Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus


kritische selbstreflexion

16.01.12
SozialismusdebatteSozialismusdebatte, Organisationsdebatte, Berlin, TopNews 

 

von kritische selbstreflexion

Im Verlauf der diesjährigen Luxemburg-Liebknecht-Demonstration haben wir, eine kleine Gruppe emanzipatorischer KommunistInnen, am Rand der Demo ein Transparent entrollt, dass sich gegen die positive Bezugnahme linker Zusammenhänge auf die Führerfiguren Stalin, Mao und Lenin wendete.

Wenige Minuten später wurden wir von aufgebrachten TeilnehmerInnen aus  marxistisch-leninistischen Blöcken mit Stöcken angegriffen, das Transparent in Stücke zerrissen. Menschen die sich spontan mit uns solidarisierten und versuchten uns von den AngreiferInnen abzuschirmen, wurden getreten und mit Fäusten geschlagen.

Dieser Gewaltausbruch ist weder überraschend, noch ein bedauerlicher, unrepräsentativer Vorfall, sondern verdeutlicht, wie es um die Gesinnung maßgeblicher Teile der Gedenkveranstaltung bestellt ist. Es gab noch keine LL-Demonstration, auf der nicht Stalin, Mao und Lenin verherrlicht und deren Verbrechen relativiert wurden. Keine LL-Demo ohne dogmatische Gesellschaftsanalysen autoritärer K(lein)-Gruppen mit blutrünstigen Revolutionsphantasien.

Dies alles geschieht unwidersprochen unter dem Label 'Rosa Luxemburg' und unter Bezugnahme auf reaktionäre Kommunismus-Vorstellungen. Kommunismus aber hat nie etwas anderes bedeutet als die Emanzipation von jeglichen Herrschaftsverhältnissen und lässt sich nicht vereinbaren mit der orthodoxen Weltsicht die sich aus den Staatsideologien historischer stalinistischer Herrschaftsstrukturen destilliert hat.

Wir bedauern es, dass das Transparent nicht lange genug Bestand hatte, um die Teile der Demonstration zu erreichen, denen ein Mindestmaß an Reflexion zuzutrauen ist und so lediglich unverbesserliche Stechschritt-SozialistInnen in dessen Genuss kamen. Unsere Aktion richtet sich an diejenigen TeilnehmerInnen, die ein kritisches Verhältnis einnehmen gegenüber den stalinistischen, maoistischen und „marxistisch“-leninistischen Unzumutbarkeiten, die auf dieser Demonstration präsentiert werden.

Sicher ist es ohnehin fraglich welches emanzipatorische Potential die „Luxemburg-Liebknecht-Gedenkdemonstration“ bietet und wie viel an linkem Personenkult in dieser Veranstaltung genuin angelegt ist. Doch unabhängig davon möchten wir unsere Aktion als einen Aufruf an selbstreflektierte TeilnehmerInnen verstanden wissen, diese Veranstaltung solange zu boykottieren und stattdessen emanzipatorische Alternativveranstaltungen zu besuchen und zu schaffen, wie weiterhin Konterfeis von Mao, Stalin oder Lenin präsentiert werden und in Flyern die autoritären Regime der Sowjetunion, DDR oder des maoistischen Chinas verharmlost werden.

Diejenigen, die berechtigte Vorbehalte haben, das Gedenken an Rosa Luxemburg den Kasernenhof-KommunistInnen zu überlassen, rufen wir dazu auf, zukünftig stalinistische und maoistische Äußerungen auf dem Umzug nicht länger zu tolerieren: Verdeutlicht den TrägerInnen dieser Symbole, dass sie mit Widerspruch zu rechnen haben, verwickelt sie in Diskussionen und ruft antistalinistische Parolen.

Nicht zuletzt fordern wir von den VeranstalterInnen der Demonstration und dem LL-Bündnis einen antistalinistischen und antimaoistischen Grundkonsens zu vereinbaren und  der Verherrlichung autoritärer, diktatorischer Regime - ob historisch oder bestehend - eine deutliche Absage zu erteilen.

Derartige Ideologien können und dürfen nicht Teil einer radikalen Linken sein, die sich bedingungslos gegen Herrschaft, Unterdrückung, Ausbeutung und Ausgrenzung richtet.

https://linksunten.indymedia.org/de/node/53387

 


VON: KRITISCHE SELBSTREFLEXION






<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz