"Kapitalismus vs Demokratie" - ein wichtiger linker Kongress

02.12.12
LinksparteidebatteLinksparteidebatte, NRW, Köln, SoKo, Netzwerk, TopNews 

 

Die Hochschulorganisation der Linkspartei, der sds hatte sich thematisch viel vorgenommen: Das Verhältnis von Kapitalismus und Demokratie  auszuloten.

Von Horst Hilse

800 bis 1000 meist junge und sehr junge Menschen diskutierten in ca. 80 work-shops über verschiedenste Aspekte dieser problematischen und konfliktreichen Beziehung.
Die Auftaktveranstaltung am Freitag abend mit 500-600 Besuchern gemeinsam mit der Bundestagsfraktion der Partei sowie Gästen aus Spanien, Griechenland, Portugal Italien und anderen hatte einen internationalistischen Charakter. Es war eine kämpferische eindrucksvolle Manifestation, die deutlich werden liess, wie stark und selbstbewusst die Bewegungen in anderen europäischen Ländern agieren.
Auf dem Kongress von Freitag abend, den 30. Nov. bis Sonntag mittags konnte man viel Prominenz der linken Szene begegnen, die sich auf  der Suche zu "ihren" Räumlichkeiten befanden. Gregor wuselte am Soko-Stand vorbei, Sarah suchte das Gespräch mit jungen Studies, Jutta Dittfurt wärmte sich mit heissem Kaffee, Butterwege zog leutselig Hände schüttelnd von Stand zu Ständchen und begrüßte, - wie andere auch - SAV und Sokos, Rixinger war ebenfalls mit Charmeoffensive unterwegs, wie Katharina Schwabedissen.
Trotz dieser Promiwelle wurde der Kongress keine Werbeveranstaltung der Linkspartei, sondern wenn überhaupt, eher für den sds.
Dessen Organisationskapazitäten waren teilweise deutlich überschritten. Allerdings wäre die Organisierung einer derartig großen Veranstaltung in den verwinkelten Räumen des Kölner Philosophikums der Uni, das sich zudem im Umbau befindet, auch für ein professionell arbeitendes Team eine starke Herausforderung gewesen.
In vielen work-shops war zwar keine Opposition zur Partei spürbar, aber eine deutliche oppositionelle Distanziertheit mit vielen kritischen Untertönen war nicht zu überhören.
Mehrfach wurde von den jungen Teilnehmer/innen darauf verwiesen, dass die Linke viel breiter sei, als DIE LINKE. Aber die Fragen linker Bündnispolitik oder Aktionseinheiten wurden dann doch nicht thematisiert.
Dort, wo Parteiprominenz in den Versammlungen auftauchte, wurde  von ihnen Parlamentarismus und Sozialstaat als der Weisheit letzter Schluss dargestellt.

Leider war das Zeitlimit für tiefergehende Diskussionen zu eng begrenzt und so blieb es fast ausschliesslich in den gut besuchten Veranstaltungen bei einer Benennung von Problematiken.
Ein großes Manko war das fast völlige Ausblenden der sozialen Bewegungen und ihrer Erfahrungen in Deutschland.Die sozialen Bewegungen wurden einzig durch den ein oder anderen Aktivisten von Attac und Blockupy in der Referentenliste repräsentiert. Aktive linke Gewerkschafter fehlten so gut wie völlig in der Debatte, obwohl immer wieder der Blick auf die schwierige Situation der Gewerkschaften gerichtet war.  
Obwohl das Thema des Kongresses nicht wirklich behandelt wurde, obwohl zum Schluss viele Fragen, aber kaum Antworten im Raum standen, ist der Kongress als ein erfolg zu werten:
Erstmals seit vielen Jahren fand ein eindrucksvolles großes Treffen von unterschiedlichen Linken zu einer inhaltlichen Thematik statt. Alleine diese Tatsache mit ihrer anregenden und vor Ort weiterwirkenden Ausstrahlung ist in Zeiten einer allumfassenden gesellschaftlichen Restaurationszeit ein Erfolg! Hoffen wir, dass die vielen aufgeworfenen Fragen einen Folgekongress im nächsten Jahr ermöglichen , der sich der Vertiefung und Ausweitung der Thematik annimmt...

h. hilse (Soko-Köln)    







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