Antwort von Dirk Weber auf den Leserbrief von Marion Oberender und Gilla Schillo zur Tafelproblematik.

15.05.10
LeserbriefeLeserbriefe 

 

Da wurde ja vieles geschrieben, dem ich mich nur anschließen kann. Aber der Schluss:"In einem der reichsten Länder der Erde müsste niemand hungern. Arbeitnehmer, die angemessen entlohnt werden, brauchen keine Tafeln. Die Tafelbewegung fördert und zementiert die Armut in diesem Land.", der macht mich etwas ratlos.

Soll diese konkrete Hilfe zum Überleben (und das ist m. E. in diesem Zusammenhang leider nicht übertrieben) denn jetzt eingestellt werden und die Betroffenen auf den Kampf gegen Hartz IV verwiesen werden? Das kann man theoretisch machen (ich mache das nicht), aber was wollt Ihr denn dann den Leuten sagen, die gegen Ende des Monats einfach keine Kohle mehr haben, um für sich selber und/oder ihre Kinder was vernünftiges zu Essen zu besorgen? Sollen sie es sich klauen? Sollen sie in den Hungerstreik treten? Oder was?

Ganz so einfach ist die Sache also nicht. Es stimmt, Wohltätigkeit ist kein Ersatz für gesetzliche Ansprüche auf ein menschenwürdiges Leben als Teil der Gesellschaft - aber im konkreten Fall hilft sie eben, zu überleben.

Wenn in Haiti die Menschen ihr geringes Hab und Gut verlieren, dann sorgen wir doch auch für Soforthilfe und verweisen sie nicht darauf, dass die ungerechte Weltwirtschaftsordnung daran schuld ist, wie sie leben müssen und dass sie bei einer solchen Katastrophe ungleich mehr betroffen sind als Bürger der ersten Welt.

Die Tafeln sind ein Instrument der Barmherzigkeit, sie ändern nichts daran, dass es eine Schande ist, dass Menschen in der BRD auf sie angewiesen sind. Diese Schande zu bekämpfen, sich dafür stark zu machen, dass elementarste Menschenrechte wie vernünftiges Essen, vernünftiger Lebensstandard und Teilhabe an der Gesellschaft auch in der BRD für alle gewährleistet sein müssen, das ist Aufgabe der politisch denkenden und handelnden Bürger.

Von daher sehe ich keinen Gegensatz darin, einerseits konkrete Hilfe in Notsituationen zu leisten und gleichzeitig die gesellschaftlichen Ursachen dieser Not zu bekämpfen.



Leserbrief von Marion Oberender und Gilla Schillo zur Tafelproblematik - 13-05-10 15:10




<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz