Leserbrief von A. Holberg

10.03.16
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Betr.: Großteile der zerbröselnden Mittelschicht neigen nach Rechts

von Harald Schauff
http://www.scharf-links.de/41.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=55206&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=5453d1e28e


Harald Schuf schreibt:

"Die Wirtschaftslobby greift die Vorlage dankbar auf und versucht einen Konkurrenzkampf zwischen Erwerbslosen und ‘arbeitswilligen’ Flüchtlingen aufzubauen, um die Löhne zu drücken.

Die nach rechts abdriftende, angefressene Mittelschicht begreift diese Zusammenhänge nicht. Ansonsten würde sich ihr Unmut gegen die Kapital-Lobby richten und sie für eine Umverteilung von oben nach unten auf die Straße gehen. Stattdessen macht sie Flüchtlinge und sozial Ausgegrenzte zu Sündenböcke."

Ich glaube, das ist zu  kurzgegriffen, weil es von der aufklärerischen Illusion ausgeht, dass intellektuelles  Begreifen für den Menschen auch bezüglich sozialer Zusammenhänge zentral sei. Mindestens so wichtig wie das Begreifen, oder in diesem Fall leider das Nicht-Begreifen,
ist das Gefühl der sozialen Schwäche und der daraus erwachsenden Mutlosigkeit, irgendetwas gegen die wahren Verantwortlichen für und Nutznießer der eigenen Misere - die herrschende Klasse also - oder gar die sozio-ökonomische Ordnung, der Täter wie Opfer unterworfen sind, tun zu können. Also bahnt sich der Frust einen Weg in dumpfe Feindseligkeit gegen "weiche Ziele" gegen andere Opfer. Diese Mutlosigkeit ist natürlich einerseits Ergebnis der jahrtausendealten Gewöhnung an die Existenz von Klassengesellschaften - als "Normal"zustand eben - und andererseits an das Fehlen eigener Erfahrungen mit sozialen Kämpfen und hier insbesondere siegreichen.
So wichtig die Aufklärung für den Erfolg sozialer Kämpfe ist, so wenig nützt sie ohne solche Kämpfe. Und da es kein Vakuum - intellektuell und emotional - gibt, sammelt sich dort, wo Kämpfe, Einsicht und Erfolg fehlen, notwendigerweise ideoogischer Müll an. Das gilt sicher nicht nur für das mehr oder weniger tradionelle Kleinbürgertum, das heute konservativen Rechtsparteien á la AFD nachläuft (während der akademische auch ökonomisch stabilere "moderne" Teil sich eher den "Grünen" anschließt), sondern auch für die Arbeiterklasse im engeren Sinn soweit sie nicht eindeutig zur "Arbeiteraristokratie" gehört. Die Linke, gespalten in ein Sammelsurium sozial bedeutungsloser Grüppchen und  eine "Linkspartei", die keine Militanz zeigt und stattdessen den einfachereWeg geht und sich kulturell eher im "grünen" und/oder arbeiteraristikratischenMilieu bewegt, ist - so sie denn überhaup willens wäre, nicht in der Lage als "Volkstribun" im Lenin'schen Sinn aufzutreten.



Großteile der zerbröselnden Mittelschicht neigen nach Rechts - 09-03-16 20:55




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