Sinti und Roma gegen diskriminierenden ARD-Tatort "Brandmal"


Romani Rose

02.10.08
TopNewsTopNews, Kultur, Antifaschismus 

 

Heidelberg (sg) - Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, appellierte an WDR-Intendantin Monika Piel, auf die geplante Sendung des Kölner Tatort-Films "Brandmal" am 19. Oktober 2008 in der ARD zu verzichten.

"Ich halte den Film für gefährlich, weil dort die Stigmata und negativen Klischees über die Roma- und Sinti-Minderheit bestätigt werden, für die es nach dem Holocaust und der Nazipropaganda - ähnlich wie gegenüber den Juden - immer noch einen besonders fruchtbaren Boden in unserer Gesellschaft gibt", schrieb Rose an den WDR.

In dem Drehbuch, gegen dessen Verfilmung der Zentralrat schon im November 2007 protestiert hatte, werden Bürgerkriegsflüchtlinge der Roma aus dem Kosovo dargestellt, die ihre Kinder zu Taschendiebstählen zwingen. Dabei wird die ganze Palette an diskriminierenden Stereotypen über Roma aufgeführt, wie Kriminalität, Grausamkeit, Schmutz, Verwahrlosung, Primitivität oder Ausnutzung des Wohlfahrtsstaats.

"Gerade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte existiert eine politische und moralische Verantwortung für den Schutz unserer vom Rassismus extrem bedrohten Minderheit, der auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen gerecht werden muss", verlangte der Zentralratsvorsitzende. Man müsse den Machern des Films und ihren Unterstützern keine Böswilligkeit unterstellen. Das gelte insbesondere für die Kölner Schule - Amaro Kher-, die sich um gefährdete Kinder kümmere. Dennoch bestehe in erheblichem Maße die Gefahr, dass Hass und Ablehnung gegenüber den Sinti und Roma geschürt werden, erklärte Rose. Das Drehbuch erinnere in vielem an das Fassbinder-Stück "Die Stadt, der Müll, und der Tod" aus den 1980er Jahren, in dem schlimme antisemitische Klischees und Stereotype reproduziert wurden, weshalb es damals aufgrund des Protests jüdischer Organisationen völlig zurecht nicht zu einer Aufführung kam, so der Zentralratsvorsitzende.







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