Replik von Jens-Uwe Habedank zum Artikel "Aufbruch ins Leben im Vier-Viertel-Takt"


Bildmontage: HF

09.03.10
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99. Internationaler Frauentag – Gut..., aber gut genug? Nach 99 Jahren Frauentag sollten doch gerade in der Partei der traditionellen Nachfolge von Frauenrechten erheblich mehr Erfolge/Ergebnisse zu verzeichnen sein als andernorts! DIE LINKE hat ihren Fraktionsraum nach Clara Zetkin benannt, immer wieder wird diese Vorkämpferin für Frauenrechte,
Arbeitnehmerrechte und gerechtere Verteilung von Allgemeingütern gerne zitiert. Katja Kipping stimme ich in ihren Ausführungen nur zu gerne zu. Aber – stimmt Katja Kipping auch den banalen Realitäten vor Ort zu, in ihren Partei?...Und der Geist, die Praxis in dieser Partei, im Alltag, in der politischen Beteiligung und Nachbeteiligung von Frauen?

Der mag in Berlin oder wo anders stimmen. Gleichzeitig aber auch ist es keine Neuigkeit, dass die Beteiligung und Anteil von Frauen in der LINKEN weitaus besser sein könnte. „Wenn sie (die Frauen) nicht wollen.:“ hört man immer wieder von führenden Leuten auf Kreis-, Landes- und Bundesebene. Zu einfach, zu viel weggeschaut und zu sehr in einer Doppelmoral verhaftet. Die Kreml-Mauer (hier befindet sich die Urne von Clara Zetkin) müsste beben und fast einstürzen wenn diese Frau sehen könnte was „Alltag“ von politisch engagierten Frauen in Kreisverbänden ist und wie der eigene Landesvorstand darauf reagiert.

Mal ein Beispiel aus dem Kreis Kleve. Conny H., alleinerziehende Mutter, berufstätig, engagiert, willens und fähig....Mir persönlich bekannt, ihren Werdegang im KV Kleve mit Ohnmacht begleitet und von mir hoch geschätzt – leider nur von mir, wie man sehen kann: Conny H. trat Anfang 2009 in den KV Kleve ein, es mag sein, dass ich sie dazu ermunterte weil ich selbst aktiv war und immer wieder davon erzählte. Zufälligerweise waren dort Nachwahlen zum Vorstand. Zum geschäftsführenden Vorstand wollte sie nicht, trotz Aufforderung, kandidieren, das schien ihr zu ungewiß, zu unübersichtlich. So wurde sie zunächst einmal Beisitzerin. An der Vorstandsarbeit nahm sie regelmäßig teil, war eine der
wenigen die stets präsent und aktiv war. Schnell erkannte sie, dass Politik nicht immer das von Männern propagierte Hexenwerk ist. Sie hatte die meisten Erfahrungen und Hintergrundwissen um Bildung, gerade Gesamtschule. Dieses Thema jedoch beanspruchten die Vorstandsherren ( ohne eigene Kinder) für sich und drückten ihr das Themenfeld „Gleichberechtigung“ auf.

Dann ging es langsam um Kandidaturen zur Kommunalwahl. Einmal musste sie einen abendlichen Termin wg. Elternabend absagen –schon gingen die Schreiben von dem Restvorstand (alles Männer) durch den Kreis „sie kommt nie, sie tut nichts“....
In der Bemühung um Klärung bekam sie von ihren männlichen Kollegen zu hören „klar, arbeiten wir mit dir zusammen – dann musst du uns aber auch zustimmen..:“ In dem Umgang mit einigen Nicht-Beitragszahlern ( ca. 2 Jahre), Bedrohungen und Satzungsbrüchen hatten sich mittlerweile einige Differenzen ergeben. Plötzlich wurde Conny H. vom geschäftsführenden Vorstand ( alles Männer) ihrer Aufgaben entlastet; „Begründung“: Unruhestifterin....Man schnitt sie ab von Informationen, redete über sie schlecht und verleidete ihr jedes Engagement. Zu guter letzt berief man eine Vorstandssitzung ein, an der
sie nicht mal mehr teilnehmen durfte. Initiator dieser Vorstandssitzung: Michael Kretschmer. Leiter der LGS-NRW. Auf dieses Verhalten mehrfach, auch schriftlich, angesprochen und um Erklärung gebeten, kam von Michael Kretschmer: „Ich habe es nicht nötig darauf zu antworten!“, drehte sich um und ging von dannen....

Zwischenzeitlich gab es etliche Hilferufe an LISA, speziell die Kontaktperson Katharina Schwabedissen – ohne Reaktion. Katharina Schwabedissen liess es laufen wie es lief obwohl die Hilferufe eindeutig waren. Auch die Kreisbetreuerin Edith Fröse scheute jeden Kontakt mit Conny H. Zwischenzeitlich gab es „anonyme Anzeigen“ beim Hartz-Amt mit „zufällig“ von Vorstandsherren kolportierten Vorwürfen, Wohnungsdurchsuchungen fanden statt. Es gab „anonyme Anrufe“, die nicht aufhörten. Es gab geschürte Ängste und das Gefühl sich ständig umschauen zu müssen. Am Ende beschloss Conny H. unbekannt zu verziehen und sich eine Geheimnummer zu zu legen, auch ihrer Kinder wegen.

Selbstverständlich kam es bei den Aufstellungen zur Kommunalwahl nicht mal zu Kandidaturen von Frauen auf aussichtsreichen Listenplätzen. Einer anderen Frau, die überlegte zu kandidieren, verweigerte man schlichtweg im Männervorstand die Aufnahme – Begründung: Keine. Oberster Wortführer: Michael Kretschmer

Conny H. ist ausgestiegen aus der Politik. Sie wird wohl auch den Rest ihres Lebens nichts mehr damit zu tun haben wollen, mit Parteien nicht und mit verkappten Machos unter Tarnflaggen erst recht nicht. Die sie bewegenden Themen wie Bildung ( es läuft eine Gesamtschul-Initiative in Kleve, ohne jede Beteiligung der Super-Politiker der LINKEN), soziale Gerechtigkeit, Frauenrechte etc. nimmt sie zur Kenntnis, hat aber daran keine
Teilhabe; es reicht nicht mal zum Aufregen....

Ihre Enttäuschung und Wut dürfte aus dem beigefügten Austrittsschreiben an Katharina Schwabedissen hervorgehen, es war ihre letzte Aktion in Zusammenhang mit den LINKEN....
Bleibt die Frage – Was „feiert“ die LINKE im Kreis Kleve, was „feiert“ Katharina Schwabedissen denn da nun für einen Frauentag? Zu feiern haben eigentlich nur die Herren bei den Kreis Klever LINKEN. Mit Duldung und Unterstützung von LaVo und LGS wurden engagierte Frauen in Ämtern und Mandaten erfolgreich verhindert. Es bedarf mehr als einen Namen für einen Fraktionsraum, nostalgische Erinnerungen und schöner Artikel: Hört man mit dem ständigem Unterlaufen der eigenen Satzung auf, wäre es schon mal ein Anfang.....Völlig unverständlich wie gerade zwei Frauen (Katharina Schwabedissen und Edith
Fröse) bei solchen bösen „Spielchen“ gute Miene machen!
Die Forderungen und Ansprüche der LINKEN zum Frauentag, wie auch allgemein, finden ja mit Sicherheit eine breite Zustimmung – solle man aber zuerst einmal nicht grundlegende Strukturen und Mechanismen schaffen und aufarbeiten, die Frauen auch gerade in dieser Partei es ermöglichen „Frauenpolitik“ zu machen?! Wie gesagt – die Kreml-Mauer müsste
einstürzen.....

Welche Schlüsse ziehen LaVo NRW, LISA, LGS und andere Frauen aus solchen „alltäglichen“ Realitäten? Es wird Zeit für einen Frauentag, den es sich lohnt zu feiern, für alle Frauen, auch die „einfachen“ bei den LINKEN...

 

Anmerkung der Redaktion:

Der Redaktion liegt das Austrittsschreiben von Cornelia H. vor, in dem die Darstellung des Autors bestätigt wird.



Aufbruch ins Leben im Vier-Viertel-Takt - 08-03-10 22:11
DIE LINKE ist von den offiziellen frauenpolitischen Forderungen in ihren Wahlprogrammen meilenweit entfernt. - 06-03-10 22:57




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