Thor Steinar Laden Hamburg aktuell...


Polizeieinsatz vor der HSH-Ladenpassage, Bild: indymedia

17.10.08
TopNewsTopNews, Antifaschismus, Hamburg 

 

Gemeinsam den Naziladen in der Hamburger Innenstadt still legen!

Am letzten Donnerstag im September eröffnete in der HSH-Nordbank-Shoppingpassage "Brevik". Was unauffällig wie ein neues Knäckebrot oder die Wortschöpfung eines skandinavischen Möbelhauses daher kommt, ist tatsächlich eine weitere Filiale der bei Neonazis und Rassisten aller Couleur begehrten Bekleidungsmarke "Thor Steinar" inmitten der Hamburger Innenstadt.

In gerade einmal sechs Jahren haben sich deren hochpreisige Jacken, Pullover und Shirts zu einem beliebten Wiedererkennungszeichen deutscher Neonazis gemausert. Allein der Name spricht Bände - verbindet er die Assoziation auf den SS-General Felix Steiner mit Bezügen zu nordischer Mythologie und völkischer NS-Symbolik. Zudem weiß der Brandenburger Verfassungsschutz, dass der Geschäftsführer aller sechs Thor Steinar Filialen, Uwe Meusel, "Rechtsextremisten in seiner Firma beschäftigt". Und das Geschäft mit dem rechten Lebensstil läuft gut: Thor Steinar beschert seiner Vertriebsfirma Protex einen Jahresumsatz von mehreren Millionen Euro.

Kampagne: "Ladenschluss"

Gegen das Geschäft mit dem Nazichic protestieren seit dem Tag der Eröffnung täglich manchmal hundert-, manchmal aber auch nur ein dutzend Antifaschistinnen und Antifaschisten. Und der Protest von "Anbeginn an" ist wichtig! Denn von ähnlichen Auseinandersetzungen in Berlin, Magdeburg, Leipzig und Dresden wissen wir, dass Kündigungsklagen zwar aussichtsreich sind, sich durch den Instanzenweg aber lange hinziehen. So wollen wir nicht einfach zuschauen und warten, wie sich inmitten der Hamburger Innenstadt ein Anlaufpunkt für Neonazis etabliert. Zusammen mit den angrenzenden Gewerbetreibenden in der Passage wollen wir über die Machenschaften von Thor Steinar aufklären und politischen Druck bis zur Schließung der Naziboutique entfalten! In diesem Sinne ruft das Hamburger Bündnis gegen Rechts (HBgR) zunächst bis Anfang November zur Beteiligung an den von uns angemeldeten Kundgebungen vor dem Eingang zur Shoppingpassage auf. Am 1. November bündelt sich unser Protest in einer großen, zentralen Demonstration durch die Hamburger City.

Brevik ist mies, aber nicht ,brege'

Die Hausverwaltung der HSH - Nordbank AG ließ sich offensichtlich vom Geschäftsführer des Thor-Steinar-Vertriebes hinters Licht führen. Gleich für fünf Jahre vermietete die bankeigene Hausverwaltung den gut platzierten Laden. Pikanter Weise werden in der Passage jetzt Klamotten verkauft, die zu tragen in der von der HSH-Nordbank gesponserten Volkspark-Arena laut Stadionordnung verboten sind. Zu Recht sieht sich der Vermieter "arglistig getäuscht" und will den Mieter ohne Ablösezahlungen kündigen. Das ist zu begrüßen, zumal Meusel ein gewiefter Geschäftemacher ist. Im Streit um die Kündigungsklage einer seiner "Thor-Steinar"-Filialen in Berlin fordert sein Anwalt eine halbe Million für den sofortigen Auszug, um an der nächsten Straßenecke dann eine neue Filiale aufzumachen.

"Nazikleidung stinkt"?!

In Magdeburg, wo im Sommer 2007 ein Laden startete, kam es gleich am Eröffnungstag zu einer fristlosen Kündigung, die in erster Instanz Bestand hat. Das Magdeburger Landgericht vertrat die Auffassung; dass die Marke "Thor Steinar" eine Art "geistige Umweltverschmutzung" darstelle. Es billigte der Inhaberin einer anderen Boutique auch Mietminderung zu. Begründung: Die Nachbarschaft des "Thor-Steinar"-Geschäftes strahle "geistige Emissionsbeeinträchtigungen" aus. Ihre Miete müsse um zehn Prozent gesenkt werden - ähnlich wie bei Gestank. Das Verfahren geht derzeit durch den gerichtlichen Instanzenweg. Aufmerksam registrieren wir dieses Urteil in Berlin, Leipzig, Dresden und Hamburg - dort hat Meusel ebenfalls Ladengeschäfte in besten Innenstadtlagen angemietet. Dagegen macht die bundesweite Bündniskampagne "Ladenschluss" mobil!

Schöner leben ohne Naziläden In Hamburg gab es bereits mehrere Versuche, Naziläden zu etablieren, zuletzt im Sommer 2007 "Unbreakable Streetware" an der Bürgerweide in Borgfelde. Die Kündigung erreichte den Betreiber, nachdem Neonazis den Geburtstag von Adolf Hitler mit Hakenkreuztorte feierten - 2006 musste derselbe Ladenbesitzer sein Geschäft "Odin und Freya" in St. Pauli nach lang anhaltenden Protesten und einer Sammelbeschwerde der AnwohnerInnen räumen. Auch der Naziladen "Nordic Thunder" am Lokstedter Steindamm sowie der Bekleidungsladen "Stavanger" in der Alsenstraße gab bereits vor Jahren auf. Anders als die genannten Läden will sich Meusel allerdings nicht in Seitenstraßen und Vororten verstecken, sondern seine Marken in Hamburgs bester Verkaufslage präsentieren. Wir aber werden gemeinsam dafür sorgen, dass es dem Markenführer in Sachen Naziklamotten nicht anders ergeht als seinen schmuddeligen Vorläufern. Als ein gutes Zeichen werten wir, dass die Filliale am zweiten Wochenende nach der Eröffnung, am 4. Oktober, nach vorausgegangenen Protesten auf Anweisung des HSH-Nordbank-Facilitiy-Managements vorzeitig geschlossen wurde.

Für Zivilcourage & einen langen Atem

Nicht nur Antifaschisten sondern auch die Ladenbesitzer sind fassungslos. Dass Sicherheitsdienste Hand in Hand mit der Polizei nach ihrer Auffassung "links" oder irgendwie "alternativ" Aussehende aus der Passage vertreiben, während die rechte Kundschaft in den Naziladen hinein eskortiert wird, ist in keiner Weise hinzunehmen. Bereits am Tag der Eröffnung kam es unserer Erkenntnis nach zu mindestens 29 Platzverweisen, einem faktischen Innenstadtverbot gegen protestierende Menschen. Wir erwarten von der HSH-Nordbank, gemäß ihren Verlautbarungen den Naziladen zu kündigen und die anderen Geschäfte und deren Kunden zu schützen!

In diesem Sinn ruft das Hamburger Bündnis gegen Rechts auf:

* zu den täglich angemeldeten Versammlungen: "Schöner leben ohne Naziläden" (montags-freitags ab 17.00 Uhr) & unseren Kundgebungen (samstags ab 13.00 Uhr) vor der HSH Shopping Passage (Spitalerstraße/Mönckebrunnen)

* sowie zur Demonstration "Ladenschluss für Thor Steinar -Schöner Leben ohne Naziläden!" am 1. November in der Innenstadt: 12.00 Uhr Dammtor

Quelle: http://de.indymedia.org/2008/10/229630.shtml







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