Offener Brief an Peter Weinfurth und seine Anhänger


Bildmontage: HF

17.11.07
TopNewsTopNews, Debatte 

 

Stellungnahme zur augenblicklich vorherrschenden Kontroverse  im NLO (Netzwerk Linke Opposition)

Von Charlotte Ullmann

Lieber Peter und die anderen,

wir (Edith, Joga, ich und viele andere im NLO) unterscheiden uns von Dir, Martin, Augusto u.a. nicht im Ziel (eine sozialistische Gesellschaft jenseits des Kapitalismus), eher vielleicht auf dem Weg dahin. Wobei Du uns "Reformismus" unterstellst, wenn wir, wie bei den Vollversammlungen des NLO ursprünglich in Kassel und Felsberg beschlossen, darum bemüht sind, alle wirklich antikapitalistischen Kräfte und solche, die auf dem Weg dahin sind, in unser Boot zu holen. Schließlich wollen wir zu einer Bewegung werden und nicht zu einem Sektiererklüngel.
Ausserdem:  Wenn in einer Zeitung, zumal in einer linken, auch mal Gegenpositionen zu Wort kommen dürfen - dann zeugt das von Offenheit und Toleranz und belebt die Diskussion. Das heißt aber nicht, diese Zeitung sei etwa "reformistisch" oder gar "rechts", nur weil auch kontrovers diskutiert wird. Die Gegenvariante, so wie Du sie propagierst, mündet in Denkdiktatur, die fernab vom Pluralismus einer sich demokratisch nennenden Vereinigung oder Zeitung liegt. Eine solche Einstellung beweist auch die Stoßrichtung Eures Vorgehens:  Alle von vorneherein auszuschließen, die einerseits eine sozialistische Demokratie zum Ziel haben, die zum anderen aber auch, im Unterschied zu Euch, den Weg dahin demokratisch (und pluralistisch) gestalten möchten. Denn auf undemokratischem Wege läßt sich Demokratie nie erreichen, schon gar keine sozialistische. Sozialismus ist m.E.  per se demokratisch. Und zwar basisdemokratisch. Auch nicht zentralistisch!  Alles andere liefe in die Falle eines Stalinismus. Ebenso die Rätedemokratie, wenn sie in ihrer ursprünglichen Form (die ich sehr begrüße, die jedoch m.E. defizitär angelegt ist) umgesetzt wird.  Sie müsste in meinen Augen eine  Modifikation dahingehend erfahren,  als dass die  an der regionalen Basis gewählten Räte, die  jederzeit von unten abgewählt werden können, an der Spitze jedoch gleichfalls ein Gegengewicht erfahren (Gewaltenteilung), insoferne auch auf gleicher Ebene kontrollierbar wären.  Denn die  Geschichte hat es uns gelehrt:  Einmal an die Spitze gekommen mit allen Macht- und Geldressourcen ist es einem Amtsträger ein Leichtes, der Basis Sand in die Augen zu streuen (z.B. mithilfe von Kommunikationsmitteln), nur um wieder gewählt zu werden.

Charlotte Ullmann aus Frankfurt am Main am 14.11.07

 

 


VON: CHARLOTTE ULLMANN






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