Saartire: 18 Stufen zur Erleichterung


Bild: Saarbrücker Ort der Begegnung soll schon bald unter Denkmalschutz stehen und als Weltkulturerbe der Erleichterung Millionen Besucher anlocken, Foto: SaarKurier

20.01.08
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Saarbrücker Kulturlokus soll renoviert und von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt werden

Von Claude Michael Jung

Seit Jahren sorgt das umstrittene Saarbrücker Projekt „Stadtmitte am Fluss" für Zündstoff zwischen seinen Befürwortern und Gegnern. Jetzt macht Saarbrücken, die Metropole des gelebten Wahnsinns, Nägel mit Köpfen. Noch gegen Ende des vergangenen Jahres hatte der saarländische Wirtschaftsminister Rippel (CDU) vergebens versucht die europäische Kuh zu melken. Brüssel sollte die benötigte Milchmenge zur Finanzierung des monumentalen Beton-Großprojekt an der Saar spendieren. Das Euter der europäischen Kuh hing jedoch für den Melker der Landesregierung zu hoch. Kein Tropfen der begehrten EURO-Milch floss zur Projektförderung ins Saarland.

Seit wenigen Tagen ist nun eine neue Arbeitsgruppe von Stadt und Land damit beschäftigt einen Masterplan zur Überlistung des störrischen Milchviehs in Brüssel zu entwickeln, um irgendwie doch noch soviel Rahm abzuschöpfen, damit der Albtraum in Beton Realität wird. Die neue Task Force hat jetzt beschlossen „Wir fangen schon mal an". Auch ohne das eine Gesamtstrategie für die ganze Stadt vorliegt, soll der 80 Jahre alte, im saarländischen Jugendstiel erbaute Lokus auf dem Sankt Johanner Markt, dem Prachtplatz der Saar Hauptstadt, jetzt fix renoviert und zu einem Erlebnisklo umfunktioniert werden.

Viel hat der ehrwürdige Abtritt in seiner Geschichte bereits hinuntergespült. Erbaut nach dem Ersten Weltkrieg unter der Regie der französischen Besatzungsmacht wurde er von General Jerome de Pantallon und seinen Stabsoffizieren, unter den Klängen der Marseillaise mit einer feierlichen Sitzung auf seinen Eichenholzbrillen eingeweiht. Zu ersten internationalen Würden gelangte der Abort in den Katakomben Saarbrückens im Vorfeld der Saarabstimmung 1935. Truppen des Völkerbundes, welche für Ruhe und Ordnung während der Abstimmung sorgen sollten, diente „La Toilette" als Treffpunkt und Versammlungsort. Als im März 1945 US Truppen, die Saarhauptstadt befreiten, ließen die Nazis hier unten ihren letzten Furz. Zuerst von den Amis, danach von den Hintern der Franzosen beglückt, kam die „Katakomne der Erleichterung" zu weiteren internationalen Ehren.

In den 50gern und 60gern des letzten Jahrhunderts konnte man Menschenschlangen vor seinem Eingang beobachten. Der öffentliche Lokus wurde zur internationalen Pilgerstätte. Gewaltige Haufen, wahre Wunder wurde seinen Schüsseln im Zuge des Wirtschaftswunders zuteil. Mehrmals am Tage kollabierte die stark frequentierte Anlage unter dem Ansturm der mächtigen Hintern. Dauerkacker verstopften die Abflüsse und die ersten philosophischen Klosprüche verzierten die Kabinenwände in der Saarbrücker Unterwelt.

Zu Beginn der Siebziger begann der Abstieg der Begegnungsstätte unter dem Sankt Johanner Markt. Zusehends verkamen die Sitten. Zum pinkeln ging man einfach in die nächste Ecke und zur Verrichtung größerer Geschäfte kamen die klimatisierten Aborte der umliegenden Kneipen immer mehr in Mode. Lediglich Touristen fanden noch Gefallen am stillen, romantischen Örtchen. Besonders unter der SPD Ratsmehrheit in der Saarmetropole litt der Ort der Erleichterung, 18 Stufen tief unter der heiligen Saar-Erde. Die Sozis schissen sich lieber in die Hosen, als den Ort der Wohlgerüche zu modernisieren.

Ein Dauerkartenbesitzer erzählt in einem Buch von seinen Erlebnissen auf dem unterirdischen Saarbrücker Kulturgut. Er schreibt von einem harmonisch klingenden Stöhnen, während und nach dem gewichtigen Ablass. Er beschreibt die gelittenen Ängste, wenn die, über das öffentliche Klo hinweg donnernde Straßenbahn den Verputz von den Decken rieseln ließ. Und er beschreibt die tragische Sitzung eines Pfälzers, der sich während seiner Sitzung beide Arschbacken derart in der Sanitärkeramik eingeklemmt hatte, dass Feuerwehr und THW Schwierigkeiten hatten, den Arsch aus der Pfalz wieder frei zu bekommen. Samt Schüssel musste der Pfälzer geborgen werden. Unter den „Alleee Hopp" Rufen des herbeigeeilten Saarvolkes wurde der Pfälzer Kacker auf seiner Schüssel in einer Prozession über den Sankt Johanner Markt, zu einer nahe gelegenen Eisenwarenhandlung getragen, wo er mittels eines Vorschlaghammers von seinem Malheuer befreit werden konnte.

Nun ist es soweit, der romantische Ort der unterirdischen Begegnung sieht seinem Combak entgegen. Die Saarbrücker Stadtplaner wollen den 18stufigen Abstieg in die Tiefe mit einer gläsernen Käseglocke überdachen und die Gesamtanlage mit neuester Sanitärkeramik ausrüsten. Die Wände sollen von dem Saarbrücker Künstler Bernd R. in einen Ort der Farbenfreude verwandelt werden. Die Sitzungskabinen, sowie die Wände über dem Pissoir stehen für die Klosprüche eines internationalen Publikums zur freien Verfügung. Das, von den Besuchern abgelassene Biogas wird die romantischen Gaslaternen füttern und auch für die wohlige Beheizung des modernsten Aborts mit Kondomautomat nördlich der Alpen sorgen.

Vollendet soll der Prachtbau zur Erleichterung und innerlichen Neuausrichtung seiner Besucher im Herzen der Landeshauptstadt bereits im kommenden Herbst sein. Zu Ostern jedoch sind bereits die ersten Saisonkarten bei der „Stabsstelle Lokus" im Saarbrücker Rathaus zu erwerben. Kulturpolitische Sprecher aller Saarbrücker Parteien betonten, der stille Ort der Erleichterung diene der regionalen Wettbewerbsfähigkeit und Entwicklung und sei ein erster großer Schritt auf dem Weg zur „Stadtmitte am Fluss. Zudem müsse der Lokus schnellstens unter Denkmalschutz gestellt werden und als Weltkulturerbe von der UNESCO anerkannt werden.

Au, den 20. Januar 2008


VON: CLAUDE MICHAEL JUNG

cmj@scharf-links.de




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