Plädoyer für eine antikapitalistische Drei - Säulen - Strategie


Bildmontage: HF

05.07.11
LinksparteidebatteLinksparteidebatte, Debatte 

 

von Wolfgang Huste

Ich favorisiere eine Drei-Säulen-Strategie, die folgende "Elemente" beinhaltet:

a) eine enge und sehr bewusste Zusammenarbeit mit fortschrittlichen, linken (sozialistischen, kommunistischen, trotzkistischen, anarchistischen, mutualistischen usw.) Gruppen und Organisationen/NGO, frei nach dem Motto:
"Erst kommt die Pflicht =  die breit angelegte, tolerante (!) Bündnisarbeit, die sich aus dem selbst auferlegten Joch der Sektiererei befreit - und später, oder besser noch: parallel hierzu, "die Kür", die aus einem ebenso breit angelegten Diskurs über Inhalt und  Form einer (klassenlosen, antikapitalistisch und ökologisch ausgerichteten) Gesellschaft weit jenseits des Kapitalismus besteht und dem Fetisch "Profit- und Wachstumsmaximierung über alles!" eine klar Absage erteilt,

b) eine enge und ebenso sehr bewusste Zusammenarbeit mit (möglichst!) klassenbewussten GewerkschafterInnen und Multiplikatoren (insbesondere mit "locals"),

c) eine enge Zusammenarbeit mit einer Partei, die auf der parlamentarischen Ebene die Interessen der "Elemente" a bis c widerspiegelt, also als "Sprachrohr" und "Servicestation" fungiert (primär zugunsten der abhängig Beschäftigten, der Ökologie) und entsprechende Widersprüche innerhalb der Gesellschaft öffentlich an ausgewählten (!) Paradigmen verdeutlicht (zum Beispiel den verkürzt von mir hier dargestellten äußerst klassischen Grundwiderspruch, dass die einen immer ärmer, die anderen aber auf Kosten der Armen und der Umwelt/Natur immer reicher werden, trotz der hoch entwickelten Produktiv - bzw. Produktionsmittel, obwohl also „genug für alle!“ da ist).

Eine solche Partei sollte entsprechende Gegenmaßnahmen, in enger und sehr bewusster (!) Zusammenarbeit mit a bis c, einleiten, und zwar auf der Mikro-, als auch auf der Makroebene der politischen Bühne, aber auch gestalterisch „initiativ“ werden, also nicht nur passiv/ Reflex haft auf die jeweilige Stimmung in der Gesellschaft reagieren.

Diese Partei sollte eine originär "linke" (antikapitalistische; sozialistische/kommunistische; ökosozialistische, Basis orientierte) Programmatik aufweisen, die auch "massentauglich" ist. Obwohl DIE LINKE hier und da „auch“ widersprüchlich (janusköpfig?) agiert, bin ich davon überzeugt, dass zurzeit nur DIE LINKE als Partei die von mir hier skizzierten Prämissen transportieren und auch transformieren kann.

Wir sollten also DIE LINKE nicht destruktiv schwächen, in dem wir selbst zerstörerisch  unsere innerparteilichen Fehden in die Öffentlichkeit tragen und die Interessen der "herrschenden Eliten" bedienen, in Form von Pressemitteilungen zum Beispiel, die inhaltlich zum Ziele haben, sich dem (konservativen) Bürgertum, wenn nicht gar dem Spießertum, den "herrschenden Eliten", willfährig anzudienen.

Wir sollten da also nicht der Versuchung erliegen, zu einer "leicht" besseren SPD, mit etwas mehr karitativen „Klingelbeuteleffekten“,  zu mutieren. Mit so einem „Kurs“ würden wir gleichzeitig der Linken und den Linken ihr eigenes Totenbett schaffen. Wahlprozente sind nicht alles, sondern vielmehr die richtigen Inhalte! Unser Trost in diesem Zusammenhang: „Wer die Mehrheit besitzt, muss noch lange nicht im Besitz der Wahrheit sein!“.

Wir sollten verstärkt ein sozialistisches und damit auch antikapitalistisches Profil selbstbewusst stärken und ausbauen - jeder /jede mit seinen Möglichkeiten, egal in welcher Position! In diesem Zusammenhang lautet mein Motto: "Stärkt die Linken in der Linken!" und: "Nicht wir verlassen den Raum, sondern die anderen!". Wirken wir wie die Hefe im zähen Teig und suchen ein zentrales, nationales Thema, was bei der Majorität in einem positiven Sinne „zündet“, was die Massen ergreift. Ein solches „Zentralthema“ hat zurzeit weder die Partei DIE LINKE., noch eine andere linke, fortschrittliche Organisation, leider nicht! Wer ein solches „Zentralthema“ findet, hat politisch betrachtet schon fast „gewonnen“!

Die singuläre Parole: „Weg mit Hartz IV, Mindestlöhne her!“ spricht (selektiv!) nur einen Teil der „abhängig Beschäftigten an“; primär den Teil, der erwerbslos ist oder sich in anderen prekären Lebensverhältnissen befindet. Abstrakte „Theoreme“ wie z.B. das „Vier- in - einem“ Denkmodell von Frigga Haug sind ebenfalls nicht „massentauglich“. Was aus meiner Sicht aber sicherlich weit eher „massentauglich“ ist, ist die (wiederum) sehr bewusste Verknüpfung der sozialen mit der ökologischen Frage.

Denn hier können sich traditionell linke Bewegungen (unter anderem die Gewerkschaftsbewegung) mit dem „aufgeklärten“, progressiven Bürgertum verbinden. Insbesondere die Forderungen nach einer entschädigungslosen (!!!) „Vergesellschaftung der Grossbanken, der Schlüsselindustrien, der Pharmakonzerne und der Energieoligopole“ sind mittlerweile selbst bei „Wertekonservativen", beim „progressiven Bürgertum“, bei Jusos und einigen SPDlern, „diskussionswürdig„, zumindest das!.

Hier existiert die reale Chance, große und breit angelegte Bündnisse zu bilden. Verknüpfen wir – wiederum auf allen politischen Ebenen! – diese beiden Polit – Stränge miteinander ( die Forderung nach einem besseren Leben jenseits des Profit- und Wachstumsfetischismus; die Vergesellschaftung der Grossbanken und der Atomindustrie und die ökologische Frage, vertreten durch die Antiatomkraftbewegung).


VON: WOLFGANG HUSTE


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