FRIEDENSKLIMA - Zwei Wochen im Zeichen von Klimawandel, Frieden und globaler Gerechtigkeit

11.12.19
SaarlandSaarland, Bewegungen, TopNews 

 

Von Kulturort Andruet

friedensKlima“ – so lautete das Motto der diesjährigen 39. Ökumenischen FriedensDekade (http://www.friedensdekade.de/).

Im Rahmen der FriedensDekade fanden auf Initiative des Ateliers Andruet vom 27. September bis einschließlich 10. Oktober in der St. Pius Kirche in Saarwellingen die Aktionswochen "friedensKLIMA" statt. Mit Informationen, Gesprächsrunden, Film- und Themenabenden wurden zentrale Fragestellungen zu den Themen Frieden, Klima und globaler Gerechtigkeit der Öffentlichkeit angeboten. Das Ziel war nicht nur, die Bevölkerung zu informieren, sondern auch ganz gezielt zu aktivieren, sich in die Friedensaktivitäten einzubringen.

Die Aktionswochen wurden künstlerisch von Mario Andruet gestaltet und im Rahmen einer Ausstellung begleitet. Die Ausstellungsobjekte boten einen tiefen Einblick in die Thematik, die allgegenwärtig ist: Frieden schaffen ohne Waffen, globale Gerechtigkeit, und ein Recht auf ein Leben in Würde für jedermann!

Waltraud Andruet hatte als Hauptorganistorin die Planung übernommen. Unterstützt wurde sie durch das Forum Nalbach, die Flüchtlingshilfe Nalbach und die katholische Frauengemeinschaft Saarwellingen, die sich gezielt in die Themen einbringen konnten. Schon bei der Eröffnung am Freitag, dem 27. September, betonten die InitatorInnen, dass das globale Motto die drängende Herausforderung unserer Zeit darstellt: Wie kann die industrialisierte und wohlhabende Welt Frieden für alle Menschen dieser Welt garantieren und welche Aktivitäten sind jetzt notwendig, um das Ziel der globalen Gerechtigkeit zu erreichen? Gerade im Zeichen des zunehmend spürbaren Klimawandels mit Auswirkungen auf alle Menschen dieser Welt, ist ein gemeinsames Streben aller politischen und gesellschaftlichen Kräfte notwendig und einzufordern.

Im Laufe der Veranstaltungen spürte man, dass sich nicht zuletzt durch die weltweite Wirkung von Greta Thunberg endlich etwas in der Bevölkerung bewegt. Die BesucherInnen, die aus ganz unterschiedlichen Richtungen und mit unterschiedlicher Motivation an den Veranstaltungen teilnahmen, waren interessiert, erstaunt und letztendlich auch der Meinung, dass die Zeit überreif ist für grundlegende Veränderungen. „FridaysforFuture“ oder „ScientistsforFuture, Eltern und zunehmend auch die Kirchen, sie alle engagieren sich in dem Streben um globale Gerechtigkeit auf der Erde.

Eigentlich muss man niemanden mehr überzeugen. Wir benötigen den kompletten Wechsel unserer Verhaltensweisen, des Konsumverhaltens und der Produktion der Dinge, die uns alltäglich umgeben! Wir benötigen diesen „systemchange“ zum Wohle aller Menschen auf der einen und einzigen ERDE, die wir haben. Der globale Süden darf nicht weiterhin ausgebeutet werden (Kohle, seltene Erden, Lebensmittel, Kleidung, Plastikmüll u.v.m.) - er zahlt unsere Zeche und wird insbesondere durch den Klimawandel direkt betroffen. Krieg, Flucht und Migration sind Folgen dieser Entwicklung.

Das Programm der FriedensKlima-Aktion wurde aufgestellt, um den Menschen lokal die Gelegenheit zu geben, sich zu informieren, sich an Diskussionen zu beteiligen und aktiv zu konkreten Schritten zu kommen. Dies wurde auch von den teilnehmenden Referenten/-innen nochmals unterstrichen und als Forderung formuliert: Es gilt, jetzt etwas zu tun und nicht in 30 Jahren! 

Die Fakten sind allen klar, die Ziele sind vorgegeben und werden von der Weltgemeinschaft mitgetragen: den Klimawandel stoppen, Klimagerechtigkeit herstellen und die Verteilung des Wohlstandes im Sinne einer globalen Gerechtigkeit vorantreiben. Denn nur so lässt sich unsere gemeinsame Zukunft sichern. Diese Thematik, die alle Menschen gleichermaßen betrifft, wollten engagierte BürgerInnen, die Kirchen und Friedensinitiativen im Raum Saarwellingen aufgreifen und vom 27. September bis zum 10.Oktober 2019 in der St. Pius-Kirche in Saarwellingen darstellen.

Der Start zu diesen Themenwochen, die die Bevölkerung wachrütteln sollten, fand am 26. September vor der St. Pius Kirche statt. Mit der Aktion "Wir klagen an!“ und dem Aufstellen von bebilderten Kreuzen sollte symbolisiert werden, in welchen Felder man heute bereits aktiv werden könnte und wo die Menschen wie auch die Politik, ansetzen müssen, um globale Gerechtigkeit und Klimawandel zu vereinbaren.

Eröffnung der Themenwoche war dann am 27.9. mit einem Gastbeitrag von Uschi Schmidt-Lehnhard von der Wolfgang Staudte Gesellschaft, Saarbrücken. Sie fasste aus Sicht des bekannten saarländischen Regisseurs, einem Pazifisten und Humanisten, die Thematik Friede, Krieg und gesellschaftliche Verantwortung sehr gut zusammen. Es war ein Appell gegen Krieg und für die Vernunft. Anschließend fand die Vernissage zur Ausstellung mit Bildern von Mario Andruet und seinem Erwachsenen,- sowie dem Kinderkurs zu dem Themen Nachhaltigkeit statt. Dr. Eva Kell führte das Publikum in die Werke des Künstlers ein.

Am Samstag, dem 28.9., fanden sich zahlreiche Akteure zu einem Info-Tag in der St Pius Kirche zusammen. Vertreten waren u.a. Workshopgruppen Atelier Andruet, Pax Christi, FriedensNetz Saar, Ökumenisches Netz Rhein-Mosel-Saar, ForumNalbach/ Nalbach.Nachhaltig, Flüchtlingshilfe Nalbach, NES e.V., Indienhilfe Saar e.V., mit Informationen eines indischen Priesters, Faires Saarland, Fairtrade Laden LaTienda, Greenpeace, die Katholische Frauengemeinschaft Saarwellingen, die Umwelt- und Friedensinitiative der Partnerstadt Bourbon-Lancy. Christel Conde mit Eindrücken einer Reise nach Indien. Die Veranstaltung bot Gelegenheit, sich ausgiebig zu den Themen „Frieden, Krieg, Klima und globale Gerechtigkeit“ zu informieren und auszutauschen.

Am Dienstag, dem 01.Oktober, stand ein Film und eine Diskussion zu dem zentralen Thema „WASSER“ auf dem Programm. Der Film „Danke für den Regen“ aus dem Jahr 2017, zeigt den verzweifelten Kampf des kenianischen Bauern KisiluMusya gegen den Klimawandel und dessen verheerenden Auswirkungen auf sein Dorf, seinen  Anbau und die Ernährung der Menschen vor Ort. Hier zeigte sich sehr einprägsam die Notwendigkeit, dass alle Menschen dieser Erde Einfluss auf alles haben, was im Zusammenhang mit dem Klimawandel passiert. Es gibt keine Einzelphänomene, alles hängt zusammen.

Am Donnerstag, dem 03. Oktober, organisierte das Team einen politischen Nachmittag mit Gästen aus der Friedens- und Klimaszene. Zu Kaffee und Kuchen konnten sich die TeilnehmerInnen über die Themen Frieden schaffen ohne Waffen informieren und diskutieren. Mit dabei waren die Friddens- a Solidaritéitsplattform Lëtzebuerg/QuattroPAX, Fridays4Future Saarland.

Am Freitag, dem 04. Oktober, wurde eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zum Thema Klimawandel und Frieden angeboten. Als Gäste waren eingeladen das Klimaschutzbündnis Saar, die BEG Bliesgau und die BEG Hochwald. Das Motto lautete: Wenn wir die Klimakrise bewältigen wollen, müssen wir die Erneuerbaren Energien entschieden ausbauen.

Es steht außer Frage, dass die erneuerbaren Energien eine Schlüsselrolle haben im Kampf gegen den Klimawandel und dem Bestreben nach globaler Gerechtigkeit. Der „globale Süden“ darf nicht in die Abhängigkeit der großen Energiekonzerne geraten, und die Länder des industrialisierten Nordens müssen weg von den fossilen Brennstoffen. Daher ist das Ziel eigentlich ein gemeinsames: ein Leben ohne fossile Brennstoffe, ohne Kohle, Öl und Gas.

Am Dienstag, dem 08. Oktober, gab es erneut ein Highlight mit der Lesung und anschließender Diskussion zu dem Buch „Vollbremsung“ des Autors Klaus Gietinger. Gietinger bot zum Einstieg einen interessanten Vortrag und tiefer gehende Analyse zum „AUTOMOBIL“ und der globalen Abhängigkeit, der direkt mit der Produktion und Nutzung des Autos verbunden ist. Eine lebhafte Diskussion zeigte, dass immer mehr Menschen bereit sind auf das Auto zu verzichten und nach Alternativen suchen. Ganz klar war für alle Gäste: der ÖPNV, also der öffentliche Nahverkehr, muss absolute Unterstützung und Priorität bekommen. Hier ist die Politik kommunal wie im Land aufgefordert, endlich die Weichen zu stellen. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch Jan Hildebrand vom izes Saarbrücken, der die Rolle der vernetzten Mobilität ins Spiel brachte.

Am Mittwoch, dem 09. Oktober, wurde ein Vortrag von Henrik Paulitz von der Akademie Bergstraße für Ressourcen-, Demokratie- und Friedensforschung angeboten. Er zeigte auf, welche Interessenslagen vorherrschen, welche Zusammenhänge es gibt, die in der aktuellen Situation zu Kriegen geführt haben und führen können. „Ökonomische, konkurrierende Interessen als entscheidende Kriegsfaktoren?“ war sein Thema. Die lebhafte Diskussion im Anschluss zeigte, dass die Menschen sehr wohl verstehen, dass es immer wieder die geopolitischen Interessen der einzelnen Staaten sind, die zu Kriegen um Erze, um Öl, Gas oder andere Rohstoffe führen. Die industrialisierte Welt hängt am Öl, an Koltan, an Silizium, oder an Gold – und tut alles Mögliche, um den bestehenden Wohlstand zu festigen oder gar auszubauen. Krieg scheint hierbei ein probates Mittel zum Zweck zu sein.

Einen schönen geistlichen Abschluss der Aktionstage bildete der Donnerstag, 10. Oktober. Mit einer Finissage und einem ökumenischen Gottesdienst mit Diakon Horst-Peter Rauguth, Geistlicher Beirat pax christi und Detlef Besier Umwelt und Friedenspfarrer endeten die „FriedensKlima-Tage“ in Saarwellingen.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Aktionswochen auf Interesse in der Bevölkerung gestoßen sind und zahlreiche neue Kontakte zwischen einzelnen Akteuren und interessierten Menschen sich einstellten. Bedauernswert und zu kritisieren war die völlige Abwesenheit der kommunalpolitischen VertreterInnen - was ein Zeichen von Desinteresse sein kann oder von Allwissenheit.

2020 werden die Aktivisten aus der Friedens- und Klimabewegung weiterhin solche Aktionstage anbieten.

Weitere Information unter:
www.atelier-andruet.de und www.forum-nalbach.de







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