500. Saarbrücker Montagsdemo am 22.08.2022

23.08.22
SaarlandSaarland, Bewegungen, News 

 

Von S. Fricker

Mindestens doppelt so viele Leute als in den vergangenen Monaten beteiligten sich heute an der Extra-Montagsdemo gegen die Gasumlage, alles in allem etwa 50 Menschen waren da, manche folgten unserem Aufruf, andre schlossen sich spontan an, die meisten blieben die ganze Zeit über dabei. Man spürte ein gewisses Aufatmen bei Umstehenden, dass sich die Montagsdemo klar gegen rechts abgrenzt – und ‚grad zelääds‘ (saarländisch platt für ‚jetzt erst recht‘) für ihre berechtigten Forderungen auf die Straße geht. Es gab eine Fülle an lebendigen und auch tiefgehenden Redebeiträgen wie lange nicht. Unmöglich, sie alle einzeln zu würdigen. Danke an Alle!

Da passte es grade gut, dass dies zufällig unsere ‚500.ste‘ war, die eigentlich erst für den 05. September gedacht und geplant war. Ein würdiges Jubiläum.

Es brodelt ganz schön in der Bevölkerung wegen der Angriffe auf die Masse der Menschen. Geschildert wurde die Lage von RentnerInnen – „ich habe eine kleine Rente und ein Haus, der Mieter ist krank, dem drehe ich doch nicht die Heizung runter…!“ Die Lage von Arbeitern -“ich kann teilnehmen, weil ich Frühschicht habe, wir haben in den letzten Tagen viel diskutiert, die Regierung beschäftigt uns wohl ständig mit dem Nachrechnen ihrer ‚Einfälle‘, damit wir nicht auf andre Gedanken kommen. Aber die sogenannte Kompensierung der Gasumlage durch die Senkung der Mehrwertsteuer von denen ist doch lächerlich: sie kommt ja noch obendrauf auf den Gaspreis, den wir noch nicht mal kennen. Sollen wir jetzt vielleicht Überstunden machen? Ne.“ „Ich habe auch Frühschicht und ich bin heute da, weil ich nicht nur für Strom und Heizung schaffen gehen will, sondern weil ich auch noch was essen muss“.

Interessant war, wie in vielen Beiträgen herausgearbeitet wurde, WARUM wir die Gasumlage als ‚Sahnehäubchen‘ des aktuellen Krisenmanagements bezeichnen: Hier tritt besonders deutlich zutage, wie den Massen genommen und den Konzernen gegeben wird – und was für gesellschaftliche Klassenverhältnisse dem zugrunde liegen. Aber man müsse schon genau hinschauen. Dass der ‚Pflegefall‘ Uniper, der jahrelang im Schnitt etwa eine Milliarde Euro Gewinn machte, nun nach einem Verlust von ca. ½ Milliarde eilfertig 15 Milliarden ‚Rettungsgeld‘ bekommt plus die Gewinne aus der Abwälzung von 90% der Gas-Teuerung auf die Verbraucher. Aber warum das denn? „Weil Uniper die erwarteten Verluste hochrechnet und dabei etwaige Aktienkurs-Einbrüche, Verschiebungen im Rating usw. gleich einkalkuliert“.

„Da wird klar, wie die Zielsetzung funktioniert, dieselben Energiekonzerne, die jahrelang gegen die Energiewende zu Felde gezogen sind, in Krisenzeiten auf dem Weltmarkt in Führungsposition zu hieven. Das ist die Politik der Ampel-Regierung.“ Und die Frage kam auf: „Wer regiert hier eigentlich?“

Ein Mann schilderte die Situation im Iran, wo – wie hier bei uns auch - die Masse der Bevölkerung nicht nur seit mehr als 40 Jahren unter dem Embargo, sondern zugleich unter der Knute ihrer Regierung leidet. „Es ist auf der ganzen Welt dasselbe Muster – keines dieser Länder rückt auch nur einen Millimeter von seiner Position im Machtpoker freiwillig ab“.

Ein anderer warnte vor einer erneuten Hetze auf Asylbewerber, Geflüchtete, Migrant*innen, die sich bereits abzeichnet in den demagogischen Querdenker / Rote Linie-Demos, aber auch subtil in der Berichterstattung zu ‚30 Jahre Rostock-Lichtenhagen‘. „Unser Regionaldirektor Peter Gillo zog 1992 aus dem faschistischen Anschlag gegen die migrantischen Bewohner von Lichtenhagen den Schluss, dass man weniger Asylbewerber aufnehmen solle, damit so ein Anschlag sich nicht wiederhole – und er sitzt noch heute in Amt und Würden. Also aufgepasst.“, sagte Einer, der damals selbst in Rostock war.

Bei aller Empörung und Anklage – es war eine zuversichtliche, fröhliche Montagsdemo heute. Spontan wurden 2 Lieder gesungen. Eine Rednerin setzte sarkastisch auf das ‚Zusammenrücken‘, das ein kalter Winter uns immerhin bescheren werde. Und ein Redner sprach vom ‚Gas geben gegen die Gasumlage‘.

Und so schälte sich neben all den einzelnen Forderungen der Montagsdemo-Bewegung als gemeinsames Motto für die nächste Zeit heraus:

Zusammenrücken und Gas geben – aktiver Widerstand gegen die Kriegs- und Krisenpolitik der Regierung!“

Wir sehen uns alle spätestens am 05.09. bei der Europa-Galerie. Bis dahin bleibt widerständig und gesund.

s. fricker







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