Replik zu: „Warum profitiert DIE LINKE nicht von der Krise“

04.12.12
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von Karl-Heinz Reinelt

In der Tat, lieber Wolfgang Huste, deine Einlassung zur LINKE. „ist sogar für viele recht provokant und lädt zum Widerspruch ein“ und das möchte auch ich mit meiner Replik bezwecken: eine breite, innerparteiliche und gesinnungsgenossenschaftliche Diskussion zum Thema: "Warum hat DIE LINKE keinen Massenzulauf?".

Die politische Lage der LINKE. ist unbestritten nur multikausal erklärbar und man muss sich auf jeweils spezifische Felder beschränken, um dort zu belastbaren Aussagen zu kommen. Es fällt aber auf, dass der fehlende Massenzulauf zur LINKE. von dir, Wolfgang, als nahezu ausschließlich außerhalb der Einfluss-Reichen in der LINKE. verursacht, dargestellt und eine kritische Selbstbespiegelung nur ganz vage am Rande abgehandelt wird.

Im Punkt 1., wird mit deiner Behauptung, „die herrschende Elite, die neoliberalen Parteien/Organisationen“ verfügten über die „pro kapitalistische Medienwelt“, eine Art solidarische Gesamtinteressen-Vertretung der ökonomisch, politisch und kulturell herrschenden Klasse unterstellt.

Wenn dem so wäre, fiele die „immens große soziale, ökologische und ökonomische (europaweite!) Krise“ mitnichten so scharf aus, wenn sie nicht gar nahezu flachfiele, da der Gesamtkapitalist im Idealfall beliebig über alle Gegensteuerungs-Instrumente verfügte, die zur Nivellierung auftretender Schwankungen geeignet sind.

Bildlich gesprochen: Je stabiler der nationale Gesamtkapitalist nicht nur seine Außenbeziehungen, sondern auch seinen Binnenmarkt gestaltete, desto üppiger fiele der Inhalt der Kasse des Metzgers aus, auch wenn er mal seine Frankfurter Würstchen nicht nach Amerika exportieren könnte, falls sich die prekarisierten amerikanischen Underdogs mal keinen Hot Dog mehr leisten können.

Der nicht mal virtuell vorhandene Gesamtkapitalist, sondern der „brutalstmögliche“ zwanghafte Konkurrenzkampf der Einzelkapitalien ist es aber, der die krisenhaften Schwankungen auslöst, denen der Staat in gegenseitiger absoluter Bedingtheit mit den Kapitaleignern entgegenzuwirken sucht und der LINKE. leider nicht gleichsam von selbst einen Zulauf von Massen für eine von ihr sozialgerecht ausgeklügelte Planwirtschaft erbringt.

Es wird von dir weiter unter Punkt 1. festgestellt, Antikommunismus, Antisozialismus und Rassismus würden als Positionierungen gewissermaßen einen Allgemeingütigkeits-Anspruch erheben, Antifaschismus und sozialistische Demokratie spielten im Wertekanon der der „herrschenden Elite “ keine Rolle.

Man sollte zur Untermauerung dieser These, ab und an einen Blick auch in die bürgerliche Presselandschaft werfen, um dann vielleicht äußerst überrascht zu sein, wie häufig dort Begriffe sozialistischer Provenance fröhliche Urstände feiern, denn im Gegensatz zu der LINKE.-Polit-Sekte, ist der „herrschenden Elite“ sehr wohl klar, dass sie den politischen Gegner, die linken gesellschaftlichen und hier vor allem die außerparlamentarischen Kräfte, äußerst wachsam im Auge haben und deren Weltanschauungen besser kennen muss, als beispielsweise die Frankfurter LINKE.-Spielart, sich selbst kennt und sich mit Wollust in ihrem eigenen Saft zu zerköcheln scheint.

Die LINKE. könnte es zur Abwechslung ja mal mit dem Schaffen einer kompetenten, investigativen, eigenständigen Gegenöffentlichkeit probieren. Aber da präsentiert sich zum Teil gähnende Leere, nicht nur optisch. Auf der Internetseite der Stadtteilgruppe des Ortsbezirks 11 der Frankfurter LINKE. findest du horrorbeispielsmäßig lediglich den Hinweis auf ihr jährliches Stadtteilfest vor und der linke Ortsbeirat 11 hat seinen über ein Jahr alten letzen Antrag zur Verkehrsberuhigung ausgerechnet einer Sackasse veröffentlicht. Das würde ich mal als „Null komm null nix“ bezeichnen wollen und dass derlei sozialistische Untaten in den Print-Medien unterdrückt werden, interpretiere ich eher als Wohltat für DIE LINKE. denn als kapitalistische Missetat.

Den angeblich dummen Kälbern zu unterstellen, sie dächten und handelten ganz im Sinne der Herrschenden, kann ich leider nicht folgen, zumal abgesehen von der Verächtlichmachung dann jegliche Änderung der Klassenverhältnisse verunmöglicht wäre. Da sehe ich durchaus Potentiale, aber nicht in der Wählerschafts-Beschimpfung, sondern getreu der Rosa-Luxuriös-Stiftung im ganz lieb kritischem Denken und im Anregen emanzipatorischen Handelns und im Ermöglichen, Unterstützen und Mutmachen der Bürgerinnen und Bürgern, sich kompetent und selbstbewusst für ihre demokratischen, emanzipatorischen und humanistischen Anliegen einzusetzen. Wohlgemerkt sollte nach Ansicht der LINKE. die Partei den mittigen Bürger-Innen und nicht den außermittigen, den randständigen Genoss_Innen zur Seite zu stehen, denn die mitsprachegierige „ geistig lumpenproletarische“ Basis der Partei ist ein äußerst lästiger Klotz am Bein der LINKE.-Autoritaristen.

Unter Punkt 2. wird von dir festgestellt, dass DIE LINKE auch in den TV-Medien, in Relation zu anderen Parteien, nachweisbar unterdrückt würde. Es wird aber von dir unterschlagen, dass dies ebenso für die Politikerpräsentationen anderer Parteien gilt, ob das nun die SPD, die Grünen oder die Piratenpartei ist. Richtig ist, die Parteipräsenz der Regierungskoalition CDU und FDP ist in den TV-Sendungen als überproportional, die der LINKE. unterproportional bezeichenbar, allerdings nicht als alleinstellungsmerkmalig. Die LINKE. kann ja mal einfordern, dass die TV-Auftritte bei Nachrichtensendungen entsprechend der aktuellen Umfragewerte der Parteien organisiert werden. Bloß nach 2013 wird es für derlei Ansinnen ein wenig klamm werden und das nicht nur finanziell.

Die scheinbar Einfluss-Reiche LINKE. profitiert nach meiner Ansicht deshalb nicht von der Krise, weil sie sich als LINKE.-Fake unentwegt selbst entlarvt und die Wählerschaft nun mal die durchschaute Vortäuschung linker Tatsachen nicht auch noch goutieren mag. Der rot getünchte „Mohr“ hat seine Schuldigkeit getan, er kann sich schleichen, bis auf ein paar Einsprengsel, deren Glaubwürdigkeit nicht in Frage zu ziehen ist. Helmut Kohl forderte einst sinngemäß einen Minister in geselliger Runde mit den Worten „Mach de Aff“ auf, auf dem Tisch zu tanzen. Dazu ist DIE LINKE., speziell die frankfurtmainische Lesart des Wählervereins auch heute allemal noch geeignet, zu mehr aber auch nicht mehr.

Zur Finanzdoktrin „ Too big to Fail“ zur Rettung der Banken entblödet sich die finanzstarke Frankfurt-LINKE nämlich nicht, dem Finanz- und Produktivkapital genau das Feigenblatt zu liefern, das es ihm ermöglicht mit verbalisierten Vogelgesängen das hohe Lied von der sozialsten aller Marktwirtschaften zu tirilieren, um die etwas weniger und die heftiger Prekarisierten bei der Stange zu halten wie das Revue-Girl einer Rotlicht-Bar in der Kaiserstraße, den Farankfurt Bornheimer LINKE. Stadtteil-AGlern sei Dank.

Den „Zuhälter“ für die Folgen der „immens großen sozialen, ökologischen und ökonomischen (europaweiten!) Krise“ zu spielen, statt ein neues Fenster zum Transparentieren zu öffnen, ist die „zeitgemäße“ Doktrin der LINKE.- und deren Dschihad-Fiktion gegen die Finanzmafia erstickt sich selbst in Sarahs knechtisch aasenden Wagen der Idylle eines der beliebtesten Politiker der 1950er Jahre, dem Wirtschaftswunder-Wirtschaftsminister Ludwig Erhard.

Wie tief kann der Anspruch, eine sozial gerechtere Welt mitzugestalten, noch sinken und wem will man denn mit dem Minderwertigkeitskomplex imponieren, der sich im absoluten Nebenkriegsschauplatz der sogenannten inneren Querelen hörbar nach außen manifestiert, indem die uralte abgedroschene Mär eingepflegt wird, DIE LINKE. insbesondere in Frankfurt würde unendlich gnadenlos verfolgt und könne selbst mit den Millionen Euros des Landtags- und den Hundertausenden Euros des Römerfraktionsbüros leider nur Abhängige einkaufen, aber keine Gegenöffentlichkeit finanzieren.

Sich Marx sage und schreibe 21 mal zu erträumen und elfenbeinturmig von der Revolution nur zu schwadronieren, statt sie kompetent anzuleiern und womöglich sogar avantgardistisch trotzköpfig anzuführen, also zum Wünschen auch zu liefern, kriegen die ängstlichen, heuchlerischen und parasitär im parlamentarischen Betrieb Eingenisteten mitnichten gebacken, da müssten sie ja die Farbe bekennen, die ihnen abhanden gekommen ist, sofern sie sie überhaupt je besaßen.

Die unter Punkt 3. geäußerte Ansicht, „sich als eine Linke/ einen Linken zu „outen“ hätte „gesellschaftlichen Liebesentzug“ (= soziale Sanktionen bis hin - eventuell - zum Berufsverbot zur Folge“, kann ich so überhaupt nicht bestätigen, vielmehr hat besagtes „Outen“ zur Folge, von der LINKE. als "Charakterschwein und Kretin" bezeichnet zu werden, was einen erfreulicherweise ja weiter nicht belasten muss, aber doch die LINKE. als alles andere als eine Gutmenschen-Hartv IV-Helfer-Partei, sondern als reinweg gleichartig mit den Kapitalparteien erscheinen lässt, obwohl sie unaufhörlich davon schwafelt so vollkommen anders, als die althergebrachten Parteien „(= eine der Sozialabbauerparteien, eine der Von-Unten-Nach-Oben-Umverteiler-Kiries-Parteien)“ oder die Tau-frische Piratenpartei zu sein.

Dem unter Punkt 4. postulierten „ geistigen Lumpenproletariat“ fühle ich mich voller Stolz zugehörig. Als "Gefühls- bzw. Bauchlinker" und sozial "Deklassierter" genieße ich es förmlich mit den verlogenen Silberlings-Kassierern der LINKE. wie IM Willy ganz und gar nicht in deren Fleischtopf geworfen und in diesem Beutebrei abgetakelter Funktionäre und wahlpopulistischen Lucky Puncher meine Identität im phrasierenden Voranschreiten der zu Unrecht gehypten LINKE. auf deren Frankfurter Altar zu opfern.

Diese Avantgarde der ewig Gestrigen, diese sehr wohl "mono strukturierte Partei", hat 1000 Mal nix berührt und mit ihr ist 1000 Mal nix passiert und sie hat auch kein’n „boom“ gemacht. Das bringt diese LINKE. nur dehmlich millionärsänger-liedmäßig auf die Reihe, ein Hit, der allemal kapitalstützend daherkommt, aber mitnichten kapitalgefährdend, um von Einholen und Überholen verdrießlichst ganz zu schweigen. Die LINKE. mit ihren gepamperten toten Hosen zieht noch nicht mal ein Frankfurter Würstchen vom Teller, geschweige denn das „geistige Lumenprekariat“ vor ihren Wahlvereinskarren. Dies Klassenbewusstsein haben wir Outlaws der LINKE. uns „draußen“ bewahrt.

Die Privilegien für die Funktionäre der LINKE., deren Unterdrückung von Kritik und Kritikern, deren Herrschaft von oben nach unten statt freier und gleichberechtigter Meinungsaustausche auf allen Ebenen sind dermaßen fest bei der Partei DIE LINKE. eingebrannt, dass es unerträglicher und unsozialistischer gar nicht mehr sein kann.

Der nervige Frankfurter post-linke Ableger gehört einfach „abgeschrubbt wie eine überflüssige Fliege am Rand“, würde Schäuble hohnlachen, wenn ihm der Frankfurter LINKE.-Verschnitt in die Parade fahren würde, wie es die vom Master of Finance abgemeierte Gesine Lötsch versuchte und die das Bad ihrer Verachtung offensichtlich genossen hat, denn man hört nichts von einem substanziellen Widerspruch ihrerseits, wie überhaupt die mehrfache Häutung der Schmetterlingsraupe, die ja das eigentliche Fressstadium des Insekts ist, ähnlich wie bei anderen Insekten mit vollständiger Metamorphose, aus gleichmäßig aneinander gereihten Segmenten besteht, die den Rumpf bilden.

Schmetterlingsraupen haben 14 Segmente, von denen meistens die letzten drei zu einem Analsegment verwachsen sind, was natürlich keine Allegorie für die 21 marxistischen Segmente der Frankfurter LINKE. bedeuten soll, sondern nur für den Übergang des linken Seidenspinner-Kokons aus der Familie der echten Spinner zu den feinsten seidenen Stoffen der Linken Kaiserin Janine, der Allerersten von Hessen-Nassauer.

In der LINKE. scheint die Verkehrung des gesellschaftlichen Verhältnisses von Menschen in ein Verhältnis von Waren, sprich einen Wahlhelfer-Warenfetisch zu entarten. Dass die größtenteils milieu-entwöhnte, individualisierte, postindustriell tickende bundesrepublikanische Gesellschaft derlei Mätzchen einfach so durchlaufen lassen wird, ist so wahrscheinlich wie Strandwetter im derzeitig verschneiten Dezember und wird auch bis zum September 2013 keine Massenauflauf bei der Linken generieren.

Mit Dank für deinen breit angelegte Diskussionsgrundlage und besten Grüßen vom „die da draußen“-Frontler


VON: KARL-HEINZ REINELT


Antwort zur Replik auf die Replik von Wolfgang Huste zu „Warum profitiert DIE LINKE. nicht von der Krise“  - 08-12-12 21:30
Eine Replik auf die Replik von Karl-Heinz Reinelt auf "Warum profitiert "DIE LINKE nicht von der Krise."  - 06-12-12 17:59
Warum profitiert DIE LINKE nicht von der Krise  - 02-12-12 20:58




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