Leserbrief von Charlotte Ullmann

12.07.18
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Richtig, Juliane, wenn viele in der  Partei DIE LINKE (insbesondere die Führung) meinen, sich nicht um Themen bemühen zu dürfen, nur weil diese schon usurpiert seien von neoliberalen Befürwortern, dann halte ich das für eine Selbstbeweihräucherung.

Im Grunde geht es ihnen doch darum, bereits festgezimmerte Privilegien im System aufrechtzuerhalten, das heißt, sich mit Klauen und Zähnen an einer einmal erreichten und vermeintlichen Daseinsberechtigung festzubeißen. 

Ganz grotesk wird es, wenn sich auf den Diskussionspodien herausstellt, dass viele kaum einen blassen Schimmer vom emanzipatorischen "Linken Grundeinkommen" haben, das diametral quer steht zu den neoliberalen Konzepten.

Das zeigt, wie unsachlich und ideologisch oft die Diskussion geführt wird. 

Nun, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) kommen wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. 

Hier ist nur noch die Frage zu stellen, wie, respektive in welcher Ausgestaltung es kommen wird.

Wenn ein BGE Gefahr läuft, sich in neoliberaler Form durchzusetzen, was "sozialistische Linke" und deren Nachbeter stets als Gegenargument ins Feld führen,  sogar in selbst erfüllender Prophezeiung bes chwören, die Machtverhältnisse seien nicht so, das zu verhindern, dann frage ich mich, wie auch Du, liebe Juliane, was Linke Politik hier überhaupt noch verloren hat. 

Dann hätte es keine französische Revolution gegeben, keine Arbeiterkämpfe gegen die Ausbeutungsmechanismen des Kapitalismus, keine Bildung von Gewerkschaften usw. 

Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren! 

Und dass das emanzipatorische, "Linke Grundeinkommen" sogar die "versteinerten Verhältnisse zum Tanzen" (Karl Marx) bringen kann, das hat sich bei vielen "Linken" noch nicht herumgesprochen:

Lohnverhandlungen auf Augenhöhe! 

Das ist doch das, was sich Gewerkschaften so sehr wünschen und seit ihren Anfängen dafür kämpfen. 

Machtverschiebung von Kapital und Arbeit zu Gunsten der Arbeit!

Auch das, wofür die Gewerkschaften sich schon immer einsetzen. 

Aber nein, wenn einige Neoliberale es fertigbringen (z. B. Goetz Werner, Thomas Straubhaar u.a.) , ihre BGE-Konzepte auf die Kapitalseite zu zerren, stecken viele Linke den Kopf in den Sand. 

Wo seid Ihr nur geblieben, Ihr NachfolgerInnen von Karl Marx, Friedrich Engels, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht? 

Und die Gewerkschaften, das heißt die Funktionäre (nicht die Basis) vorneweg. 

Wenn Ihr nicht kämpfen wollt für eine mögliche gesellschaftliche Veränderung, in der der Mensch als erniedrigtes und geknechtetes Wese vom Joch der Ausbeutung befreit wird (Karl Marx) , wäre das ein Armutszeugnis für die Linke in Partei und Gesellschaft! 

Charlotte Ullmann am 12.7.2018



Die Partei möge sich bekennen - 10-07-18 20:54




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