Eine Buchlesung von Jürgen Grässlin in Saarbrücken: „Bis zum Hals im Schlamassel!“

28.06.14
SaarlandSaarland, News 

 

von Dr. Nikolaus Götz

Eigentlich weiß es jeder seit der Antike: „Wer zum Schwert greift, kommt durch das Schwert um.“ Doch welche Rolle nimmt der ’Schmied’ in diesem Konflikt als Waffenproduzent ein?

Genau an dieser Stelle beginnt der Lehrer, Friedensaktivist und Sachautor von vielen Schriften und Büchern gegen die ’deutsche’ Rüstungsindustrie Jürgen Grässilin die komplexe Verwicklung des sogenannten „militärisch-industriellen Komplexes“ aufzuzeigen.

Die aktuelle Lesung aus seinem neusten Buch „Schwarzbuch Waffenhandel. Wie Deutschland am Krieg verdient“ fand im alten „Kolpinghaus“ von Saarbrücken (Johannes-Foyer) das Interesse von nur wenigen Friedensaktivisten, zumal zeitgleich auf allen Kanälen König Fußball regierte. Zu dieser Lesung mit Grässlin im Aktionsmonats gegen die „Militarisierung der Gesellschaft“ hatte ein breites Friedensbündnis kirchlicher, gewerkschaftlicher wie Friedensgruppen eingeladen.

Und so deckte Buchautor Grässlin die verlogene Argumentation der Waffenindustrie auf, die stets behautet, sichere Arbeitsplätze zu schaffen. Seine umfangreiche Faktenpräsentation über die Rüstungslieferungen deutscher Firmen ins Ausland war zugleich auch eine Anklage gegen die Außenpolitik der Bundesregierungen von Kohl, Schröder bis Merkel, da vornehmlich Staaten mit Waffen versorgt werden, in denen die Menschenrechte kaum gelten.

Was die Waffen in den Ländern bewirken in denen sie Verwendung finden, zeigte Jürgen Grässlin mit selbst gefertigten Fotographien. Von Syrien bis Afghanistan: das Leid der überwiegend betroffenen Zivilisten ist riesig. Stets sind sie traumatisiert, verstümmelt, arbeitsunfähig, geschädigt fürs Restleben, wobei der Autor auch die Situation der Soldaten berücksichtigte.

So ist das deutsche Gewehr G3 an allen ’Fronten’ mit dabei, aus „Sicherheits-“ und „Neutralitätsgründen“ natürlich geliefert an alle Konfliktparteien. Doch die beschämende Frage der Opfer, von Grässlin übermittelt, an die heutigen deutschen Waffenlieferanten und uns, die deutsche Volksöffentlichkeit, bleibt: „Warum macht ihr das?“

Der historische Kreis der deutschen Waffenindustrie schließt sich wieder von 1914 und Thyssen, Krupp wie Röchling hin zum Jahr 2014 mit Heckler & Koch und Diehl. Auch das ’Werben fürs Sterben’ durch den neuen deutschen Bundespräsidenten und ostdeutschen Pastor Joachim Gauck macht so Sinn.

Erst auf dem schlammigen Schlachtfeld angekommen wird den jugendlichen Soldaten dann vielleicht zu spät klar, dass sie als Kanonenfutter „wegen dem Oberidioten bis zum Hals im Schlamassel“ stecken (Waist deep in the big muddy), wie es Pete Seeger in einem ’natürlich’ verbotenen Friedenslied zum Vietnamkrieg formulierte, was die Gruppe Liedstöckel an diesem beeindruckenden Infoabend zum Abschuss noch sang.

Programmhinweis:

Lösungsansätze für die Krise des Kapitalismus: „Krise und Kriege“; 2. 7. 2014, 20:00 Uhr, Johannes.Foyer, Ursulinenstraße 67, Saarbrücken


VON: DR. NIKOLAUS GÖTZ






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