Beliebte Bullen observieren Bayer-Baustelle in Erkrath

31.03.08
TopNewsTopNews, Bewegungen, Düsseldorf 

 

Pipeline-Gegner rekonstruierten Mahnstätten


Mehr gespannte Neugierde und anhaltende Aufmerksamkeit als von den beiden sie beobachtenden Bullen konnten sich die Gegner der hochgiftigen Kohlenmonoxid-Pipeline bei ihrer "Friedhofssanierung" an der Max-Planck-Straße in Erkrath-Unterfeldhaus kaum vorstellen. Mit einer geradezu tierischen Geduld verfolgten die zwei an den Nase "gepiercten" Bullen jeden Hammerschlag auf die reparierten Holzkreuze - bis die Dauermahnwache, die von Pipeline-Befürwortern ramponiert worden war,  wieder ihr ursprüngliches Aussehen hatte.

Zum Schutz vor der Öffentlichkeit und wohl auch zum Schutz der Öffentlichkeit hielten sich die Bullen nur jenseits der anderen Straßenseite hinter einem Stacheldrahtzaun auf. Dabei wurde ihnen - im Gegensatz zu den Pipeline-Gegnern - ein Sonderstatus eingeräumt: Sie durften die Trassen-Baustelle des von Bayer beauftragten Unternehmens Rohrleitungsbau Friedrich Vorwerk betreten, obwohl es ihnen ein Schild sogar schriftlich gab: "Betreten der Baustelle verboten!" Bei einer Begegnung zeigten sich die Bullen außerordentlich einsichtig, wenn auch wenig redselig.

Wohlwollen wie von den Bullen, die der prächtigen Herde der Neandertal-Galloways der Züchterfamilie Kindel zugerechnet werden, haben die Gegner der CO-Pipeline nicht immer. So richteten sie mit Kreuzen eine  Dauermahnwache an der Stelle der Ausfallstraße nach Hochdahl ein, wo die Fahrbahn von der Pipeline getunnelt wird. Die Baustelle wurde von der zuständigen Baustellenaufsicht der Bezirksregierung Düsseldorf inspiziert und - wohl ein Zufall: Wenig später lag ein Teil der Kreuze mehr im Straßengraben. Die benachrichtigte Polizei zeigte sich zunächst nicht gewillt, den Vorfall aufzunehmen, da es angeblich keinen materiellen Schaden gegeben habe. Dabei war die Dauermahnwache von der Erkrather Stadtverwaltung, die konsequent auf der Seite der Pipelinegegner steht, ausdrücklich genehmigt worden. Die Zahl der zerstörten Holzkreuze war so groß, dass die Pipelinegegner sich entschlossen, sie aus dem Straßengraben zu holen, zu reparieren und an vielleicht sicherer Stelle wieder aufzustellen: im Blickfeld der observierenden Bullen an der Max-Planck-Straße.

Aber auch hier hatte es schon Ärger gegeben: Die Pipelinegegner hatten beobachtet, wie die Holzkreuze von "Vorwerk" entfernt wurden. Mit einer Suchschachtung im Untergrund wurde nach weiteren Pipelines gefahndet. Diese Beobachtung galt der Polizei als unerlaubte Kundgebung, wurde aber - nach vielfältigen Protesten - von der Staatsanwaltschaft als legal gewertet. Gleichwohl war auch diese "Gedenkstätte" danach lädiert: Kreuze verloren ihre Querbalken, lagen ganz am Boden, Blumen verschwanden...

Regierungspräsident Jürgen Büssow (SPD) und  NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hoffen mit Bayer-Chef Werner Wennig, dass das tödliche Gas doch noch von Dormagen nach Krefeld-Uerdingen gepresst werden kann, denn diese Politiker stehen wie ihre Fraktionen fest an der Seite des Konzerns. Am 16. Juni gibt es den ersten Termin zur mündlichen Hauptverhandlung vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf. Neun Klagen gegen Bayer liegen vor. Büssow und Bayer aber wollen nachweisen, dass das Konzerninteresse identisch ist mit dem Allgemeinwohl, dass Giftgas in Pipelines  zum Vorteil aller Bürger gereicht.
Gerri Kuss







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