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Geschichtskittung mit der Umbenennung der „Straße des 13. Januar“ in Saarbrücken

14.01.21
SaarlandSaarland, News 

 

Von Dr. Nikolaus Götz

Die „Ju-SOS“, diese rebellische Kindergruppe der veralterten SPD-Saar, melden sich in die Politik zurück! Und schon sind sie „antidemokratisch“, denn diese Jugendorganisation will eines der für die gegenwärtige Identität der Saarländer wichtigen historischen Daten streichen, wobei die Jusos das damalige überwältigende Votum der Saarländer für ’Deutschland’ ignorieren: Die Benennung einer Straße in Saarbrücken mit „Straße des 13. Januar“, die auf eine demokratische Abstimmung aus dem Jahr 1935 hinweist, soll nach Juso-Vorstellungen getilgt werden (1).

’Umbenennungen’ sind zu Zeiten der Corona-Pandemie und dem ’Homeoffice’ des Jahres 2021 für JungpolitikerInnen gerade passend, denn eine namentliche Umbenennung ist wirklich ’große Politik’, zumindest für diese heranwachsenden Kinder und Jugendlichen in der SPD, deren Kinder-Rechte endlich auch im bundesdeutschen Recht festgeschrieben werden sollen - wobei leider die Meinung der schon nervend schreikräftigen jungsozialen ’Babys’ vergessen wurde! Nur „die Erwachsenen“ wissen aus gemachter politischer Erfahrung, wie geduldig „Papier“ ist, zumal wenn man den schriftlich fixierten Satz kennt: „Alle Menschen sind gleich!“

Richtig ist die Feststellung der saarländischen Juso-Vorsitzenden Kira Braun, dass kaum einer der heutigen Einwohner der Stadt Saarbrücken oder auch der Saarländer überhaupt noch weiß, warum eine Straße nach einem „Datum“ benannt ist. Doch auch der Änderungsmodus einer über Jahre festgelegen Straßen- oder Ortmarkierung durch einem Namen ist nicht einfach, da dabei die örtliche Orientierung der Menschen in einer Stadt verloren geht. Man stelle sich die Konsequenzen einer Umbenennung des bekannten ’Eiffelturms von Paris’ in beispielsweise ’Stahlbau’ vor. Aber grundsätzlich ist eine Umbenennung schon möglich, zumal ’Namen’ ja wie „Schall und Rauch“ oftmals vergänglich sind!

Doch warum wollen die Jusos gerade jetzt die Umbenennung der „Straße des 13. Januar“? Dieses gestrige Datum erinnert nämlich an die an diesem Tag erfolgte Abstimmung der Saarländer des Jahres 1935 für eine politische Rückkehr nach „Deutschland“, wobei die zustimmende Wahlquote 90,4% betrug (2)! Dass im heutigen Rückblick auf diese Epoche, auf die schon laufenden unbeschreiblichen Verbrechen der Nazis, den alsbald 1939 kommenden Zweiten Weltkrieg mit Millionen von Toten, das Abstimmungsverhalten der wahlberechtigten Saarländer möglicherweise ablehnende Kritik provoziert, kann nachvollzogen werden. Rechtfertigt diese „heutige Sicht“ auf den „13. Januar 1935“ aber die Mühe einer Straßenumbenennung und damit den Bruch mit der saarländischen Geschichte, die trotzdem so bleibt, wie sie sich ereignet hat?

Dass die aktuelle Juso-Vorsitzende mit ihrem Vorschlag der Neubenennung auch eine „Korrektur“ von Geschichte vornimmt und sich so selbst argumentativ widerspricht, „Jeder Versuch Geschichte zu korrigieren, wäre eine Verhöhnung der Opfer“(3), bemerkt sie anscheinend gar nicht. Es gibt doch wirklich genug „richtige“ Politikfelder (4), an denen auch die lieben ’Juso-Kinder’ erlernen könnten, wie ‚Sachpolitik’ und nicht ’Personalpolitik’ gemacht wird. Im historischen Rückblick auf das Corona-Jahr 2020 kann nämlich festgestellt werden, dass die Jusos von heute ebenso der aktuellen politischen Meinungsmanipulation unterliegen und sich absolut brav der offiziellen politischen Corona-Stichweise der konservativen Staatsparteien angepasst haben, ebenso wie die damals ‚französisch’ besetzten, deutsch-orientierten Saarländer des Jahres 1935. In der ’Corona-Krise’ hätte man von diesen früheren ’Kinder des Zorns’ politisch wirklich mehr erwarten können!

Und was ist jetzt aber mit den übrigen „historischen Straßen-Namen“ der beispielsweise absolutistisch regierenden Fürsten von Saarbrücken, über ’Generäle’ oder auch den Ex-Kanzler Bismarck? Auf dessen ’Schlacht-Konto’ gehen beispielsweise auch die Toten des Angriffes auf die Spicherer-Höhen von Saarbücken Anfang August 1870. Doch jener ’Eiserne Kanzler’ hatte ja den Krieg von 1870/71 gewonnen, weswegen die heutigen ’Konservativen’ wohl ihm und der „150jährigen Wiederkehr der deutschen Reichsgründung“ gedenken! Es ist zu hoffen, dass dieser historische Rückfall in die Zeiten einer angeblichen ‚Erbfeindschaft’ den Jusos auch ein Protest wert ist.

Anmerkungen:

1 Siehe: scharf-links.de vom 12. .1 2021.

2 Siehe das Votum und die Darstellung der Zeit in : HERRMANN, Hans-Walter (u.a.): Das Saarland. Politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung, Saarbrücken 1989; besonders. S. 36-37.

Auf dem Wahlzettel konnte angekreuzt werden:

Beibehaltung der gegenwärtigen Staatsordnung (Status quo)

Vereinigung mit Frankreich

Vereinigung mit Deutschland

(Vgl: www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/)

3 Siehe: scharf-links.de vom 12. 1. 2021.

4 Neben dem ökologischen Umbau der Industriegesellschaft, der Modernisierung des innerstädtischen kostenfreien Verkehrs könnte auch die Energieversorgung für alle Bürger auf regenerative Energien umgestellt werden und zudem kostenlos sein. Auch die Säkularisierung von Namen der Jahrestage wie „Fronleichnam, Ostern, Weihnachten, oder Drei-Heilige-Könige“ usw.  wäre eine sich lohnende ’Spielwiese’. Vorschläge für die Tagesumbenennung gibt es schon genug:„Goethe-Schiller Tag“ oder „Otto Hahn Tag“. Hier könnte man stundenlang diskutieren....zumal 365 Tag-Varianten möglich wären.

 







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