Leserbrief von A. Holberg

12.08.15
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Betr.: Srebrenica- Die „Linke Zeitung“ paktiert mit Faschisten und Antisemiten Werte GenossInnen, auch mir gefällt der Zungenschlag gar mancher Artikel in der "Linke Zeitung", mit der ich ja (u.a.) zusammenarbeite, oft nicht, und ich habe das auch der Öfteren in Kommentaren deutlich gemacht. Das gilt insbesondere für solche Beiträge mit einer m.E. hysterisch linksradikal drapierten aber inhaltlich bourgoisen "Antiimp"-Neigung wie sie sich in der inflationären Verwendung solcher Begriffe wie "anglo-zionistisches Imperi­um“ ausdrückt. Das aber kann m.E. nicht bedeuten, dass man zwei scheinbare Alternativen als "links" verkauft. Da wäre zum einen im konkreten Fall Srebenica die Weigerung (M.Bryms), sich überhaupt irgendwelchen Fragen bezüglich der Richtigkeit der üblichen (und das heißt notgedrungen der von den bürgerlichen Medien der westlichen imperialistischen Staaten) diesbezüglicher "Erzählung" zu stellen und zum Anderen M.Bryms beliebte Tendenz, mit der "Antisemitismus"-Keule zu hantieren. Er schreibt u.a.:  "Die Redaktion glänzt durch eine besondere Obsession gegen den bürgerlich >kapitalistischen Staat Israel. Diese Obsession hat zumindest eine latent antisemitische Basis." Nun möchte ich gar nicht leugnen, dass es auch unter "Linken" authentisch antisemitische Stimmungen geben kann. Es wäre in der Tat überraschend, wenn Menschen, die in einer Gesellschaft aufgewachsen sind, die eine jahrhundertealte Tradition von sei es religiös oder biologisch begründetem Antisemitismus ihr Eigen nennt, davon völlig unbeeinflusst wären. Dass Linke - immerhin ein weiter Begriff - dazu deutlich weniger neigen als die Mehrheitsgesellschaft ist sowohl theoretisch als auch empirisch nicht zu leugnen, aber das Phänomen existiert. Wenn M.Brym aber eine angeblich besondere Obsession z.B. der Redaktion der "Linke Zeitung" gegen Israel als Beleg für eine "latent antisemitische" Haltung anführt, dann möchte ich dem doch widersprechen. Die zunächst einmal nur "anti-zionistische" statt "antisemitische" Obsession (d.h., dass den Untaten des siedler-kolonialistischen Zionismus an den Palästinensern größere Aufmerksamkleit geschenkt wird als den Untaten anderer Unterdrücker an anderen Völkern oder Klassen) speziell der deutschen Linken hat ihren Grund zweifellos in erster Linie darin, dass der Prozionismus von der deutschen (Post-)Auschwitz-Bourgeoisie zur Staatsraison erklärt wurde und wird. Es ist für Linke, d.h.für Menschen, die mit der Herrschaft der eigenen Bourgeoisie grundlegend nicht einverstanden sind, naheliegender, sich gegen die (vermeintlichen) Freunde dieser Bourgeoisie (hier in erster Linie also dem zionistioschen Staat Israel) zu wenden als mit ihr ins gleiche Horn zu tuten (z.B. im Fall Srebrenica), auch wenn das inhaltlich hier und dort angebracht sein könnte. M.Brym nutzt leider wieder einmal eine relativ grobschlächtige antizionistische Positionierung, um über den Weg ihrer Verdächtigung als (immerhin nur latentem!) Antisemitismus den Zionismus aus der Schusslinie zu bringen (wohlbemerkt geht es in der Realität keineswegs um einen abstrakten Zionismus, wie in M.Brym an anderer Stelle bereits aus alten Schriften destilliert hat, sondern um den "realen Zionismus" in Gestalt des auf fremdem Boden mittels Vertreibung der dortigen Bevölkerung gegründeten Staates Israel).  



Srebrenica - Die „Linke Zeitung“ paktiert mit Faschisten und Antisemiten - 10-08-15 20:45




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