Gesine Lötzsch und der real existierende Antikommunismus!


Bildmontage: HF

06.01.11
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Kritische Anmerkungen von Wolfgang Huste

Auf die Frage: “Was verstehst Du unter Kommunismus und/oder Sozialismus?” antworte ich mit einfachen Worten: “Eine Gesellschaftsordnung, die frei ist von Ausbeutung, Unterdrückung, Massenentlassungen und Dumpinglöhnen. Eine Gesellschaft, in der das Soziale, die Kultur und der Ausbau der politischen Emanzipation und Partizipation von Millionen im Mittelpunkt stehen, ebenso die Natur- und nicht die Profite von einigen Wenigen!”.Armut, Unterdrückung und eine kaputte Umwelt sind keineswegs unvermeidliche Naturereignisse wie Ebbe und Flut, wie Erdbeben oder Vulkanausbrüche- sondern sind „hausgemacht“, sind also dem Kapitalismus „immanent“. Armut und Unterdrückung haben nichts mit der Biologie des Menschen zu tun, mit seinen Genen, seiner “Natur”, sondern mit seinen ökonomischen/gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen er aufwächst. Wir leben insbesondere in der westlichen Hemisphäre weit unter unseren Verhältnissen! Es ist genug für alle da- der gesellschaftliche Reichtum ist nur falsch (undemokratisch!) verteilt! Die allgemeine, brutale Umverteilung „von unten nach oben“ nimmt in ganz Europa zu.Die Devise der Herrschenden lautet: „Nehmt es den Armen, um es den Reichen (den Banken) zu geben!“.Der Klassenkampf „von oben“ tobt wie verrückt- wir „ da unten“ begnügen uns (leider!) mit kleineren Abwehrkämpfen oder – noch weit schlimmer!- wir verfallen in eine politische Lethargie, zensieren uns ohne Not selbst, mutieren zu entpolitsierten Fatalisten, statt konsequent für unsere Interessen zu kämpfen, demokratischen Widerstand zu leisten. Viele begnügen sich – bildlich gesprochen – mit dem Krümel vom Kuchen, andere wünschen den Kuchen zu essen- wiederum andere möchten die gesamte Bäckerei übernehmen, frei nach dem Motto: “Wer den Kuchen backt, soll über ihn auch verfügen können!”An wen liegt es, wenn es zukünftig anders und besser werden soll? An uns!Die Geschichte beruht auf der Realisierung vormaliger Utopien. So wie es ist, muss es nicht bleiben- das lehrt uns der geschichtliche Verlauf. Es war lange Zeit eine Utopie, für viele nur eine „romantische Träumerei“, ohne Sklaven auszukommen, den Acht- Stunden – Tag einführen zu wollen, oder das Frauenwahlrecht, oder die Abschaffung der Kinderarbeit.Der Aufbau eines Sozialwesens, die Verwirklichung der betrieblichen Mitbestimmung usw. kam wie vieles andere auch nur durch den Druck „von unten“ zustande.Für uns Europäer sind die von mir skizzierten sozialen Errungenschaften mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, für Milliarden Menschen in anderen Ländern leider (noch) nicht.Mehr als 1,2 Milliarden (!) Menschen verdienen pro Tag weniger als einen US – Dollar! Millionen von Menschen sterben jährlich an Hunger.Millionen von verarmten Amerikanern leben in Zelten, draußen auf der Straße, oder in anderen Notbehausungen- sie leben also am Existenzminimum. Nur selten werden diese Tatsachen in den bürgerlichen Medien erwähnt. Wer Hartz IV bekommt, lebt statistisch gesehen sieben (!) Jahre weniger als ein Wohlhabender. Wir haben im reichen Deutschland Kinderarmut. Das alles sind die weltweiten, konkreten Auswirkungen des real existierenden Kapitalismus!Alle positiven, gesellschaftlichen Errungenschaften wurden uns niemals gönnerhaft „von oben“ geschenkt. Diese und viele andere Errungenschaften wurden in oftmals harten Auseinandersetzungen von unseren Vorfahren regelrecht erkämpft. Viele unserer Vorfahren riskierten sogar ihr Leben für die „gemeinsame Sache“; und in vielen anderen Ländern ist das heute noch so. Nun versuchen die herrschenden Eliten europaweit, diese unsere Errungenschaften wieder im Sauseschritt abzubauen, die Solidarität zwischen den Menschen zu unterdrücken, oftmals mit massiven Gewalteinsätzen.Sie, die herrschenden Eliten, haben zur Zeit die Macht über die Massenmedien, sitzen in den Parlamenten, „bedienen“ wunsch- und auftragsgemäß die Lobbyisten der Industriekonzerne und der Banken mit großzügigen Steuergeschenken und anderen „Vergünstigungen“, faseln von „realistischen Tarifverträgen“, um die „allgemeine, positive Konjunkturentwicklung“ nicht zu gefährden – oder unseren Status als „Vize- Exportweltmeister“ (wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer- das ist zumindest innerhalb des Kapitalismus die Logik, die – wiederum leider! – nur eine Minderheit in Frage stellt. Es ist auch nur eine Minderheit, die den „Wachstumsfetischismus“ ablehnt und stattdessen eine Gleichgewichtswirtschaft favorisiert).Die herrschende „Elite“ schwingt wieder, wie gehabt, die Antikommunismuskeule und benutzt den allgemeinen Sozialabbau als Drohkulisse, um die Massen politisch einzuschüchtern, in ihrem Sinne gefügig zu machen.Ihr aktuelles „Opfer“ ist Gesine Lötzsch. Antikommunismus hat insbesondere in Deutschland eine lange Tradition. Wir sollten niemals vergessen: Es waren im Naziregime zuerst auch Sozialisten, Sozialdemokraten, Humanisten, Kommunisten und Intellektuelle, die gefoltert wurden, die nur wegen ihrer politischen Gesinnung ins Gefängnis kamen, die man in den zahlreichen Konzentrationslagern der Nazis fabrikmäßig ermorden ließ, die ins Exil flüchteten, um ihr Leben zu retten.Es waren nicht korrumpierbare Kommunisten, die bis heute unter dem 1956 eingeführten KPD- Verbot litten und teilweise immer noch leiden. 1956 wurde nicht nur die Bundeswehr gegründet, es kamen auch viele Kommunisten in die Gefängnisse- wiederum nur wegen ihrer politischen Gesinnung.Sie wurden größtenteils von Richtern abgeurteilt, die schon innerhalb des Naziregimes „tätig“ waren, die Unrecht statt Recht sprachen (es gab kurz nach dem Krieg noch sehr viele Filbingers – überall, auf allen politischen Ebenen!)!Kommunisten, die in der Nazizeit Widerstand gegen das Regime leisteten, die durch die Alliierten aus den zahlreichen KZs befreit werden konnten, wurden wiederum im Namen des Antikommunismus verfolgt, benachteiligt- obwohl die „Freiheitlich – demokratische – Grundordnung“ (FDGO) keinesfalls identisch ist mit dem Kapitalismus. Die Verfassungsväter haben es offen gelassen, für welche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung die Deutschen sich entscheiden sollen. Auch hier gilt der Grundsatz: Jede Entscheidung kann durch eine andere, bessere, demokratischere, ersetzt werden. Viele Kommunisten kamen für viele Jahre ins „Zuchthaus“, wie es damals noch hieß. Das Perverse (= das Verdrehte): Der Gründer des späteren Verfassungsschutzes, von Gehlen, war vormals NSDAP – Mitglied! Diejenigen, die sich Anfang der 70er Jahre stark für das Berufsverbot, den „Radikalenerlass“, einsetzten, waren innerhalb des Naziregimes oftmals in hohen oder höheren Funktionen tätig. In den damaligen Landesparlamenten gab es viele ehemalige NSDAP – Mitglieder. Eine radikale Entnazifizierung gab es in Deutschland zu keiner Zeit, auch keine breite Diskussion darüber, was Faschismus ausmacht (noch heute wird innerhalb des Schulunterrichts der Faschismus in erster Linie unter dem Aspekt „Hitlerismus“, also aus einer historischen Perspektive heraus, diskutiert, im Sinne von: „Der Faschismus war ein geschichtlicher Betriebsunfall, er kommt nie wieder!“).Ein großer Teil des „Alten“ wurde ins „Neue“ übernommen. Zum „Alten“ gehört auch der Antikommunismus, der Kapitalismus, das Obrigkeitsdenken, der politische Opportunismus, faschistoide und rassistische Denk- und Handlungsweisen, die Hinorientierung auf eine (entpolitisierte) „gesellschaftliche Mitte“- die es realiter gar nicht gibt! Denn wer hat da die Definitionshoheit, wo die Mitte endet und das „Extreme“ anfängt? In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden in den Verfassungsschutzberichten selbst Jusos und „linke Grüne“ aufgeführt. Sicherlich sind das eher Mitglieder der gesellschaftlichen Mitte. Zurzeit wird die Gesellschaft auch aus der Mitte heraus gefährdet. Die Demokratie wird von konservativen bis reaktionären Politkern und Lobbyisten bedroht, die das Rad der Geschichte wieder zurückdrehen wollen- in Richtung eines Steinzeitkapitalismus, im Sinne des „Härteprinzips“. Die Humanitas bleibt da auf der Strecke, wirkt für die herrschenden Eliten nur „störend“.Was den Begriff „Kommunismus“ angeht, nur folgende Anmerkungen:Bei dem Begriff “Mund” müssen wir nicht immer ans Essen denken und bei dem Begriff „Kommunismus” nicht immer reflexhaft an die DDR oder an die ehemalige Sowjetunion!Auch die Lehre der christlichen Urgemeinde beinhaltet starke “kommunistische” und sozialistische Elemente. Oder anders: wenn ich erstklassige Zutaten für einen Kuchen verwende, so kann das Kuchenbacken dennoch misslingen, wenn der Bäcker nichts vom Backen versteht und nicht den Rat von ausgebildeten, guten Bäckern befolgt. Die besten Zutaten können nichts dafür, wenn der Kuchen wegen eines schlechten Backvorgangs uns nicht schmeckt. Analog zum “Kommunismus“: Marx und Engels sind nicht verantwortlich für Stalin oder Missentwicklungen in der DDR; Jesus ist nicht verantwortlich für Hexenverbrennungen, Kreuzzüge, für die Unterdrückung der Wissenschaft durch den Klerus. Jesus ist auch nicht verantwortlich zu machen für die Unterdrückung fortschrittlicher Ideen, der Demokratie. Er ist auch nicht verantwortlich für reaktionäre Kirchenfürsten, die sich damals wie heute auf Seiten der herrschenden Eliten schlagen- oder für die Ausrottung von Völkern/Menschen durch „Christen“.Mit einem Messer kann ich Brot und Wurst schneiden- oder jemanden töten. Das Messer ist nicht schlecht- es kommt immer darauf an, wer es für welche Ziele führt! Macht zu haben ist nicht schlecht, wenn diese Macht demokratisch kontrolliert wird, wenn sie nicht von einer Minorität zu Ungunsten der Majorität missbraucht wird, wenn sie zugunsten des Friedens, der Kultur, eingesetzt wird.Sozialismus und Kommunismus können nur “von unten”, also demokratisch, möglichst mittels eines Konsensprinzips, aufgebaut werden (eventuell in Form eines demokratisch strukturierten Rätesystems).Kein Schaf würde auf die verrückte Idee kommen, die Interessen der Wölfe zu vertreten, in dem es zum Beispiel ebenfalls blutiges Fleisch ißt, um sich entsprechend den (herrschenden) Wölfen, deren Gepflogenheiten, anzupassen oder deren Ideologie zu unterstützen, mit der irren Hoffnung, so besser durchs Leben zu kommen.Kein Schaf würde den Gesetzen der Wölfe blindlings vertrauen. Und wenn die Wölfe die Anführer der Schafe loben, würden bei den Schafen sämtliche Alarmglocken läuten- denn dann würden sie was falsch machen. Wir Bürger dürfen keinesfalls dümmer als Schafe sein!Wir stehen historisch als auch aktuell auf der anderen Seite der Barrikade. Unsere Interessen sind nicht identisch mit den Interessen der herrschenden Klasse, das sollten wir nie vergessen!Keiner von uns hat zum Beispiel Interesse an Massenentlassungen, an Kriegen, an der Produktion von Tellerminen, Streubomben- überhaupt an der Produktion von Kriegswaffen. Keiner von uns möchte später im Alter (oder vorher) in Armut leben. Wir „da unten“ wünschen uns bezahlbaren Wohnraum, die Abwesenheit von Kriegen, eine gute, armutsfeste Entlohnung, eine armutsfeste Rente, gesunde und preiswerte Lebensmittel aus ökologischer Produktion und ein bezahlbares Gesundheitssystem für Alle, statt einer Zwei – Klassen – Medizin. All das fordern (auch!) Kommunisten/Sozialisten/Humanisten/ „echte“ Christen!B. Brecht hat es mit folgenden Zeilen auf den Punkt gebracht, in dem er schrieb:„Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber!“.Deshalb lautet meine Devise: „Keine Macht zugunsten der Sozialabbauerparteien!“Nicht die Kommunisten/Sozialisten sind eine gesellschaftliche Gefahr, sondern die Kriegstreiber, die Kriegsgewinnler, die Spekulanten, diejenigen, die Massenentlassungen „befehlen“ und ausführen lassen, die Vertreter der Oligopole, die Politiker, die eine Demokratisierung unserer Gesellschaft hemmen, statt sie zu fördern! Unsere Stärke liegt in der (internationalen!) Solidarität. Lassen wir uns nicht in „gute“ (angepasste, System stabilisierende) und „böse“ (kritische, widerständige, kämpferische, System überwindende) Sozialisten / Kommunisten spalten- denn das liegt nicht in unserem Interesse!Quelle: www.wolfgang-huste-ahrweiler.de







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