Saartire: Obere Saar rüstet zur Kirmes


Rathaus Großhumpendorf, Foto: SaarKurier

02.10.08
SaarlandSaarland, News 

 

Sozenwurf soll humanisiert werden

Von Claude Michael Jung

Hoch ging es wieder her, auf der Sitzung des Gemeinderates der autonomen Kommune Großhumpendorf an der oberen Saar. Die uralte Tempelrittergemeinde rüstet zur diesjährigen Kirmes. Auf Antrag von Zora Klamm, Vorsitzende der kämpferischen Frauengewerkschaft an der oberen Saar, soll der traditionelle Sozenwurf reformiert werden. Der Sozenwurf ist bereits seit 1914 Bestandteil der einzigartigen Dorfkirmes und zieht alljährlich Sportler aus der gesamten Großregion Saar/Lor/Lux und dem Elsaß in seinen Bann.

Bei der Formel Eins der Steinewerfer, wie der Sozenwurf genannt wird, werden 1250 Gramm schwere Pflastersteine über eine Distanz von 15 Metern auf Pappkameraden der SPD Führungsriege geworfen. Gewinner ist, wer mit möglichst wenigen Steinen die aufgestellten Sozis flachlegt. Um Unsportlichkeiten wie im vergangenen Jahr vorzubeugen, ist nach Ansicht der roten Zora, eine Reform des Sozenwurfs unumgänglich.

Die letztjährige Kirmes endete mit einem Eklat und mit einem langwierigen Prozess vor dem saarländischen Satiregerichtshof. Brandmeister Rohrbruch war mit dem Wasserwerfer der freiwilligen Feuerwehr zum sportlichen Wettbewerb angetreten und hatte ratz fatz die Sozis in einer gewaltigen Wasserlache absaufen lassen. Auch der gemeinsame Auftritt von Pastor Friedensreich Selighauer und Oberstleutnant a.D. Wilfried von Bockschuss war nicht gerade als sportlich zu bezeichnen. Beide traten mit einer alten Panzerfaust aus dem zweiten Weltkrieg zum traditionellen Sozenwurf an. Daraufhin musste der Wettkampf frühzeitig, wenn auch unter Protest von Bürgermeister Edgar Lump, abgepfiffen werden. Sowohl Bockschuss, als auch Pastor Selighauer gaben als Entschuldigung vor dem saarländischen Satiregerichthof zu Protokoll, sie wären durch die unzähligen Verkostungen von Kirmesbier, Schnaps und Wein, ein wenig hoch gedopt gewesen und das Corpus Delicti, die alte Panzerfaust sei auch gar nicht scharf gewesen. Der zweite Senat des saarländischen Satiregerichtshof wertete die Unsportlichkeit als Geringfügig, mahnte jedoch die Sozenwerfer von der oberen Saar, den gesamten Wettbewerb zu überdenken und ein vollkommen neues Regelwerk zu erarbeiten.

Bürgermeister Edgar Lump gab dem Reformantrag der roten Zora statt und ließ von Studienrat Ernst Nonsens protokollieren, dass in diesem Jahr erstmals auch Frauen zum Sozenwurf antreten dürfen. Allerdings setzte Bürgermeister Lump durch, dass zur diesjährigen Kirmes erstmals nicht auf Pappkameraden der Sozis geworfen wird, sondern ein leibhaftiger Sozi das Spektakel humanisieren soll. Der ex Bürgermeister, der mit Großhumpendorf seit Jahrhunderten verfeindeten Nachbargemeinde Schlemmerbach, Hermann Atzel (SPD), seit der letzten Gebietsreform nur noch Ortsvorsteher und Fußabtreter des regierenden Bürgermeisters der roten Tempelrittergemeinde an der oberes Saar, wird die Hauptattraktion der diesjährigen Gaudi, verkündete Bürgermeister Edgar Lump unter dem tosenden Beifall des gesamten Gemeinderates.

Auch auf Pflastersteine will Bürgermeister Edgar Lump in diesem Jahr beim Sozenwurf gnädig verzichten. Wie gemunkelt wird, soll Kommunechef Lump einen starken Anfall von Gefühlsduselei gehabt haben und will deswegen seinem alten Erzfeind die Steinigung ersparen. Geworfen wird deswegen in diesem Jahr mit nassen Handtüchern.

Wie es heißt, stellt sich der ex Sozenbürgermeister der, mittlerweile von Großhumpendorf besetzten und okkupierten Gemeinde Schlemmerbach, Hermann Atzel, freiwillig dem Großhumpendorfer Sozenwurf. Atzel sitzt bereits seit drei Wochen bei Wasser und Brot im roten Turm der Humpenburg und wird von den Geistern der hier begrabenen Tempelritter ordentlich heimgesucht. Atzel soll mittlerweile sogar bereut haben der SPD beigetreten zu sein und betrachtet den Sozenwurf als Erlösung von seiner schweren Sünde und als Befreiung von der Heimsuchung der toten Templer.

Unterdessen bestätigte der Kellermeister des Saarländischen Satiregerichtshofs, das hohe Gericht werde in diesem Jahr die Schiedsrichterrolle beim Sozenwurf übernehmen und streng gegen Regelverstöße vorgehen. So werden die Richter jedes Handtuch nach dem Wurf überprüfen und jedem die rote Karte zeigen, der darin Pflastersteine oder andere Gegenstände verpackt hat. Alle Teilnehmer müssen zudem eine Ehrenerklärung abgeben und schwören den ollen Sozi nicht unter der Gürtellinie zu traktieren. Sowohl der Großhumpendorfer Gemeinderat, als auch der Saar Satiregerichtshof gehen davon aus, dass die diesjährige Formel Eins der Steine und Handtuchwerfer der fairste Wettbewerb seiner Art seit 1914 wird.

Beim Internationalen Olympischen Komitee hat Bürgermeister Lump inzwischen beantragt, den Sozenwurf bereits zu den kommende Spielen in London zuzulassen. Das IOK soll bereits Zustimmung signalisiert haben und will mit einer Delegation den Großhumpendorfer Sozenwurf, den ultimativen Höhepunkt der einzigartigen Dorfkirmes, begutachten.







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