358. Saarbrücker Montagsdemo gegen Hartz IV am 30.Januar 2012


31.01.12
SaarlandSaarland, News 

 

von S. Fricker        

Obwohl der Monat dem Ende zugeht und etliche aktive Hartz-IV-Betroffene das Geld für die Fahrkarte nicht mehr aufbringen konnten, war die Demo heute mit 15 Teilnehmern und einem Trommler gut aufgestellt – trotz miesem Winterwetter.

Nach der schwungvollen Begrüßung bei der Europa-Galerie ging’s los und die Frau am Mikrofon sprach unterwegs gleich wichtige Themen für heute an: „Von der Ministerin von der Leyen hört man in Sachen Hartz IV nur Erfolgsmeldungen. So soll die Zahl der armen Hartz-IV-Kinder innerhalb von 5 Jahren auf 1,6 Millionen gesunken sein. Was sie verschweigt: Vor Einführung von Hartz IV lag diese Zahl bei 1 Million. Berücksichtigt man die Kinder, deren Eltern Niedriglöhne beziehen, ist die Zahl tatsächlich weiter enorm gestiegen.

Thema Nummer 2: Heute ist der 30.Januar. Vor 79 Jahren erfolgte die Machtergreifung der Nazis. Wie sieht es eigentlich heute mit unserer Demokratie aus? Linke Bundestagsabgeordnete werden vom Verfassungsschutz überwacht und die Nazis können in 13 Jahren 10 Morde mit immer der gleichen Waffe begehen, ohne dass jemand auf die Idee kommt, dass der Täter immer derselbe ist. Da stimmt doch was nicht, oder?“

Wortmeldungen gab’s dann jede Menge. Nachdem eine Rednerin überzeugend die Behauptung irgendeines Instituts in Frage gestellt hatte, wonach die SaarländerInnen zu 70% für eine große Koalition im Saarland votierten, stellte sich ein Mann vor und brachte sein Anliegen beim offenen Mikro zur Sprache: „Ich war schon früher bei der Montagsdemo. Mittlerweile bin ich in Rente – weil ich schwer an Krebs erkrankte. Ich möchte fordern, dass die Krankenkassen nicht an bildgebenden Verfahren sparen dürfen, welche Leben retten können. Bei Krebs zum Beispiel müssen in sehr kurzen Abständen mögliche Veränderungen untersucht werden, da schaut mein Arzt immer schon bedenklich, weil das sein Budget belastet.“

„Was zählt der Mensch heute – und wann endlich zählt der Mensch?“ – unter diesem Satz könnte man auch die folgenden Redebeiträge zusammenfassen, die sich mit der Insolvenz bei Höll, der Arbeitsplatzvernichtung bei Gerling und bei PSA / Peugeot befassten und die von eigenen Erfahrungen geprägt waren: „Höll schmeckt bitter. So eine Insolvenz ist etwas Furchtbares für die Betroffenen, die mürbe gemacht werden. Es heißt ja, sie würden in eine Auffang-Gesellschaft kommen. Aber dazu müssen sie einen Aufhebungsvertrag unterzeichnen – „im beiderseitigen Einverständnis“, nach 6 Monaten ist dann Schluss“, berichtete ein Mann.

„Das hier ist keine normale ökonomische kapitalistische Krise, wie man sie sich vorstellt im Allgemeinen, es ist eine politische Krise, die sich überall vertieft“. „Es geht Frau Merkel nicht darum, Griechenland zu retten, sondern die Gläubiger Griechenlands sollen gerettet werden – und das ist u.a. die Deutsche Bank“, so zwei weitere Redner.

Bei der heutigen Montagsdemo wurde jedenfalls klar, dass es in diesem Jahr 2012  mehr zu tun gibt, als ein Kreuzchen zu machen bei der Wahl im März. Die Montagsdemonstrierer verkörpern nicht nur den Protest gegen die Auswüchse (und gelegentlich auch die Wurzeln) der Profitwirtschaft, sondern auch eine Kultur der gegenseitigen Hilfe – („ich war froh, dass Eine aus diesem Kreis neulich als Zeugin mit mir auf’s Arbeitsamt ging“) -  und des Ringens um gemeinsamen Durchblick.

Dass 4000 Stahlarbeiter in NRW letzte Woche auf die Straße gingen und in Belgien heute ein Generalstreik stattfindet, - auch das wurde erwähnt am offenen Mikro - zeigt, dass unsere Richtung stimmt, und wir nicht alleine sind, wenn wir kämpfen.
 
Nächste Woche montags, egal bei welchem Wetter, 18:00 Uhr, Saar-Galerie, in alter/neuer Frische!

www.montagsdemo-saar.de

 

   


VON: S. FRICKER






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