Im Saarland verliert die SPD jeden Boden unter den Füßen

27.03.08
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Sozis laut Umfrage nur noch bei 16 Prozent

Von Claude Michael Jung

„Wo bitte geht's nach unten"? Eine Frage, die sich die Sozialdemokraten derzeit im Saarland erst gar nicht mehr zu stellen brauchen. Es geht rasant in den Keller. Wie die jüngste Umfrage des Meinungsforschungsinstitusts Forsa im Auftrag des Magazins "Stern" und des Privatsenders RTL ergeben hat, schaffen es die Sozialdemokraten an der Saar mal eben noch auf 16 Prozent in der Wählergunst. Forsa-Chef Güllner sagte gegenüber dem Saarländischen Rundfunk (SR), eine Fehlertoleranz von plus/minus drei Prozentpunkten sei möglich. Nach dieser Umfrage könnte DIE LINKE.Saar derzeit 29 Prozent erreichen. Als Grund hierfür ermittelten die Meinungsforscher den "Lafontaine-Faktor".

Allerdings ist es nicht alleine der "Lafontaine-Faktor", der den Sozialdemokraten den Sturzflug beschert. Es sind unter anderem der „Hartz Faktor", der „Kurt Beck Faktor", sowie der „Ypsilanti Delitanti Faktor". Jetzt steht auch der einstige rheinland pfälzische SPD Sozialminister Florian Gerster im Verdacht, als derzeitiger Präsident des Arbeitgeberverbandes Neue Brief- und Zustelldienste, mit der, als Arbeitgebergewerkschaft in Verruf geratenen, Gewerkschaft der Neuen Brief- und Zustelldienste (GNBZ), die gegen Mindestlöhne kämpft, gekungelt zu haben. Die Gewerkschaft Verdi fordert Gersters Rücktritt, weil Gerster für die Unterstützung der Verdi-Konkurrenzgewerkschaft aus dem Arbeitgeberlager verantwortlich sei.

Samt sonders haben sich die, vollmundig von der SPD in vielen Jahren goutierten „Reformen", für die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land nicht als Festtagsbraten herausgestellt, sonders als ungenießbares Gammelfleisch. Die Menschen, immer noch offiziell, zu gegebenem Anlass, als Souverain der Republik hofiert, fühlen sich zu recht von der SPD belogen und betrogen.

Die SPD, einstige Partei der Arbeitnehmerrechte und Garant sozialer Gerechtigkeit, hat diesen Bonus längst über Bord geworfen. Sie ist zur devoten Hure des Großkapitals verkommen. Sie steht für den größten Sozialraub seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland, für Massenverelendung, für die dramatische Steigerung der Selbstmordrate, für Armut von der Geburt bis ins Alter. Der Weg von der Sozialdemokratie hin zur Sozialdemokratur ist verantwortlich für den Absturz der SPD ins Bodenlose.

Noch spricht die Saar SPD als Reaktion auf die aktuelle Umfrage von einem "verfrühten Aprilscherz" der Meinungsforscher. Generalsekretär Reinhold Jost hofft, seine Saar SPD werde sich bald von der galoppierenden Schwindsucht erholen. Noch hat Jost allerdings keinen Plan, wie er seinen Parteichef Heiko Maas unter dem Schreibtisch des CDU Ministerpräsidenten Peter Müller hervorlocken will, wo Maas die letzten acht Jahre als Fußabtreter seiner Saarmajestät zugebracht hat, anstatt oppositionelles Profil und Biss zu zeigen.

Von einem "verfrühten Aprilscherz" kann bei der Forsa-Umfrage jedoch keine Rede sein, eher von einer verfrühten Weihnachtsbescherung der Wählerinnen und Wähler an die Saar SPD. Der, von den Meinungsforschern ins Feld geführte "Lafontaine-Faktor" beschleunigt allerdings noch den, von der SPD selbst zu verantwortenden Absturz.

Mit Oskar Lafontaine an der Spitze war die saarländische SPD eine politische Großmacht im Land. Die Leitinvestitionen haben sich ausgezahlt und die Menschen im Land erkennen, dass diese Regierung Lafontaine eine Erfolgsgeschichte war, von der das Saarland noch heute profitiert. Niemand im Land traut der heutigen SPD unter ihrem Vorsitzenden Heiko Maas jedoch zu, daran anknüpfen zu können. Auch darin liegt das Dilemma der Saar SPD heute.

Wenn der SPD Generalsekretär an der Saar glaubt, seine Partei werde sich rasch erholen, so glaubt er an Wunder. Diese Wunder soll es ja bekanntlich auch geben. Zumeist ereignen sie sich jedoch im Fußball und nicht in der Politik. Lassen wir also Reinhold Jost, den wundergläubigen Generalsekretär der Saar SPD weiter fest an ein Wunder glauben. Aberglaube soll ja auch eine Form des Glaubens sein.

Au, den 27. März 2008







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