Rechtsextreme Hooligans zeigen Hitlergruß und werfen Fensterscheibe ein


23.03.08
AntifaschismusAntifaschismus, Saarland 

 

Neunkirchen/Saar (sk) - In der Nacht von Freitag auf Samstag versuchten drei Jugendliche aus dem rechtsextremen Neunkircher Hooligan-Spektrum eine Schlägerei vor dem selbstverwalteten Jugend- und Kulturzentrum (Juz) zu provozieren und warfen mit Steinen eine Fensterscheibe ein.

Bereits seit mehreren Wochen kommt es bei Veranstaltungen vor dem Jugendzentrum immer wieder zu Provokationen von Neonazis und rechten Hooligans. In der Nacht vom Freitag (21. März) auf Samstag blieb es jedoch nicht bei verbalen Attacken auf Juz-BesucherInnen. Gegen 1.30 Uhr liefen drei Jugendliche im Alter von 18 bis 22 Jahren am Juz vorbei und zeigten den Hitlergruß. Als sie wenig später zurückkehrten warfen sie mit vier Steinen eine Fensterscheibe in der Front des Jugendzentrums ein und versuchten einen ehrenamtlichen Juz-Mitarbeiter anzugreifen. Noch bevor die herbeigerufene Polizei eintraf, konnten die drei Angreifer, die dem rechten Hooligan-Spektrum in Neunkirchen zuzurechnen sind, fliehen. Das Jugendzentrum hat Anzeige erstattet. Bei dem Angriff wurde glücklicherweise keine der anwesenden Personen verletzt.

Dieser Vorfall zeigt erneut deutlich, dass mit der anstehenden Schließung des rechtsextremen Bekleidungsgeschäfts "First Class Streetwear" in der Hebbelstraße das Problem rechter Gewalt nicht gelöst wird. Mittlerweile hat sich in Neunkirchen eine eigenständige rechte Hooligan-Szene entwickelt, die es immer wieder auf Jugendliche, insbesondere BesucherInnen des Jugendzentrums, abgesehen hat. "Wir müssen versuchen dieses Problem gemeinsam mit der Stadt und allen Neunkircher Bürgerinnen und Bürgern zu bewältigen", findet Andreas Schula, Vorsitzender der Juz-Vereins. "Es muss endlich Schluss sein mit den rechtsextremen Angriffen auf Neunkircher Jugendliche!"

Hintergrund

Im Juni 2007 eröffnete in der Hebbelstraße in Neunkirchen das Bekleidungsgeschäft "First-Class Streetwear", das unter anderem Kleidung einschlägig bekannter rechter Marken wie Thor Steinar, Hardcore – No Respect, Max H8 (Maximum Hate) und Erik & Sons, sowie rechtsextreme Musik und auch Waffen wie Schlagstöcke und Messer verkauft. Der Betreiber des Ladens, Torsten Staudacher, der in Neunkirchen bereits zwei Bordelle betrieb, kommt aus der rechtsextremen Hooligan-Szene in Kaiserslautern und war Mitglied der Hooligan-Gruppe "Rot-Front". Der Name des Geschäftes geht auf die Hooligan-Gruppe "First Class Limburgerhof" (http://www.first-class85.de) zurück, die eindeutig der rechtsextremen Szene zuzuordnen ist (http://www.first-class85.de/Bilder/RF/RF5.jpg). Bereits vor der Eröffnung des Geschäftes regte sich Widerstand in der Neunkircher Bevölkerung. So wurde ein "Bündnis gegen Rechts", dem u.a. auch das Jugendzentrum angehört, ins Leben gerufen und mehrere Demonstrationen gegen den Naziladen veranstaltet. Dem öffentlichen Druck nachgebend wurde vor kurzem Staudacher vom Hausbesitzer der Mietvertrag gekündigt, so dass er sein Geschäft in den nächsten Wochen schließen muss. Staudacher hat aber bereits in diversen Internetforen angekündigt einen neuen Laden im Umkreis zu eröffnen.

Unterstützt von Staudacher und seinem Geschäft als Anlaufpunkt, konnte sich in Neunkirchen eine eigenständige rechtextreme Hooligan-Szene herausbilden, deren Mitglieder im Schnitt zwischen 16 und 24 Jahren alt sind. Diese extrem gewaltbereiten Jugendlichen, die sich vor allem um die Neunkircher Hooligan-Vereinigung „Inferno" gruppieren, treten immer wieder durch Angriffe auf Neunkircher Jugendliche, insbesondere auf BesucherInnen des Jugendzentrums, in Erscheinung. Außerdem wurde eine Verleumdungskampagne gegen das Jugendzentrum gestartet, in der mittels verschiedener Flugblätter der Ruf des Juz zerstört werden sollte. Ehrenamtliche MitarbeiterInnen des Jugendzentrums wurden persönlich beleidigt und eingeschüchtert. Es gab bereits mehrere Morddrohungen, die zur Anzeige gebracht wurden. Neonazis, die mit dem First Class Streetwear und Torsten Staudacher direkt in Verbindung gebracht werden können, haben mehrfach in Neunkirchen Flugblätter mit Fotos, Namen und Adressen von Juz-BesucherInnen verteilt, um diese als vermeintliche Antifaschisten zu outen.







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