Leserbrief von Frank Braun zu "Die aktuelle Lage, die Linkspartei, und die radikale Linke" von Michael Prütz in ‚scharf-links' vom 18.10.

01.11.09
LeserbriefeLeserbriefe 

 

Lieber Michael Prütz,
das meiste von dem, was du in deinem Papier aufgeschrieben hast, kann ich aus meiner Sicht hier im Rheinland teilen. Sicher können das auch meine politischen Freunde aus der Sozialistischen Kooperation (SoKo).
Es ließen sich sicher noch eine Menge Anekdoten hinzusteuern, die bestätigen, was du über den Status und den Charakter der Partei ‚Die Linke.' (PDL) schreibst. Wenn es nicht in deren Reihen eine erhebliche Anzahl von aktiven AntikapitalistInnnen gäbe, die es aus ihrer Sicht für sinnhaft erachten, dort organisiert zu arbeiten, wäre das Thema auch längst erledigt.
Auch das Thema Interventionistische Linke (IL) wäre erledigt, wenn es dort trotz ‚Hamsterradelns' nicht gelegentlich - ca. drei bis vier mal im Jahr, immerhin ! - militante Aufwallungen antikapitalistischer Systemkritik in Theorie und Praxis geben würde - bisher noch viel zu wertvoll, als dass man einfach darauf verzichten könnte.

Die seltsamen Gebaren der Spezialisten von der Sektion ‚Entrismus' (SAV, isl, Marx21) brauchen außer deiner Beschreibung keine weitere Qualifizierung - die brechen sich ja selbst beständig den Hals. Auch weiß die gesellschaftliche Linke bisher nichts von dem Fortschritt, den die Gründung der fünften Internationale (‚Arbeitermacht') gebracht haben soll.

In deiner Aufzählung vergisst du allerdings (Ein Fehler !) die Restbestände der im wesentlichen als bundesweit agierende Partei kaum noch handlungsfähigen DKP. Unter denen gibt es ganz sicher eine Anzahl entschlossener AntikapitalistInnen.

Diese erfahreneren GenossInnen aus all den letztgenannten und noch kleineren aktiven Gruppen, auch Gruppen von aktiven GewerkschafterInnen sowie frei schwebende radikale Linke, vielleicht werden es alles in allem bundesweit fünfhundert sein, werden sich aber in den nächsten Monaten daran machen müssen, das Gerüst für eine nicht-reformistische, jenseits von Sozialdemokratie und Stalinismus angesiedelte antikapitalistische Bewegung zu bauen.
Sie, andere haben wir nicht, werden sich um programmatische und theoretische Fragen kümmern, sie werden sich vor allem um verbindlichere und belastbarere Formen von Zusammenarbeit jenseits des ‚Hamsterradelns' oder der Nachäfferei der gescheiterten Sozialdemokratie Gedanken machen, sie werden dann bundesweit Kampagnen fähig sein müssen, lokal in Wohngebieten, Betrieben und Verwaltungen und bundesweit vernetzt  aufgestellt sein. Sie werden sich, kaum dass sie als Kollektiv identifizierbar sind, sogleich auch mit dem bürgerlichen Staat auseinandersetzen müssen. Sie werden all das schaffen oder sie werden nichts schaffen.

Es würde mich außerordentlich freuen, wenn eine Initiative in diese Richtung meinetwegen auf der Grundlage deines Papiers, auf den Weg gebracht werden könnte - nicht parteiförmig, nicht mit vierzig Grad Fieber, nicht event getrieben, nicht parlamentarisch orientiert, mit langem Atem eben.

Ich kann mir vorstellen, dass die GenossInnen der SoKo mein Interesse teilen.

Solidarische Grüße
Frank Braun, Köln, Mitglied der Sozialistischen Kooperation (SoKo)



Die aktuelle Lage, die Linkspartei, und die radikale Linke - 18-10-09 22:59




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