Hamburg: Ladenschluss für "Thor Steinar"


13.10.08
TopNewsTopNews, Antifaschismus, Hamburg 

 

Von "Kein Platz für Nazis!"

Am 25.09.08 eröffnete die Nazimarke "Thor Steinar" einen Laden in der Hamburger Innenstadt, der täglich von antifaschistischen Protesten begleitet wurde.

Vorab die Erfolgsmeldung: Aufgrund der vielfältigen Proteste muss "Thor Steinar" (genauer: die Firma "Protex") die HSH Nordbank Passage in Hamburg zum 31.10.2008 verlassen. Ein Hintergrundbericht.
Worum geht's:
Am 25.09. eröffnete in der hamburger HSH Shopping Passage ein Bekleidungsgeschäft der Marke "Thor Steinar", welches Sport- und Outdoorbekleidung vertreibt, die besonders bei Neonazis hoch im Kurs steht. Die Kleidung ist für "Außenstehende" politisch unauffällig, sportlich und hoch qualitativ, sie arbeitet aber mit Symbolen, die für Neonazis zu einem beliebten Wiedererkennungszeichen wurden und eindeutig menschenverachtende Botschaften vermitteln. In den Schriften, Symboliken und Farbkombinationen auf den Motiven geht es vor allem um die Verherrlichung von (deutscher) Kolonialisierung, nordischer Mythologie, Gewalt, 2. Weltkrieg und nationalsozialistischer Herrschaft. Da geht es um Motive mit einem Maschinengewehr, die "Kontaktfreudig" oder "Hausbesuche" heißen, Da wird das Logo schnell mal von dem Zeichen der Waffen-SS abgekupfert und verfremdet, da wird die "Viking Division" ins Spiel gebracht, die u.a. am Überfall auf die Sowjetunion beteiligt war.

Rechter Lifestyle scheint in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein. So wünscht es sich scheinbar der Geschäftsführer Uwe Meusel, der auf die Anfrage zu seiner eigenen Haltung zum Rechtsextremismus nur: "Ich muss mich hier nirgendwo distanzieren" äußerte. Dem ehemaligen Mitbegründer der Firma, Axel Kopelke, werden Kontakte zur Szene der extremen Rechten nachgesagt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Nazigeschäfte auch immer Neonazitreffpunkte werden, z.B. 2007 in einem Naziladen in Borgfelde, wo Neonazis Hitlers Geburtstag mit einer "Hakenkreuztorte" feierten. Auch dieser Laden musste schließen.

Es gibt also genug Gründe, Ladenschluss für "Thor Steinar" zu fordern.

Ein Blick bei "Google" hätte die Hausverwaltung der HSH Nordbank darüber aufklären können, wen sie sich denn da mit einem 5-Jahres-Vertrag in die Passage holt, zumal in der von der HSH Bank gesponserten Volkspark-Arena dass Tragen von "Thor Steinar" Kleidung verboten ist. Pech für eine Bank, deren Image durch die Finanzkrise schon vorher im Wanken war. Öffentlich hat die HSH Bank daher schnell bekundet, dass sie alles tun werde, um den Mietvertrag schnellstens zu lösen, aber ohne eine Prämie zu zahlen.

Seit der Eröffnung protestierten täglich - vor allem junge Menschen - vor und in der Passage. Dieser Protest wird durch die Polizei jedoch durch Platzverweise und Gesichtskontrolle stark behindert. Hier stellt sich wieder einmal die Frage, was denn "Zivilcourage gegen Rechts" heißen soll, wenn schon beginnender Protest stark reglementiert wird. Es wurde außerdem ein Antifaschist in der Innenstadt festgenommen, angeblich wg. "schweren Raubs". Er blieb über Nacht im Knast und wurde dem Haftrichter vorgeführt. Diese Form der Kriminalisierung können wir nicht hinnehmen.

Das Hamburger Bündnis gegen Rechts hatte beschlossen, tägliche Kundgebungen vor der HSH Nordbank Passage abzuhalten, wochentags ab 17 Uhr und Samstags ab 13 Uhr.

Am 10.10. nun das erfreuliche Ergebnis. "Thor Steinar" muss raus zum 31.10. Das Vertragsverhältnis wird aufgehoben, aufgrund der "präkeren Sicherheitslage" in der Umgebung des Ladengeschäftes liest man in der Pressemitteilung der HSH Nordbank. Eine Auszugsprämie soll nicht gezahlt worden sein.

Mittlerweile wird gemunkelt, dass es doch zu Zahlungen gekommen ist. Die Hamburger Morgenpost spricht von 800.000 Euro. Würde sich dieser Verdacht erhärten, wäre das ein erneuter Skandal. Da die HSH-Bank die Hamburger Landesbank ist, würde dies heißen, dass der CDU/GAL-Senat indirekt Neofaschisten aus Steuereinnahmen finanziert, um in der Innenstadt Ruhe einkehren zu lassen. Die LINKE wird daher in der Bürgerschaft versuchen, mit ihren Mitteln der Sache auf den Grund zu gehen.

Die Kundgebungen werden bis zum Auszug von "Thor Steinar" aufrechterhalten. Das Hamburger Bündnis gegen Rechts hält es für wichtig, nach wie vor täglich vor Ort zu sein, über Thor Steinar aufzuklären und auf diesen Skandal aufmerksam zu machen. Wir halten es auch für wichtig, den jungen Antifaschisten durch angemeldete Versammlungen einen Rechtsraum zu geben. Das Interesse bei den Kundgebungen unter den PassantInnen ist sehr groß.

Aber eins zeigt das Ganze: Nur durch den gemeinsamen Protest konnte es gelingen, den Preis für die HSH Nordbank so hochzuhalten, dass sie gezwungen waren, schnellstens zu handeln. Gemeinsamer Widerstand lohnt sich also immer!

Natürlich hat unser Erfolg auch eine Kehrseite. Wenn es uns nur möglich ist, durch Druck den Vermieter zu veranlassen, das Mietverhältnis mit Naziläden über eine hohe Ablösesumme zu erreichen, kann dies natürlich auch als Taktik von der Fa. Protex und wie die Naziläden alle heißen, benutzt werden. Wir hätten hier also ein ähnliches Problem, wie bei den Immobilienkäufen von Rieger.

Trotz alledem: Wir haben es gut gemacht und richtig und sagen "Tschüss Thor Steinar"

Wer mehr über die Hamburger Auseinandersetzung wissen möchte, hier die Internetpräsenz des Hamburger Bündnisses gegen Rechts: www.keine-stimme-den-nazis.org

Quelle: www.de.indymedia.org

 







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