Leserbrief von Horst Wetzel zu "50 Jahre Mauerbau: "DANKE" JUNGE WELT"

17.08.11
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Diesen "Höhepunkt" finde ich mindestens geschmacklos! Das muss man wissen, dass bei aller Freiheit, so was eher schadet als hilft!

Nur das Schlimme daran ist, dass die Junge Welt mit ihren Wahrheiten nicht ganz unrecht hat!

Mit der Nichtaufarbeitung der Geschichte der DDR und dem Abtun als "Unrechtsstaat" wird man dem nicht herr.

Mein erstes prägendes Erlebnis in Westberlin Ende November 89 war die Auflösung einer Demo für Freiheit in Palästina. Ich habe mit meinen Kindern ansehen müssen, wie brutal eine an sich friedliche Demo von der Polizei aufgelöst wurde. Da waren die Vorgänge bei uns im Osten eher harmlos.

Wir im Osten waren das arme Schmuddelkind im gottseidank friedlich gebliebenen Systemwettkampf.
Daran war nicht nur die verfehlte Wirtschaftspolitik, sondern auch die ungleich schlechteren Startbedingungen schuld.
Demontage und Reparation hat der im wesentlichen industriearme Osten getragen. Hier gab es keinen Marshallplan. Die Währungsreform lief auch zu Lasten der Ostzone. 

Als Oberschüler und Student erhielt ich Stipendium (kein rückzuzahlendes Darlehen) und musste keine Studiengebühren bezahlen. Und neben allen negativen Beispielen, ich habe auch ohne Jugendweihe in die EOS und auf die Uni gehen können.

Die westdeutschen Studenten, mit denen wir uns im Rahmen der Studentengemeinde getroffen haben, wollten mit uns über Marx diskutieren! Nun den Gefallen haben wir ihnen getan!

Die ständige Überwachung durch das MfS war schon beängstigend, aber wir haben uns einfach nicht stören lassen.

Als ich später in die Partei eingetreten bin, brauchte ich mich nur noch mit meinem Parteisekretär auseinanderzusetzen.

Die CDU kam als Blockflötenpartei für mich nicht in Frage, weil ich durch politische Arbeit auch mitgestalten wollte. Und wenn ich da wieder irgendwo angeeckt bin, kam zuerst der Parteisekretär. Nach seinem Spruch: "Initiative ist strafbar (gilt heute noch)" habe ich dann meinen gesagt: "Keiner ist unnütz, er kann mindestens als schlechtes Beispiel dienen!"

Nach der Wende war ich weiter politisch aktiv und habe als Betriebsrat gearbeitet. Als ich die Interessen meiner Kollegen auch mit Nachdruck und Initiative vertreten habe (Pflichtaufgabe eines Betriebsrates), hat man mir Arbeitsverbot erteilt. Einen Abteilungsleiter, der mir trotzdem Arbeit übertragen hat, hat man ebenfalls gemaßregelt.

Also im Westen nichts Neues!

Mit solidarischen Grüßen

Horst Wetzel



50 Jahre Mauerbau: "DANKE" JUNGE WELT  - 15-08-11 22:24




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