Die "Nouvelle Droite"- antirassistisch?


"Pro Köln" versteht sich als Teil der "Nouvelle Droite"

07.03.08
TopNewsTopNews, Internationales, Antifaschismus 

 

Von Michael Schreiner

Als aktive AntifaschistInnen sehen wir uns nicht nur mit neonazistischen Umtrieben auf der einen und mit rassistischer Politik des Staates auf der anderen Seite konfrontiert. Die den eigenen Rassismus verschleiernden Ideen der "Nouvelle Droite" waren und sind wichtiger Einfluss von "intellektuellen" rechten Kreisen in Deutschland und ganz Europa. Vor allem die "Vordenker" der momentan aktiv werdenden rassistischen "pro"-Gruppen kommen teilweise aus dem sogenannten "neurechten" Spektrum, wie etwa der "pro Köln"-Initiator Manfred Rouhs, der als ehemaliger JN- und DLVH-Funktionär in seinem Magazin "Europa Vorn" (heute "Nation 24") gern auf die Ideen der "neurechten Thinktanks" verwies. Einer von mehreren Gründen, sich mit den Ideen der Neuen Rechten auseinanderzusetzen.

Immer mal wieder wird von "intellektuellen Neurechten" der antirassistische Grundkonsens der sogenannten Nouvelle Droite (zu deutsch: Neue Rechte) behauptet. Zur Nouvelle Droite findet sich näheres hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Nouvelle_Droite . Vor allem beziehen sich jene, die das behaupten, auf den "Vordenker" der ND, Alain de Benoist, der sich des Öfteren "gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit" ausspricht. Sein Argumentationsmuster (und das seiner AnhängerInnen in vielen europäischen Ländern) bedarf einer näheren Betrachtung, um aufzuzeigen, worum es wirklich geht.

Ich habe einiges von de Benoist (der sich bezüglich einer "Kulturrevolution von rechts" auch mal gern auf den italienischen Kommunisten Antonio Gramsci bezieht) gelesen, und immer wieder heisst es: Wider den Rassismus!. Wir müssen aber gründlich lesen, was Monsieur de Benoist so schreibt, um zu einer Bewertung dessen zu kommen.

Er beschreibt sich als "Antirassist", die Nouvelle Droite als "antirassistischen Thinktank". Hier stellt er zwei Antirassismen einander gegenüber: den "universalistischen" und den "differentialistischen". Ersterer soll angeblich derjenige sein, der von "Linken und Liberalen" gepredigt wird. Dieser bedrohe die "kollektiven Identitäten", da er ihre Einzigartigkeit zugunsten einer "abstrakten Weltgesellschaft" negiere.

Zweiterer soll laut Benoist der "echte" Antirassismus sein, da er von der "Vielfalt der Völker und Kulturen" ausgehe. Das ist dem sogenannten Ethnopluralismus entnommen. Und genau jener ist es, der tatsächlichen Rassismus verschleiert, nicht etwa bekämpft. Es wird, zugegeben auf höherem Niveau als bei der klassischen Rechten, ausgehend von der angeblich vorhandenen kollektiven Identität (näher ausgeführt und erläutert wird diese allerdings nicht) die Wichtigkeit des Nationalen erklärt. Das impliziert freilich schon eine ablehnende Haltung gegenüber der Migration, letztlich gegenüber den MigrantInnen selbst. Gut- Benoist erklärte in Aufstand der Kulturen, dass "Einwanderung unsere kollektive Identität nicht (bedrohe)" und ergiesst sich stattdessen in Tiraden gegen den US-Kulturimperialismus. Dem solle ein Bündnis "aller starken kollektiven Identitäten" entgegengestellt werden. Um dieses zu erreichen, wird dann allerdings gegen den Multikulturalismus als "Ausgeburt des Liberalismus" gewettert.

Weiterhin, und das ist der Knackpunkt, müssen wir hinterfragen, warum diese angeblich "antirassistische" Gruppe um Benoist so hervorragende Kontakte zur -durchaus rassistischen- Ultrarechten in vielen Ländern unterhält. Der Zweck (die Identität) heiligt die Mittel und die BündnispartnerInnen? Oder wie?

Wir sollten uns nichts vormachen. Auch die Nouvelle Droite vertritt letztlich klassisch rassistische Denkschemata, eine verkürzte Kritik der Globalisierung, ein "Wertekanon"-Reloaded und ist damit alles andere als emanzipatorisch und revolutionär. Sie ist Teil der alten Gesellschaft, voll mit ihrem Rassismus, ihrer völkischen Grundhaltung, ihrem Sexismus und ihrer Individualismusfeindlichkeit.

Dem kann nur folgen: Rassismus bekämpfen! Unter welchem Deckmäntelchen er auch immer daherkommen mag. Das schliesst nicht nur die Old School Racists der offen neonazistisch agitierenden Gruppen ein, sondern auch diejenigen, die verschleiernd vom "Wert der Vielfalt" sprechen und diesen als Grundlage für ihre Bekämpfung der Migration missbrauchen. Und auch jene, die rassistische Politik betreiben, um -angeblich- "Recht und Ordnung" zu schützen. Diese Menschen finden wir in verantwortlichen Positionen- sie regieren "unser" Land.

 

Michael Schreiner







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