WOHIN GEHEN WIR?


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20.12.11
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von Kornelia Mücksch-Richter

Ziel der Entwicklung: die geldlos individualistische Selbstverwaltungsgesellschaft (Kommunismus)

Die größte Fessel der heutigen Menschheit besteht in der Organisation aller gesellschaftlichen Verhältnisse nach den Gesetzen des Geldsystems.

Das fortschrittliche Funktionieren des Geldsystems war und ist immer an zwei technologische Grundprämissen gebunden, nämlich einerseits einen tödlichen Mangel an Überlebensgütern, so dass die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft verhungern müssen, und andererseits die Notwendigkeit, die Körper- und mentalen Kräfte aller Menschen einspannen zu müssen, um durch die künstliche Herstellung von Überlebensgütern die jeweils bestmögliche Bekämpfung des Mangels erreichen zu können.

Aus diesen technologischen Unfähigkeiten ergab sich über Jahrtausende die Notwendigkeit der Verteilung der zu wenigen Güter nach dem Leistungsprinzip. So wurden die Menschen über die Geldzuteilung arbeitsteilig und nach der Leistung in primitive, unkreative und deshalb hierarchisch organisierte Produktionsprozesse gepresst, indem man ihnen über den Lohn nur so viele Güter vom Bruttosozialprodukt zubilligte, wie ihre Stellung in der Arbeitshierarchie zuließ.

Über den Leistungsanreiz, Geld verdienen zu müssen, um Waren kaufen zu können, wurden die Menschen zur Leistungsabgabe in Konkurrenz mit anderen Menschen als Anhängsel von Werkzeugen oder, wie im Kapitalismus, von Maschinen, zu primitiver Arbeit, der Pflichtarbeit, gezwungen. Hierarchien und damit die Elitenbildung in allen gesellschaftlichen Bereichen sind also vor allem technologisch bedingt, solange Menschen für geistlos unkreative, schwere und schmutzige Arbeiten gebraucht werden und deshalb zur Arbeit gezwungen, manipuliert, korrumpiert, kommandiert, überwacht und angeleitet werden müssen.

Der Elitenbildung im Arbeitsprozess entspricht auch die Elitenbildung in der Konsumtion, denn nur die Eliten können in Mangelgesellschaften ausreichend konsumieren. Deshalb einen „Kommunismus“ der gleichen Verteilung aller Güter in Mangelgesellschaften durchzusetzen bedeutet nicht nur, die Armut und den Hunger gleichmäßig auf alle Menschen zu verteilen, sondern auch, den Menschen die Motivation zu nehmen, im Konkurrenzkampf mit anderen Menschen ihre Fähigkeiten, die im Kampf gegen den Mangel technologisch am wertvollsten sind, auszubilden und in lohnende Arbeiten einzubringen. Wenn es nur wenige Villen gibt, ist es sinnlos, auch diese verfallen zu lassen, nur damit alle Menschen gleich arm und beschränkt in Katen hausen.

Maoismus, Stalinismus oder Zarismus sind technologisch und deshalb auch politisch feudal-primitive Formen des Absolutismus, in denen nur der Gottherrscher mit seinem Hofstaat herrschen und prassen kann. Der Unterschied zum Faschismus besteht nur darin, dass der Gottherrscher hier ein kapitalistischer Diktator ist, weil er in Zusammenarbeit mit Industriekapitänen gewaltige Arbeiterheere beherrscht und auspresst.

Das alles hat nichts mit kommunistisch geldloser Freiheit und Gleichwertigkeit aller Individualitäten gemein. Denn nur das Geldsystem provoziert zur Produktion von immer mehr und besseren Gütern, indem es den tödlichen Konkurrenzkampf jeder gegen jeden anheizt, um möglichst schnell und effektiv das Stadium der allgemeinen Armut zu überwinden. Denn wenn endlich nach Jahrtausenden des Kampfes Maschinen die unkreativen Aufgaben der Produktionsarbeit übernehmen und gleichzeitig gewaltige Gütermassen herstellen können, werden die Armutsgrundlagen des Geldsystems mit seinem Leistungs-, Hierarchie- und Konkurrenzprinzip überwunden. In dem Maße nämlich, wie immer mehr Menschen vom Zwang zu primitiver Arbeit erlöst und damit für lustbetonte und selbstgewählte Arbeit freigesetzt werden, fallen die Elitenebenen nicht nur in den Betrieben, sondern auch in der Gesellschaft weg.

So verdienen nicht nur die Untergebenen, sondern auch ihre Chefs und Bewacher kein Geld mehr, wenn sie wegrationalisiert wurden. Gleichwertig gemacht sind sie dann nur noch Menschen, die der Gesellschaft ihre Kreativität freiwillig schenken wollen, um sich selbst zu verwirklichen, indem sie den Reichtum erschaffen, den sie jeder nach seinen individuellen Bedürfnissen und seinem Lebenssinn auch konsumieren wollen.

Der technologische Schritt zur automatisierten Produktion der Überlebensgüter geht also mit der Befreiung von immer mehr Menschen nicht nur von primitiver Arbeit und dem Kommando primitiver Eliten einher, sondern auch mit einer grundsätzlichen Kultivierung der Arbeitswelt. Die Menschen werden befreit vom Zwang zum Geldverdienen und damit frei, selbstbestimmt das zu tun, wonach ihre Kreativität verlangt. Statt Pflichtarbeit wird die Arbeit zur Lust an der Überwindung eigener Schranken durch Selbstverwirklichung im Schoße einer freien und fürsorglichen Gesellschaft.

Solange allerdings das Geldsystem noch besteht und deshalb Güter oder Gelder nur gegen elitär kommandierte Arbeit ausgeliefert werden, ist jede partielle Befreiung vom Geldverdienen tödlich. Sozialsysteme sind im Übergang des Sterbens des Geldsystems also essentiell notwendig, um den Arbeitslosen das Kaufen und damit die Teilhabe am Massenkonsum weiterhin zu ermöglichen. Die technologisch erzwungene Befreiung der Menschen aus ihrer primitiven Arbeitswelt hat nämlich auch eine befreiende Produktseite: denn durch den Vormarsch von Robotern wird die Massenproduktion sowohl quantitativ als auch qualitativ überwindbar.

Im letzten Stadium des Geldsystems können so viele Produkte durch die Arbeit nur weniger Menschen in einer einzigen Fabrik hergestellt werden, dass der ganze Erdball damit überflutet werden könnte. Dieser Überfluss, der trotz aufdringlichster Werbung keine Käufer mehr finden kann, beendet endgültig die Mangelwirtschaft und damit auch die Möglichkeit und den Zwang, unmündigen Menschen über das Leistungsprinzip Arbeit und Geld und somit auch Waren zuzuteilen. Deshalb wird bereits im Massengüterparadies, dem letzten Stadium des Kapitalismus, die Verteilung nach der Leistung generell sinnlos, zumal eine extreme Übersättigung an jeder Form des äußerlichen Konsums mit dem finanziellen Ausschluss der verarmten Prekären von jedem Luxuskonsum einhergeht.

Elitärer Luxus wird eben sinnlos, wenn das allgemeine Lebensniveau so hoch ist, dass der alte Mangel durch die Teilhabe aller Menschen am höchsten technologischen Niveau überwunden werden kann. Wonach die Geldreichen dann noch streben, das haben die Geldarmen schon lange hinter sich gelassen. Denn einmal in der Überflussgesellschaft angekommen, greift der technologische Wandel nun erziehend und kultivierend auf immer mehr Menschen über, weil nach dem Raffgierprinzip immer nur massenhaft sinnlos und auf Verdacht gesichtslose Einheitswaren für einen Markt produziert werden können und deshalb zum großen Teil auf der Deponie landen.

Wenn die Natur im Massenwahn nur noch sinnlos verheizt wird, um die kranke Raffgier und den elitären Geltungsdrang Weniger zu befriedigen, müssen das Geldprinzip und der Egoismus als „hehre“ Motivation zur Arbeit sterben, wenn nicht die Natur und die Menschen sterben sollen. Da die primitiv geldgesteuerte Produktionsweise mit den heutigen Technologien tödlich gefährlich für die Erde und alles Leben wird, leiden immer mehr „überflüssige“ Menschen nicht nur unter Depressionen, Einsamkeit und Sinnentleerung, sondern auch zunehmend unter universellen Ängsten und Schuldgefühlen.

Im Stadium des Massengüterparadieses muss das Geldsystem und damit die Motivation zur Arbeit, Gewinn erwirtschaften zu müssen, durch die kommunistische Produktion von Gütern entsprechend den konkreten Bedürfnissen der Konsumenten überwunden werden. Die ungerichtete Einheits- und Massenproduktion, die sich stets nur am vermeintlichen Geldbeutel und Geschmack der vermeintlichen Kunden orientieren kann, muss dringend durch eine individualistische Produktion nur der nötigsten, aber deshalb auch vollkommensten Produkte für jeden einzelnen Menschen abgelöst werden.

Nur die kommunistische Verteilung nach den kultivierten und deshalb maßvollen Bedürfnissen, also nicht nach der Leistung und damit nicht über das Geld kann diese unerhört neue und anspruchsvolle Produktionsqualität hervorbringen, in der zielgenau und deshalb intelligent, kreativ und ressourcensparend nur das in der jeweils machbaren Höchstqualität für den Adressaten hergestellt wird, was unbedingt gebraucht wird. Für jeden Menschen die maßgeschneiderten Traumprodukte herzustellen und dafür schon im Vorhinein sein vollkommenstes Produkt zu kreieren, wird den Menschen der Zukunft einen nie gekannten kulturellen Reichtum bei höchster Sparsamkeit der Verwendung von Naturressourcen bescheren.

Für all die Kreativen und Humanisten, die in der Herstellung der Harmonie mit den Mitmenschen und der Natur ihre Selbstverwirklichung und damit einen höheren Lebenssinn jenseits von Karriere und Raffgier suchen, wird die Bewältigung dieser Produktionsaufgabe für Jahrhunderte eine gewaltige Herausforderung sein. Die Träger des Waren- und Geldsystems haben im heutigen letzten Stadium der Raffgier nach Rohstoffen und Massengütern die Balance der Erde fast völlig zerstört, um ihren inzwischen ins krankhafte Gieren übersteigerten Machthunger durch die Verkünstlichung fast aller Naturschätze zu stillen.

Doch die maßlos rücksichtslose Gier der Egoisten wird nie zu stillen sein. Deshalb kann nur das technologisch-ökonomisch ausgelöste Erlöschen des Geldsystems, nicht aber eine Revolution die Befreiung der humanistischen Kreativität vieler Menschen von den Fesseln des dienenden Geldverdienenmüssens bringen und die Erde von der Profitgier erlösen. Die ökonomisch-technologischen Gesetze, die sich hinter dem Rücken und gegen den Willen und das Begreifen auch aller Menschen durchsetzen werden, sind der rettende Segen nicht nur für die Menschheit, sondern auch für die Natur. Die Geschichte geht ihren Weg und zwingt die Egoisten zum Humanismus, wenn das Geldsystem zusammengebrochen ist.

Durch kommunistisches Sichselbstzurücknehmen kann dann die Menschheit mit einem neuen universellen Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Natur dezentral und kreativ vor Ort die Wunden fachgerecht heilen, die die Raffgier und die kulturtechnologische Unmündigkeit des Geldsystems zurückgelassen haben. Denn die vom Geldsystem erlöste Menschheit wird nicht nur mittels einer robotergesteuerten Individualproduktion in höchstmöglicher Qualität nur noch das produzieren, was unbedingt nötig ist und damit die irrsinnige Massenproduktion der Marktwirtschaft ablösen, sondern auch sich selbst als energetisch-seelisches Individualwesen entdecken und so endlich nicht nur ein versöhntes und liebevolles Verhältnis zu allen Mitkreaturen, sondern auch ein kultiviertes Verhältnis zur Körperwelt und dem eigenen Körper entwickeln. Wenn der Hunger des Körpers gestillt ist, kann man sich dem Hunger der Seele nach Versöhnung mit den Anderen und damit dem eigenen Glück zuwenden. Völlig neue kosmische Energien, Einsichten und Fähigkeiten werden sich so den wahrhaft freien Menschen auf dem Weg nach innen erschließen.

So wird die äußerlich berechnende Diktatur durch inhaltlichen Tiefgang um der Sache willen überwunden. Masse wird abgelöst durch Qualität und das Dogma der Einheitlichkeit, Uniformität und Hörigkeit überwunden durch die Freiheit der Individualität, Verantwortungskompetenz und Selbstbestimmung, als mündiger Mensch zu leben. So wird die globalisierte Einheitsvermassung des Geldsystems durch die freie kulturelle Individualität der unterschiedlichsten dezentral produzierenden Selbstverwaltungsgesellschaften überwunden, weil die Gleichwertigkeit aller Menschen in ihrer einmaligen und unwiederholbaren Individualität das Kommando egoistischer und inkompetenter Eliten über unselbständige Untertanen ersetzen wird.

Die Menschen der Zukunft werden in inhaltlich geführten Projektgruppen freiwillig und entsprechend ihrer individuellen Kreativität und Sinnbestimmung zusammenarbeiten. Wenn das Geldsystem gestorben ist und jeder nach seinen Bedürfnissen leben, arbeiten und konsumieren kann, wird es den primitiven Egoisten keinen Lustgewinn mehr bringen, nach äußerlichen Gütern zu jagen und die Arbeit fremder Menschen für sich auszunutzen.

Wege durch die Übergangsphase

Die historische Phase des Übergangs der Menschheit von der Epoche des Waren- und Geldsystems in die Epoche der freien kommunistischen Selbstverwaltungsgesellschaft wurde mit der letzten großen wissenschaftlich-technischen Revolution, der globalen Einführung von Computertechnologien in den Alltag und der industriellen Kolonialisierung der letzten großen unterentwickelten Gebiete vor allem in Asien und Lateinamerika eingeleitet.
Die letzte große Börsenhausse mit dem anschließenden großen Crash im Jahr 2000 markiert den Beginn dieser Übergangsphase, weil der Geldhunger sowohl durch die technologische Überflüssigmachung von immer mehr Menschen als auch durch die Einbeziehung der letzten unberührten Gebiete der Erde in die profitträchtige Industrialisierung keine Möglichkeit mehr finden kann, durch expandierende Massenproduktion gestillt zu werden.

Denn nur durch ein stetiges Mehr an Masse bei sinkenden Lohnkosten kann die Geldsteuerung der Gesellschaft lukrativ bleiben. Doch Geld ist nur ein Äquivalent für die menschliche Arbeitszeit zur Herstellung materieller Güter. Wenn also Maschinen die algorithmierbare Arbeit übernehmen und Menschenmassen als Arbeiter und deshalb auch als Käufer disqualifizieren, stirbt die Gewinnmacherei. Auch der grandiose deutsche Exportboom wird erlöschen, sobald die „unterentwickelten“ Länder ihrerseits als Industriemacht auf der verzweifelten Suche nach noch zahlungsfähigen Kunden die Welt mit ihren Waren überfluten. Die zerstörten Binnen- und Arbeitsmärkte werden durch Verlöschen der kapitalistischen Fabrikproduktion global das Geldsystem töten. Auch durch den Vormarsch der Billigarbeit ist das nicht aufzuhalten.

Da sich dieser technologische Prozess des Heraustretens menschlicher Handlanger aus der industriellen Güterproduktion systematisch und nicht schlagartig entwickelt, teilt sich die Menschheit sukzessive in die Eliten, die weiterhin noch mit Geschäften Geld verdienen und deshalb auf immer reicherem Niveau konsumieren können und in die Menschen, die als Arbeitslose und Prekäre verelenden, vereinsamen und vor dem Hungertod stehen, zumal ihre Flucht zurück in eine intakte Natur unmöglich ist. So entstehen nie gekannte soziale und kulturelle Probleme. Denn den logischen Ausgleich, parallel zur wachsenden Arbeitslosigkeit im Arbeitsmarkt einen nicht gewinnträchtigen kulturkreativen Beschäftigungssektor jenseits der herkömmlichen Wirtschaft und des Staates mit leistungsgerechten Löhnen zu schaffen und auszuweiten, kann und will der Staat ohnehin nicht leisten, zumal Kultur objektiv keinen Preis hat.

Schließlich bekämpft ja die profitierende Geldelite gerade diese „unnützen“, ihr gefährlich werdenden uneigennützig kulturellen Fähigkeiten, die sich eben nicht vermarkten lassen! Und selbstverständlich wollen „Leistungsträger“ und Eliten der Gesellschaft natürlich nicht die aus der fremden Arbeit herausgezogenen Gelder zurückgeben. Ohnehin sind aus elitär egoistischer Sicht die sozialen Netze für „unproduktive und unnütze“ Menschen nur Geldverschwendung, so dass alle Eliten Ideen, durch Vergesellschaftung ihrer Vermögen und durch Abbau von Hierarchieebenen und einträglicher Posten mit den „Unterschichten“ gleichgestellt zu werden, mit aller Kraft bekämpfen.

Die kommunistische Gleichheit ist das Schreckgespenst, vor dem alle elitären Egoisten erschauern. So stecken die Marktegoisten nicht nur Firmengelder, sondern zunehmend auch alle denkbaren Steuergelder als „Investitionen“ in Infrastruktur, Immobilien, Leuchttürme der Industrie, Fördergebiete und Lohnersatzzahlungen für gierige Unternehmer, damit die aus staatlich bezahlten Billigsklaven das Letzte herausholen können. Und leider „investiert“ der Staat neuerdings auch offiziell in Rettungsschirme für Pleitenfirmen, Banken, Aktien, Optionen, Kredite, Insolvenzberater und die Begleichung von Fehlspekulationen reicher Anleger aller Art, damit die ihre „Gewinne“ weiterhin einstreichen können, als wäre heute noch aus Arbeitslosen Profit zu pressen wie früher, als sich Arbeitslager noch rechneten.

Steuergelder fließen aber auch in die politische Anbahnung von Rüstungsgeschäften, Erschließung von Rohstoffen und Absatzmärkten bis hin zur Führung von Kriegen, um den deutschen Unternehmen und Leistungsträgern wie zu Hitlers Zeiten Gewinne zu sichern. So wird der Staat selbst zum Unternehmer, der in den Menschen, die er eigentlich sozial betreuen sollte, nur das „Nutzvieh“ sieht, das man mit Zuckerbrot und Peitsche seiner Bestimmung für den Markt zuführen muss. So fließen die Steuergelder, die man über diverse Volkssteuern auch den Prekären abgejagt hat, nicht mehr dorthin, wohin sie gehören, nämlich in die sozialen Netze und die Kultur- und Sozialeinrichtungen der Kommunen wie Schulen, Unis, Krankenhäuser, Theater, Bibliotheken oder Turnhallen, wo auch alle „unprofitablen“ Menschen mit ihren unprofitablen kulturellen Bedürfnissen leben, sondern in die Wirtschaft.

So steht die Welt auf dem Kopf, seitdem nicht mehr die Wirtschaft den Staat ernährt, sondern der Staat durch Ausbluten des Volkes der Wirtschaft Gewinne verschafft, die sie längst nicht mehr erarbeitet. Da der korrupte Staat in seiner Not, durch die Arbeitslosigkeit bei steigenden Sozialanforderungen immer weniger Geld einzunehmen, fleißig Geld druckt, sind die ganzen Schulden und Kredite mitsamt ihren Zins- und Zinseszinsversprechen ohnehin nur leeres, durch zukünftige profitable Arbeit nicht mehr einbringbares Buchgeld. Alle modernen Staaten gehen eher oder später in die Pleite.

Daran können auch die wohlmeinendsten Prognosen von Ratingagenturen nichts ändern. Doch in der Übergangsphase des Hin und Her zwischen Hoffnung und Ruin klaffen zwischen den arroganten Profiteuren des Geldsystems und der wachsenden Zahl von Menschen, die ein Leben im aussichtslosen Kampf ums Geld als sinnentleert und unmoralisch erleben, immer größere Abgründe. Und so bilden sich im Kampf um die letzten einträglichen Arbeitsplätze, Geschäfte und Geldvermögen auch zwei gegensätzliche Kulturlager aus.

Diejenigen, die noch Geld verdienen können oder unbedingt wollen, streben wie seit Jahrtausenden im Kampf gegen andere Menschen nach Macht, Geld und Karriere. Da aber die Gewinnmacherei immer schwieriger wird, werden nicht nur die Eliten zu immer skrupelloser verflachenden Schmalspurexperten. Karrieregeilheit, Raffgier, Unmoral und philosophische Verblödung werden zum allgemeinen Kulturstandard im Streben nach einem lukrativen Platz in der Elite. Im verzweifelten Kampf ums finanzielle Überleben gibt es keine moralischen Hemmungen mehr. Alles, was Geld bringt, ist erlaubt.

Zugleich bilden sich Trends zu mehr Moral und Gewissen bei den Menschen aus, die von der Gesellschaft überflüssig, arbeitslos und einsam gemacht, sich zutiefst enttäuscht in sich selbst versenken und dabei ihr verdrängtes Gewissen, Können und Streben entdecken. Immun gegen die Verführungen, Dogmen und Manipulationen des Geldverdienstsystems werdend erwecken immer mehr Menschen zu neuem Selbstbewusstsein, selbständig denkend und entscheidend mit Kompetenz und Verantwortungsgefühl für das gesellschaftliche Ganze und den pfleglichen Umgang mit der Natur zu wirken. Mit ihrem Streben nach Harmonie setzen sich diese Menschen überall dort in Konflikt mit der allgegenwärtigen Käuflichkeit, wo die Lebensrechte von Mensch und Natur mit der verbrecherisch werdenden blinden Massenproduktion der Märkte kollidieren.

Die Übergangsphase ist ein Kampf der Kulturen um Neudefinitionen von Freiheit, Kreativität, Individualität, Arbeits- und Lebenssinn, Körper- und Seelenbedürfnissen und die Unmoral von Hierarchien, Eliten- und Kommandowirtschaft. Dieser Kampf gegen die diktatorischen gesellschaftlichen Verhältnisse der Geldsteuerung wird ausgetragen im Kampf um die Verteilung der Überflussgüter, weil die noch immer wie in der Mangelwirtschaft mit Geld nach der Leistung zugeteilt werden sollen und lieber auf der Deponie als in den Händen der Bedürftigen landen.

Denn Egoisten erscheint es noch heute unvorstellbar, dass ein Gesellschaftsmodell funktionieren könnte, bei dem alle Menschen mit Freude für „umsonst“ arbeiten und mit Lust und ohne Neid das gemeinschaftlich, doch mit unterschiedlichem persönlichem Anteil Erarbeitete gleichwertig mit allen Menschen teilen. Die Anerkenntnis der Gleichwertigkeit aller Menschen bei Anerkenntnis ihrer einmaligen Individualität und damit die Achtung vor der Fähigkeit aller Menschen, selbst kompetent und mündig entscheiden und arbeiten zu können und zu wollen, ist der Graben, der Egoisten und Humanisten, Verfechter und Bekämpfer des Geldsystems trennt.

Humanistischer Freiheitskampf für die Selbstbestimmungs- und Lebensrechte aller Menschen muss sich deshalb für die Umverteilung aller Gelder, Kompetenzen und Kommandogewalten von Oben nach Unten in die Kommunen einsetzen, um die Verteilung aller notwendigen Güter und Dienstleistungen auch an die Prekären zu gewährleisten. In dem Maße, wie die leistungsgerechte Möglichkeit, Geld zu verdienen, verschwindet, müssen die finanziellen Zuwendungen an alle Menschen vereinheitlicht werden, um schrittweise zum kostenlosen Verteilen von Gütern und Dienstleistungen übergehen zu können.

Alle Ausgrenzungen, Zwänge und Sanktionsmechanismen, die Arbeitslosigkeit bestrafen und Menschen gegen ihren Willen in unwürdige Jobs zwingen wollen, um elitäre Gewinne zu sichern und Pleiten zu verhindern, sind reaktionär, weil sie den technologischen Fortschritt aufzuhalten versuchen. Und sie sind verbrecherisch inhuman, weil sie Menschen um ihren Lebenssinn bringen.

Die heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse der Geldsteuerung sind Fesseln, die nach dem universellen Gesetz der immer währenden Höherentwicklung alles Seienden bald gesprengt werden, weil sie die technologisch mögliche und nötige freie Entfaltung der Schöpferkräfte der Menschheit verhindern und Menschen widersinnig in die Korruption und Verblödung zwingen.

Aus demselben Grund, aus dem der Sozialismus sterben musste, wird der Kapitalismus und mit ihm die Epoche der Waren- und Geldgesellschaft sterben. Und kein Dogma wird den Aufstieg des Kommunismus aufhalten!

Dezember 2011



VON: KORNELIA MÜCKSCH-RICHTER






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