DIE LINKE und ihre Wahlplakate


So wirbt DIE LINKE. um Wählerstimmen...


... und so ihre kritische Anhängerschaft

27.08.17
LinksparteidebatteLinksparteidebatte, Debatte 

 

Von Walter Schumacher

Jede parlamentarische Wahl zwingt die Partei DIE LINKE sich erneut zu outen; im Wahlprogramm, bei den Koalitionsaussagen - und bei den Wahlplakate, die das alles auf den Punkt bringen sollen. Und eigentlich war es doch immer linker Konsens und von allen so gewünscht: parlamentarische Wahlen sollen der Verbreitung linker Positionen dienen.

Aber was ist, wenn da nichts „linkes“ mehr ist?

Harmlos-Plakate hängen bundesweit

Seit einer Woche kann man die LINKE-Plakate hängen sehen. Jeweils ein „positives Wort“ und dann ein weich-klingender Spruch - der nichts klärt und nichts fordert. Und wenn man die Sprüche mit denen von SPDCDUGRÜNE vergleicht – austauschbar! Alles (außer vll. „Frieden“ und „Gerecht“) hätte genau so auch für die bürgerliche Parteien stehen können!

Warum solche Harmlos-Plakate?

Für die Bundestagswahl 2017 hat die Linkspartei ein Set von Plakaten erstellt. Es hatte vorher knapp 700 Slogan-Einsendungen aus der Basis gegeben. Deren Auswahl geschah durch die Geschäftsführung. Für Außenstehende sind die Kriterien undurchsichtig, aber der Parteivorstand hätte ganz sicher die Möglichkeit gehabt, ein Wörtchen mitzureden.

Was ist da geschehen? Warum hat der Parteivorstand diese wichtige politische Aufgabe der Geschäftsführung übertragen? Wollte er einerseits dieses (total angepasste) Ergebnis und dabei gleichzeitig vermeiden, die Verantwortung für diese unsäglich peinliche sozialdemokratische Plakatkampagne tragen zu müssen? Das zu klären wäre eine spannende Aufgabe von Linken in der LINKEN.

 

 

Widerstand gegen die „Harmlosigkeit“ durch die Basis in der LINKEN

Erfreulicherweise hat sich in den unteren Parteigliederungen Widerstand gegen diese Plakate geregt.  So ist zumindest in NRW durch Leute aus Münster eine deutlich bissigere und politisch klarere Plakat-Serie entstanden.

 

 https://die-linke-muenster.de/plakat-kampagne-zur-bundestagswahl-2017/

 

Leider, leider haben die Genoss*innen dabei nicht wirklich weit genug gedacht. Mit ihrem Slogan „Genug mit …“ implizieren sie doch, dass es bis jetzt „schon ganz Okay war“. So etwas kann keine linke Parole sein und die Genoss*innen haben es dadurch den rechten LINKEN leicht gemacht, diese Serie abzubürsten.

Eine andere Lösung haben junge Genoss*innen der Linksjugend in Aachen gefunden. Sie haben vor Verzweiflung sogar auf ihre (alten) NRW-Wahl-Plakate vom Mai zurückgegriffen und diese – statt der Harmlos-Plakate) in Aachen aufgehängt!

 

Kritik auch außerhalb der Linkspartei

Diskussionen um die Harmlos-Plakate sind auch außerhalb der Linkspartei geführt worden. So hat eine Gruppe aus Aachen (die „Unbelehrbare für Frieden und Völkerverständigung“) diese Plakate der Linkspartei zum Anlass genommen, um mit sarkastisch-ironischen Plakaten auf Schildertafeln den Wahlkampf in Aachen bis Ende September etwas aufzumischen. Die Unbelehrbaren haben mittlerweile ihren ersten Einsatze an einem Wahlstand der SPD und Ulla Schmidt absolviert und mit den Plakaten wütende Reaktionen der Ex-Ministerin hervorgerufen. (siehe hier https://dieunbelehrbaren.wordpress.com/2017/08/18/bundestagswahl-2017-anregungen-fuer-gepflegte-gespraeche-zur-wiederherstellung-der-demokratie/)

 

 

 

Erneuter Widerstand in DER LINKEN

Im Süden der Republik hatte DER LINKE Kreisverband Amper von diesem Aachener Konzept Wind bekommen und umgehend die Idee weiterentwickelt zu wunderbar bissigen Wahlkampf-Plakaten. Diese wurden mittlerweile vom dortigen Kreisverband aufgehängt. Gleichzeitig haben die dortigen Genoss*innen ihre Aktion innerhalb ihrer Partei bekannt gemacht, um Mitmacher*innen geworben und ihre Plakate parteiweit zur freien Nutzung angeboten.

 

 

Ist die Harmlosigkeit überwindbar?

In den nächsten Tagen wird es spannend, ob zumindest die linken LINKEN bundesweit diese Idee aufgreifen oder diese Plakate auch in ihren jeweiligen Kreisverbinden weiterentwickeln und einfach übernehmen.

Es könnte aber durchaus auch sein, dass sie sich bundesweit widerspruchslos dem Parteikonzept einer völlig weichgespülten Wahlwerbung unterordnen - und jeden linken Anspruch aufgeben.

 

Wie dem auch sei: Der Lackmustest läuft.







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