Von Reinhold Schramm
Die Zahl der Arbeiter und Angestellten, die in Vollzeit oder in Teilzeit arbeiten und zur Sicherung des Existenzminimums zusätzlich "Hartz IV" beziehen, steigt seit Jahren an. Wilhelm Adamy, Arbeitsmarktexperte des DGB, hat festgestellt (?!): Nach seinen Berechnungen wuchs von September 2005 bis Ende 2007 die Zahl der so genannten "Aufstocker" mit einem Bruttolohn von 400 bis 800 Euro um mehr als 50 Prozent und die "Aufstocker" mit einem 'Einkommen' über 800 Euro um (fast) 40 Prozent.
Adamy (DGB), laut T-Online, gegenüber der "SZ": 'Eigentlich hätte es weniger Aufstocker geben müssen, da die Wirtschaft zu dieser Zeit floriert hat'. Und: 'Das Gegenteil sei aber der Fall'.
Laut der "Bundesagentur für Arbeit (BA)" sei die Zahl der "Aufstocker", mit einem Arbeitseinkommen von 800 Euro brutto, von Januar bis Juli 2008 von 369.597 auf 384.467 Personen gestiegen. Die Zahl der "Aufstocker", mit einem 'Bruttoverdienst' zwischen 400 und 800 Euro, legte in diesem Zeitraum um ca. 12.000 auf (offiziell) 243.550 Personen zu. Laut Adamy: 'Obwohl die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger um ein Fünftel gesunken sei, habe sich die Zahl der "Ausstocker" 'auffallend' (?!) vergrößert. Bezugspunkt seiner Auswertung sei eine 'Sonderuntersuchung' für September 2005.
Adamys Feststellung: 'Die nicht existenzsichernde Arbeit habe zugenommen'. Nicht nur Adamys Erkenntnis: Für die Opfer sei es "demoralisierend, wenn sie voll arbeiten, mit ihren Beiträgen zur Finanzierung des Sozialstaats beitragen und trotzdem auf staatliche Leistungen angewiesen sind".
Richtig wäre auch die Feststellung durch den DGB: Das die abhängige Lohnarbeit den Staatshaushalt finanziert und nicht die private Verfügungsgewalt über die Lohnarbeit - der werktätigen Frauen und Männer, über die Mehrheit der Bevölkerung. - Das über die Wertschöpfung der Lohnarbeit auch die Bürgschaften und Entlastungsgeschenke für die Banken und Spekulanten in der bestehenden kapitalistischen Gesellschaftsordnung (mit-) finanziert werden!
Die DGB-Feststellung: 'Insgesamt habe die staatliche Zuzahlung zu einer Ausweitung des Billig-Lohnsektors geführt. Dabei seien offenbar immer mehr Arbeitslose bereit, zu insgesamt schlechteren Bedingungen eine Arbeit anzunehmen. Dies missbrauchen viele Unternehmen und stellten verstärkt Billig-Jobber ein'. - Es fehlt die objektive Feststellung: Auch der Staat, auch mit seiner Sozialgesetzgebung und seiner Arbeits- und Job-Agentur, beteiligt sich als Zutreiber ('Zuhälter') im Kapitalinteresse, auch mit dem Mittel der Sanktion u.a.m, in die Unterbezahlung, Ausdehnung der Arbeitszeit, Zwangsverminderung der Sozial- und Rentenansprüche, flächendeckend!
Nach dem Bericht waren im Juli 2008 ca. 1,35 Millionen Menschen auf ergänzendes Arbeitslosengeld II angewiesen. Darunter 628.000 "Aufstocker" mit Vollzeit- oder Teilzeitarbeit und ca. 724.000 Hartz-IV-Empfänger, die mit "Minijobs" ihr Einkommen und ihr soziales Überleben sichern müssen.
Quelle: dpa, AP, t-online.de - am 04.12.2008.