DKP und SDAJ: Frauentag von Gerresheim bis Brasilien


Intensives Studium am Frauentag: Welche Kurzbiografie ist welchem Foto zuzuordnen?

09.03.08
DüsseldorfDüsseldorf, News 

 

Vorbildliche Frauen aus fast allen Kontinenten bestimmten die gemeinsame Veranstaltung von DKP und der SDAJ in Düsseldorf-Gerresheim zum 8. März. Das Schicksal Olga Benarios wurde in einem kurzen Filmausschnitt und in einem kleinen Referat dargestellt. Ihr Weg von München und Moskau über Berlin nach Brasilien und schließlich in die NS-Tötungsanstalt Bernburg wurde von Christiane Schnura nachgezeichnet - und ebenso der Versuch der ideologischen "Entsorgung" der Widerstandskämpferin nach 1989.

Bei einem Quiz mussten 15 Fotos 15 Kurzbiografien zugeordnet werden. Gesucht wurden die richtigen Namen von Frauen aus der Arbeiterbewegung, aus der Wissenschaft, aus der Kunst und aus der Friedensbewegung. Die zum Teil kniffligen Texte waren von Bettina Ohnesorge vorbereitet worden. Das Team um Gundel Kahl (DKP), Ratsfrau der Linken Liste im Düsseldorfer Rathaus, kannte sich am besten und schnellsten aus.

Ana Paz von der SDAJ lenkte die Aufmerksamkeit auf Frauen aus dem antifaschistischen Widerstand in Düsseldorf. Dabei wurden nicht nur einzelne Namen genannt wie der von Maria Wachter, die schon in der Weimarer Republik im Rahmen der KPD-Agitprop-Truppe "Nordwest-ran" unter Wolfgang Langhoff vor den Nazis warnte. Erinnert wurde an Katharina, die Witwe von Hilarius Gilges, der ebenfalls bei "Nordwest-ran" auftrat und am 20. Juni 1933 von den Nazis ermordet wurde. Seine Familie überlebte den Faschismus, weil Nachbarn sie bis 1945 versteckte.

Wie Frauen, Familien und Freunde die Antifaschisten schützten, wurde am Beispiel der "Razzia von Gerresheim" dargestellt: SA, SS und  Polizei überfielen mit 3.000 Leuten das rote Gerresheim am 5. März 1933. Hier sollte das Rückgrat der Bevölkerung gebrochen werden, denn bis zu 77,5 Prozent der Bevölkerung hatte KPD gewählt. Der Widerstand aber wurde nicht gebrochen. Über die Solidarität während des KPD-Verbotes berichteten eindrucksvoll Manja Aschmoneit  und Gundel Kahl.

Auch als die Gerresheimer Glashütte 1.100 Werkswohnungen verkaufen wollte, spielten die Frauen eine entscheidende Rolle im Widerstand. Um sich und ihre Familien vor Spekulanten und ihre Männer vor der Kündigung zu schützen, besetzten sie kurzerhand die Glashütte. "Sie erreichten ein in der damaligen Bundesrepublik wohl einmaliges Ergebnis", urteilte Uwe Koopmann, Vertreter der DKP im Gerresheimer Rathaus. "Sie setzten September 1979 einen Sondermietvertrag durch, in dem der Wohnungseigentümer auf jede mit Eigenbedarf begründete Kündigung verzichtete. Dieses Recht mussten alle folgenden Hausbesitzer bis heute anerkennen."

Die bürgerliche Presse in Düsseldorf nahm sich an diesem 8. März des Themas auf ihre Weise an: "Frauen auf dem Weg an die Spitze". Abgebildet und betextet wurden unter anderem MdL Dagmar Metzger (SPD), Carola Gräfin von Schmettow (Vorstand Bank Trinkaus & Burkhardt) und Bettina von Oesterreich (Vorstand Hypo Real Estate). - Christiane Schnura: "Wir haben gezeigt: Frauentag ist nicht gleich Frauentag!"
Gerry Kuss







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