialmitleidstour verbirgt sich bei den Linken nicht nur ein völliges Unverständnis für die Mechanismen der Börse, des Marktes und des Geldes, sondern zugleich ein anmaßendes reaktionäres Menschenbild. Denn wieso glauben sie, dass alle Prekären nur das Eine wünschen, nämlich in einer fremdkommandierten Primitivarbeit Geld zu verdienen?

Die Linken wollen und können eben nicht verstehen, dass der Konkurrenzkampf mit dem technischen Fortschritt allen Menschen nicht nur immer bessere Produkte, sondern auch kreativere Arbeitsmöglichkeiten, kreative Freiheit zur Selbstbesinnung und einen materiellen und auch kulturellen Wohlstand  erschafft. Und die Linken wollen und können erst recht nicht begreifen, dass nicht „die Umverteilung von unten nach oben, die deregulierten Finanzmärkte und die Handelsungleichgewichte in Europa“ die Ursache für die großen Krisen der Gegenwart sind, sondern der kapitalistische Konkurrenzkampf, der eben dazu führt, dass immer mehr Menschen aus der Produktion treten, also ihren Primitivarbeitsplatz verlieren.

Die Immobilienkrise in den USA wurde nicht durch Finanzspekulationen der Banker und „Zocker“, sondern durch den millionenfachen Verlust gut bezahlter Arbeitsplätze der Hauskreditnehmer ausgelöst. Und wenn auch hierzulande massenhaft Fabriken rationalisieren oder schließen, dann hat das nicht nur ein Überangebot an Arbeitskräften und damit Billiglöhne, sondern auch einen Einbruch bei den Steuereinnahmen und Sozialabgaben bei gleichzeitiger Flutung von Sozialausgaben zur Folge. Für Unternehmen aber, nicht nur Banken bedeutet das aber, dass ihre früheren Kunden nicht mehr kaufen, Kredite abzahlen, Bundesschatzbriefe kaufen oder Aktiengesellschaften Kredite in Form von Aktienkäufen geben.

Die Kreditgeberei auch über die Börse, Versicherungsgeschäfte, Sparanlagen oder Warenkäufe kommt zum Erliegen, weil gut bezahlte Arbeitsplätze und damit Geldbesitzer immer mehr zur Rarität werden.Es widerspricht zutiefst dem Marxismus, dass die Linken diese technologisch-ökonomischen Prozesse des Sterbens der Waren- und Geldgesellschaft durch politisch elitäre oder „Demokratisierungs“prozesse aufhalten wollen und sogar von der Rückkehr zum Sozialismus oder wenigstens zum Kapitalismus der 90iger Jahre träumen. 

Die Verstaatlichung der Banken und damit die Anlastung aller Verluste der Banken auf den verarmenden Steuerzahler führt zur Zerstörung der heut so überlebensnotwendigen sozialen Netze, denn damit heizen die Linken im Verbund mit allen anderen Parteien das Abkassieren des ganzen Volkes zur Rettung der Geschäfts- und gut in Posten stehenden Politeliten erst richtig an. Ebenso wie die Ökosteuer dient auch die Transaktionssteuer nur dazu, die Mittelschichten, die noch Geld haben und Autos fahren oder Geld anlegen, abzukassieren, um dem Staat die Mittel zu verschaffen, großen Pleitenfirmen aller Couleur weiterhin zu Macht und Gewinnen auf Kosten der Völker zu verhelfen.

Deshalb kann der Weg aus der Barbarei nur darin bestehen, auf den Wogen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts so schnell wie möglich die geldgesteuerte Einheits- und Massenproduktionsgesellschaft zu verlassen und das kommunistische Prinzip der Produktion und Verteilung aller Güter und Dienstleistungen nach den individuellen Bedürfnissen anzustreben.

Die Entwicklungsbedürfnisse der mündig gewordenen Produktivkräfte bestimmen den Übergang der heutigen Menschheit zu kommunistischen  Produktionsverhältnissen – und deshalb würde Marx heute selber seine Sozialismustheorie als Irrlehre verdammen.   

Kornelia Richter, Schkeuditz


VON: KORNELIA RICHTER






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