Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz: "Klimaschützer" verstrahlen die Umwelt


05.05.08
TopNewsTopNews, Umwelt 

 

Atomkraftwerke produzieren zwar kein CO2 dafür aber erhebliche Mengen radioaktives Tritium

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. (BBU) ist entsetzt darüber, dass E.on, RWE, EnBW und Vattenfall gerade die gefährlichen Atomkraftwerke als "Klimaschützer" darstellen. So tragen neben dem ständig anfallenden Atommüll auch die zunehmenden Tritiumableitungen aus Atomkraftwerken in die Flüsse zur Verseuchung der Umwelt und der Bevölkerung massiv bei. Für den BBU ein Grund mehr, den sofortigen Atomausstieg zu fordern.
Dass Kohlendioxid-Freisetzungen (CO2) aus Kohlekraftwerken schädliche Auswirkungen besitzen, haben die vier Energieriesen auch erst akzeptiert als weltweit der Druck auf die Betreiber stieg.
Viel zu lange hat man auf veraltete Technologien zur Energiegewinnung wie Kohlekraftwerke gesetzt. Doch die Atomkraftwerke zählen nicht zu den Umweltschützern, denn bei ihnen sind das Abwasser und die Abluft mit radioaktiven Stoffen belastet.
Der BBU arbeitet in einem eigenen Projekt derzeit daran, die Belastungen durch Atomkraftwerke besonders an den steigenden Tritiumableitungen zu dokumentieren. Wasser spielt auf den Werbebildern und Internetseiten eine wichtige Rolle - das radioaktive Tritium im Abwasser der Atomkraftwerke ist ja unsichtbar und stinkt nicht. Die scheinbare High-Tech-Ausstattung der Kraftwerksbetreiber ist nicht in der Lage dieses Tritium aus dem Wasser physikalisch oder chemisch abzutrennen. Deshalb wird es in die Flüsse geleitet. Man hofft, dass es sich so stark verdünnt damit die Schädigungen in der Natur und bei den Menschen nicht mehr der Atomindustrie zugeordnet werden können.
Doch stellte man in letzter Zeit fest, dass Tritium ein besonders problematischer radioaktiver Stoff ist. Es wird vom Körper aufgenommen und führt zu einer gleichmäßigen Strahlenbelastung aller Organe. Es kann im Körper organisch gebunden werden und bei seinem radioaktiven Zerfall noch nach Jahrzehnten den menschlichen Körper schädigen und Krebs hervorrufen. Da Tritium zu einem Bestandteil von Wasser wird, ist es sehr gefährlich diesen Stoff in die Umwelt einzubringen.
Die Kinderkrebsstudie 2007 weist nach, dass für Kinder in der Umgebung von Atomkraftwerken ein erhöhtes Risiko besteht, an Leukämie zu erkranken. Da die Ursache nicht bekannt ist, fordert der BBU auch mit Blick auf alle Einleitungen, die radioaktive Stoffe enthalten, den sofortigen Atomausstieg.

Der BBU stellte bei seinen Recherchen fest, dass die Atomkraftwerke zum Teil extrem hohe Genehmigungen für die Einleitung von Tritium besitzen, wobei bereits geringe Mengen an Radioaktivität gesundheitsschädigend sein können. In den letzten Jahren hat die Tritiumbelastung im Abwasser erheblich zugenommen. Als das französische Atomkraftwerk Cattenom 2003 höhere Einleitungsgenehmigungen forderte, wurde man in Deutschland hellhörig. Eine Änderung der Brennstoffführung sollte die Tritiumeinleitung erhöhen. Durch die betriebliche Umstellung erwartete man eine höhere Energieausbeute bei den benutzten Brennelementen. Nun wurde bekannt, dass die in Frankreich geforderte Erlaubnis denen der deutschen Atomkraftwerken entsprach. Doch bei den eigenen Atomkraftwerken wurde darüber nicht diskutiert, sondern die BürgerInnen wurden im Rahmen der unzulänglichen Genehmigungsverfahren vor vollendete Tatsachen gestellt. Die neue Umwelterklärung von dem AKW Isar zeigt, dass sich die Tritiumbelastungen im Abwasser von ca. 19000 Bequerel (Bq) im Jahr 2004 auf etwa 24000 Milliarden Bq in 2007 erhöht hat. Die großzügig ausgelegte Genehmigung erlaubt ihnen sogar die Einleitung von 48000 Milliarden Bq im Jahr.
Einleitungsgenehmigungen in ähnlicher Höhe existieren auch bei den meisten anderen Druckwasserreaktoren in Deutschland. Dadurch kommt es zu erheblichen Belastungen in den Flüssen. Während ein unbelasteter Fluss unter 2 Bq/l Tritium aufweist, werden in den Flüssen unterhalb der Einleitungen oft das 15 bis 30-fache festgestellt. Dieses Tritium wird über den Verzehr von Fischen aufgenommen. Flusswasser kann in die uferbegleitenden Grundwasserleiter eindringen und so potentielle Trinkwasservorräte belasten. Über gewonnenes Uferfiltrat erreicht das Tritium die Menschen direkt über die Wasserversorgung. Auch besteht die Gefahr, dass es beim Spielen oder Baden am Fluss durch die Haut von Kindern aufgenommen wird. Für Hunde ist die Gefahr noch größer, da sie das Wasser direkt saufen.
Die Tritiumfreisetzungen sind nur ein Beispiel für die Gefahren der Atomenergie. Klimaschutz darf nicht mit umweltbelastenden Technologien wie die der Atomenergie angestrebt werden. Den Zeichen der Zeit folgend ist auf Energieeinsparung, Energieerzeugung mittels regenerativer Energien und mittels Kraft-Wärme-Koppelung (KWK) in Blockheizkraftwerken, und das jeweils dezentral, zu setzen. Dabei gehören die großen Elektrizitätsunternehmen E.on, RWE, EnBW und Vattenfall auf das Abstellgleis der energiepolitischen Geschichtsschreibung. Die Zukunft der Kinder bzw. folgender Generationen steht auf dem Spiel. Daher muss die Zukunft der Energieversorgung der dezentralen, konzernunabhängigen Energieversorgung gehören.

www.bbu-bonn.de

 







<< Zurück