Leserbrief von Clara

23.10.17
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Sehr geehrte Frau Bartelmus-Scholich

Sie sind Kommunistin, sie möchten wahrscheinlich das Privateigentum an Produktionsmitteln verbieten.
Um hinterher ein System zu haben, was sich zurecht nicht mehr kapitalistisch nennt, müsste das schon bei kleinsten Betrieben anfangen.
Den Menschen wäre es verboten ihren Lebensunterhalt selbstständig zu erwirtschaften, stattdessen wären viele von ihnen dazu gezwungen in Kollektiven zu arbeiten.
Es ist zu begrüßen, dass die Partei die Linke solch ein unfreies Wirtschaftsmodell nicht wieder einführen möchte.
Sie hat sich m.E. dazu entschieden ein kapitalistisches Wirtschaftsmodell aufrecht zu erhalten, auch wenn das vielen ihrer Mitglieder vielleicht nicht unbedingt klar ist.

Ein Kapitalismus in dem die Gewinnmaximierung ohne Rücksicht auf das Allgemeinwohl umgesetzt werden darf, führt zur Verelendung von einem Großteil der Bevölkerung.

Deswegen haben wir in fast allen Ländern Gesetze wie zum Beispiel das Verbot von Kinderarbeit, einen Anspruch auf Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, oder aber einen Mindestlohn, Tarifverträge, usw.
Die meisten Menschen auf diesem Planeten leben also m.E. schon in einem mehr oder weniger ordoliberalen System.
Trotzdem sehen wir nach wie vor in sehr vielen Ländern dieser Welt die verheerenden Auswirkungen eines nach wie vor absolut unzureichend geregelten Kapitalismus.

Die Produktion der allermeisten Waren findet mittlerweile nahezu ausschließlich nur noch in sogenannten Niedriglohnländern, unter äußerst beschränkten Umweltschutzauflagen statt, während die Bevölkerung in Ländern mit höheren Löhnen und besserem Umweltschutz vermehrt unter Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung leidet.
Riesige Unternehmen suchen sich die Länder als Firmensitz aus, in den sie kaum oder gar keine Steuern zahlen müssen.
Arme überschuldete Staaten können von ihren Exportgewinnen oft gerade mal die Zinsen ihrer Schulden zahlen.
Unternehmen kaufen andere Unternehmen, was ihre Wirtschaftsmacht immer weiter wachsen lässt und so ganze Kontinente erpressbar macht.
Fehlende Altersversorgungen führen zu Bevölkerungswachstum Überbevölkerung und die dann

Usw.

Damit es allen Menschen auf diesem Planeten gut geht, und erst dann können wir m.E. zufrieden sein, gibt es noch extrem viel zu tun.
Demzufolge braucht es noch deutlich mehr Ordoliberalismus auf diesem Planeten.

Dafür braucht es verantwortungsbewusste Politikerinnen wie Sahra Wagenknecht.
Sie macht ihren Job jetzt seit Jahren absolut ausgezeichnet und ist wirklich so richtig wichtig für unsere Partei.

Was den weltweiten Unterbietungswettbewerb und seine negativen Folgen angeht, oder aber die wichtige, noch viel deutlichere Forderung nach ganz gezielter Aufbauarbeit in Afrika würde ich mir manchmal etwas mehr Bewusstsein von ihr wünschen.
Löhne sind an den Geldwert gekoppelt, der ist manipulierbar, somit wird verhindert, dass sie mit der Produktivität steigen.
Das wiederum erhält die weltweite Ungleichheit, der weltweite Unterbietungswettbewerb führt demnach nicht zu einer Angleichung der Lebensverhältnisse im Gutem Sinne.
Egal was an der Uni unterrichtet wird.

Wir als Linke dürfen scheinbare Utopien nicht fürchten.

Wahrscheinlich gibt es nach wie vor in vielen Bereichen innerhalb unserer Partei Diskussionsbedarf.

Liebe Grüße

Clara



DIE LINKE.: Planvolle Eskalation? - 22-10-17 20:59




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