Abschied von Harold Pinter

26.12.08
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Die Rede anlässlich seines Literatur-Nobelpreises nutzte er zur Abrechnung mit der Kriegspolitik von Bush und Blair

ebs. Der britische Regisseur und Schriftsteller Harold Pinter ist am 24.12.08 im Alter von 78 Jahren an Kehlkopfkrebs gestorben. Für sein Werk, das im Absurden Theater seinen Ausgang nahm war er vielfach ausgezeichnet worden. 2005 erhielt er für sein Werk den Literatur-Nobelpreis.
Harold Pinter wuchs als Sohn armer jüdischer Eltern im proletarisch geprägten Londoner East End auf. Als junger Mann veröffentlichte er Poesie und spielte am Theater. Sein erstes Theaterstück The Room ("Das Zimmer") schrieb er 1957. Seinen Durchbruch schaffte er mit dem Stück The Caretaker ("Der Hausmeister"), das 1960 uraufgeführt wurde.
Umstritten ist, ob die Undeutlichkeit und Undurchschaubarkeit der Welt in Pinters Theatertexten schon Grund genug ist, die Werke dieses Autors dem sogenannten absurden Theater zuzurechnen. Zumindest ließe sich einwenden, dass absurd nicht die Stücke sind, sondern die Umstände, in denen die Figuren leben. Gerade die berühmten früheren Arbeiten Pinters sind gesättigt mit Realität, geben Einblick in ärmliche, geradezu rudimentäre Existenzverhältnisse.
Erst in fortgeschrittenem Alter wurde Harold Pinter offen politisch. 1985 reiste er mit dem amerikanischen Dramatiker Arthur Miller in die Türkei, wo sie Opfer der politischen Unterdrückung trafen. Pinters Erfahrung mit der Unterdrückung der kurdischen Sprache inspirierten ihn zu seinem Theaterstück von 1988, Mountain Language ("Berg-Sprache"). Seine öffentliche Verteidigung des jugoslawischen Präsidenten Slobodan Miloševic, der vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag des Völkermords und des Verbrechens gegen die Menschlichkeit angeklagt war, sorgte für internationale Kritik.
Pinter, der sich auch in Kampagnen gegen den Irakkrieg engagierte, nutzte die Rede mit der er 2005 den Nobelpreis annahm zu einer weltweit wahrgenommenen Abrechnung mit der Kriegspolitik von Bush und Blair. "Für Bush und Blair ist der Tod eine Lappalie", sagte er und forderte, die beiden Politiker vor den Internationalen Gerichtshof zu stellen.

Die Invasion des Irak sei "ein Banditenakt und Staatsterrorismus"
gewesen, der Tod von mindestens 100.000 Irakern für Bush und Blair eine
"bedeutungslose Lappalie". In Rede - wegen seiner schon damals schweren Erkrankung wurde sie in London auf Video aufgenommen - warf er den USA vor, "jede rechte Militärdiktatur nach dem Zweiten Weltkrieg" unterstützt zu haben. Das "erbärmliche Großbritannien" sei diesen "systematischen Verbrechen" wie "ein blökendes Lämmchen" gefolgt. "Die Verbrechen der USA waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig." die Vereinigten Staaten hätten zahlreiche Länder durch eine Strategie der "asymmetrischen Kriegführung" ("Low Intensity Conflict") unterjocht. Auch dabei seien tausende von Menschen gestorben, aber nicht auf einen Schlag wie mit einer Bombe. "Es bedeutet, daß man das Herz des Landes infiziert, daß man eine bösartige Wucherung in Gang setzt und zuschaut, wie der Faulbrand erblüht", meinte Pinter.

Pinter wurde mit dieser Rede seinem Leben und Werk voll gerecht. Die Schwedische Akademie hatte ihre Entscheidung ihm den Literatur-Nobelpreis zuzuerkennen damit begründet, dass er "in seinen Dramen den Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz freigelegt hat und in den geschlossenen Raum der Unterdrückung eingebrochen ist".







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